Schlafstörungen Der Methodencheck


Der Freiburger Schlafspezialist Professor Dieter Riemann hat für den stern die wichtigsten medizinischen Verfahren für verschiedene Patiententypen bewertet.

Regeln der Schlafhygiene

Tiefschlaftipps

Um in den Schlummer zu finden, genügen oft schon kleine Veränderungen der abendlichen Gewohnheiten - und ein bisschen Disziplin

1.

Kaffee, Cola, Schwarztee, koffeinhaltige Medikamente und Zigaretten stören die Nachtruhe - für Schlechtschläfer sind sie drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen tabu.

2.

Alkohol setzt zwar die Hirnaktivität herab und hilft so beim Einschlafen. Er kann den Schlaf aber unterbrechen und Albträume auslösen. Menschen mit leichtem Schlaf sollten daher vor dem Zubettgehen keinen Alkohol mehr trinken.

3.

Auch schwere Mahlzeiten am Abend stören den Schlaf. Leichte Kost und Milchprodukte sind dagegen Einschlafhilfen.

4.

Sport kann den Schlafrhythmus grund-sätzlich verbessern. Liegt aber zu wenig Zeit zwischen Sport und Zubettgehen, wird er zum Schlafräuber. Besser für schlechte Schläfer: Frühsport.

5.

Unsere innere Uhr reagiert empfindlich auf äußere Einflüsse wie Lärm, Licht, Hitze oder Kälte. Ohrstöpsel, leise Hintergrundmusik, lichtundurchlässige Vorhänge und gemäßigte Raumtemperatur können helfen.

Die Wachbleiber

Insomnien und Störungen des Tag-Nacht-Rhythmus
Symptome: Ein- und Durchschlafstörungen, oft verbunden mit Grübelei, Ängsten, depressiven Gedanken. Der nicht erholsame Schlaf macht müde, unkonzentriert, gereizt, mitunter depressiv. Grund für die Schlafstörung können sowohl äußere Einflüsse (Lärm, Helligkeit, Medikamente) als auch innere Ursachen (Sorgen, Termindruck, Hormonhaushalt) sein. Bei einigen Patienten ist der Schlaf-Wach-Rhythmus durch Zeitzonenflüge, Schichtarbeit oder nächtliche Störungen (Stillen, Kinder, Lärm) aus dem Takt geraten. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Der wichtigste Grund: Es gelingt ihnen nicht, abends abzuschalten, vor allem nicht, wenn sie kleine oder schulpflichtige Kinder haben.
Diagnose: Übernachtungen im Schlaflabor sind selten nötig. Es genügt eine gründliche Anamnese: Fragen nach den Beschwerden des Patienten, nach seinem Lebensstil und den Schlaf- beziehungsweise Ruhegewohnheiten, nach Medikamenteneinnahme und nach der Familien- und Krankengeschichte. Standardisierte Fragebögen und Schlaftagebücher helfen, die Wahrnehmung des Patienten ("Ich habe seit Wochen kein Auge zugetan!") zu objektivieren. Zudem sind ausführliche Fragen zur psychischen Befindlichkeit sehr wichtig, da viele psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen, zu Schlaflosigkeit führen können - und umgekehrt. Außerdem sollte eine gründliche körperliche Untersuchung (Herz-Kreislauf-System, Hormonstatus, insbesondere der Schilddrüse) durchgeführt werden.

Behandlung

Arbeitsteilung: Die so häufig betroffenen Mütter sollten ihre Schlafstörung wegen der gesundheitlichen Gefahren nicht verdrängen, sondern mit der Familie nach Lösungen suchen, die sie im Alltag entlasten und ihnen das abendliche "Abschalten" erleichtern.
Kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden: Hier kommen verschiedene der folgenden Methoden zum Einsatz. Besserung bringen die Therapien frühestens nach zwei bis vier Wochen. Dafür bleibt ihr Effekt aber über Monate bis Jahre hinweg nachweisbar.
Entspannung: Autogenes Training, Mus- kelentspannung und Fantasiereisen sind bei Insomnie wirksam. Schwangeren, für die Schlafmittel wegen der möglichen Wirkung aufs Kind kaum infrage kommen, können vor allem die Muskelentspannungstechniken helfen. Damit diese Methoden wirken, ist es wichtig, die Regeln der Schlafhygiene zu befolgen
Stimuluskontrolle: Bei vielen Insomnie- patienten hilft es, die gedankliche Verbindung "Bett = Schlaf" aufzufrischen und sie mit strikten Verhaltensregeln zu festigen. Das heißt: Das Bett wird nur zum Schlafen benutzt; Ausnahme: Sex. Wer nicht einschläft, steht nach 15 Minuten wieder auf - Lesen, Musikhören, Arbeiten im Bett sind tabu. Außerdem klingelt der Wecker werktags wie am Wochenende zur selben Zeit, geschlafen wird nur nachts.
Schlafrestriktion: Sehr effektive Methode, die Disziplin erfordert. Um den gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus in die richtige Bahn zu lenken, hält sich der Patient bis zu einem vereinbarten Zeitpunkt (z. B. drei Uhr) wach. Er erhöht also systematisch den "Schlafdruck", um für die folgenden Stunden im Bett dann müde genug zu sein. Sobald dieser neue Rhythmus sicher funktioniert, verlegt der Patient seine Zubettgehzeit von Woche zu Woche wieder vor und dehnt die Gesamtschlafzeit so auf ein erholsames Maß aus.
Kognitive Techniken: Gemeinsam mit dem Arzt oder Therapeuten entwickelte "Denkregeln" bremsen die Grübelei und ersetzen sie durch angenehmere Gedanken. Sie lösen die Verkrampfung, endlich schlafen zu wollen, oder verbannen das Problemwälzen in die Zeit außerhalb des Bettes.

Arzneimittel

Die Schnarcher

Schlafbezogene Atmungsstörungen, Schlafapnoe
Symptome: lautes, unregelmäßiges Schnarchen, oft in Verbindung mit Atemstillständen. Der Patient weiß davon meist nichts, erlebt seinen Schlaf aber als nicht erholsam, ist tagsüber erschöpft, müde und unkonzentriert. Das Schnarchen selbst ist keine Krankheit; problematisch wird die Störung allerdings, wenn häufige Atemaussetzer hinzukommen. Ab den Wechseljahren sind Frauen ebenso häufig betroffen wie Männer.
Diagnose: Schnarchen und Atempausen lassen den Sauerstoffgehalt des Blutes sinken. Wie stark der Mangel ist und wie sehr der Körper des Schnarchenden darunter leidet (von zu wenig Tiefschlaf bis hin zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen), kann nur eine gründliche Untersuchung im Schlaflabor zeigen.

Die Zappler

Restless Legs Syndrom (RLS) und das Syndrom periodischer Beinbewegungen
Symptome: unangenehme, meist schwer beschreibbare Gefühle in den Beinen, die in Ruhephasen, vor allem abends, auftreten. Die Beine zu bewegen verschafft kurzzeitig Linderung, raubt aber den Schlaf. Bei rund 20 Prozent aller Frauen entwickelt sich das RLS während der Schwangerschaft und klingt danach meist wieder ab. Das RLS geht oft mit dem Syndrom periodischer Beinbewegungen (PLMD) einher, das aber auch eigenständig auftreten kann. Dabei zucken Zehen, Füße und Beine nachts unkontrolliert. Der Patient bekommt davon nichts mit, fühlt sich am Tag aber unausgeschlafen.
Diagnose: Bei RLS genügt meist eine gründliche Befragung des Patienten, da die Symptome in der Regel eindeutig sind. PLMD ohne RLS sollte hingegen im Schlaflabor untersucht werden, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können und andere Ursachen wie nächtliche epileptische Anfälle auszuschließen.

Die Ruhestörer

Parasomnien
Symptome: Auffälliges Verhalten im Schlaf, vor allem die sogenannten Aufwachstörungen: Schlafwandeln, Schlaftrunkenheit, Albträume, Muskelzuckungen, Zähneknirschen, Schreien oder Sprechen im Schlaf. Die Lebensqualität beeinflussen diese Schlafstörungen nur in schweren Fällen.
Diagnose: Die Art und Schwere der Störungen kann wegen der spezifischen Symptome meist durch eine gründliche Anamnese erfasst werden. Eingehende Untersuchungen im Schlaflabor sind jedoch nötig, wenn der Betroffene sich oder die Familie verletzen könnte, wenn er sie am Schlafen hindert oder wenn er tagsüber unter großer Müdigkeit leidet. Zudem kann die Untersuchung in solch schweren Fällen helfen, eine Epilepsie als Ursache auszuschließen.
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