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Trotz Rückschlägen Schlaganfall mit Mitte 30: Wie Alex sich sein Leben zurückholt

Sehen Sie im Video: Alex Böhm erleidet mit 36 einen Schlaganfall – und kämpft sich zurück in den Alltag.






Die meisten Schlaganfall-Patienten sind über 60 Jahre alt. Doch der Hamburger Alex Böhm ist gerade einmal 36 und gesund, als ein Schlaganfall sein Leben von einem Moment auf den nächsten ändert.
"Es war eigentlich ein Tag wie jeder andere," sagt Alex Böhm "Ich hatte mich auf einen Job in Südafrika beworben und sollte an dem Tag Rückmeldung bekommen. Ich habe telefonisch eine Absage bekommen. Zuerst habe ich mich ganz normal gefühlt. Ich habe mich hingesetzt, wollte weiterarbeiten und da war mir schon schwummerig. Ich habe zu Philipp noch gesagt: 'Ich geh mal kurz auf Toilette, mich frischmachen!', bin aufgestanden und dann im Büro wie eine Flipperkugel hin- und hergewankt. Und dann: zack."
Sein Kollege Marc Drewello ist als Ersthelfer bei Böhm - und erkennt den Schlaganfall sofort.
Alex Böhm: "Dass Marc Drewello da war, weiß ich gar nicht mehr. Dass der Notarzt da war, das weiß ich noch, weil der mich erst einmal wie in einem Actionfilm geohrfeigt hat und gesagt hat, ich solle da bleiben. Dabei wollte ich nur schlafen."
"Ich glaube, ich war nicht zurechnungsfähig ... drei Tage. Erst einmal Akut-Reha, wo man erst einmal die grundlegenden Sachen wieder lernt. Deswegen Akut-Reha, weil man nicht allzu lange warten soll. Alles, was man in kürzester Zeit anfängt zu therapieren, kann erhalten bleiben."
Nach vier Wochen kommt Böhm für drei Monate in die Reha nach Bad Bevensen. Er muss das Gehen neu erlernen.
Alex Böhm: "Am Anfang war es schon sehr, sehr anstrengend. Aber irgendwann durfte ich dann eben an den Wochenende nachhause. Und da habe ich eigentlich nichts anderes gemacht als zu schlafen. Denn die Wochen fühlten sich an, als ob ich den ganzen Tag Hochleistungssport mache."
"Dann wurde ich entlassen, war zurück in der eigenen Wohnung und habe dann zweimal die Woche ambulant Reha weitergemacht. Zwei, drei Monate später habe ich wieder angefangen, halbtags zu arbeiten. Ich wusste allerdings nicht, dass ich da aufgrund der Hirnblutung schon Epileptiker war."
Von seiner Epilepsie erfährt Böhm durch einen schweren Anfall im November 2015. Zehn Tage lang liegt er im Koma.


Alex Böhm: "Es ist normal so, dass man die ersten paar Tage nach dem Koma überhaupt nichts mitbekommt, total wirre Gedanken hat. Ich habe mich zum Beispiel so gefühlt, als würde ich in der S-Bahn zwischen zwei Stationen hin- und herfahren. Was natürlich nicht der Fall war. Ich war auf der Intensivstation."
Nach Anfall und Koma muss er Vieles zum dritten Mal lernen. Also wieder: Akut-Reha, Reha, ambulante Therapie. Kein Grund für ihn, aufzugeben.
Alex Böhm: "Ich glaube, es ist auch das Wichtigste, sich eine Perspektive zu schaffen, um dann sauber aus der Situation herauszukommen."
Nach Jahren in einer ambulant betreuten Wohngruppe lebt er nun in einer eigenen Wohnung – und arbeitet daran, wieder ganz auf eigenen Füßen zu stehen. Sein Traum: eines Tages über die Brooklyn Bridge in New York zu laufen.
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Die meisten Schlaganfall-Patienten sind über 60. Doch Alex Böhm ist gerade einmal 36, als sein Leben sich von einem Tag auf den anderen ändert. Trotz Rückschlägen kämpft er sich zurück in einen selbstbestimmten Alltag.

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