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Abnehmen Warum Superstar Adele ein tolles Vorbild ist

Adele mit Band bei einem Auftritt im amerikanischen Fernsehen
Die Überraschung war groß, als sich Adele plötzlich viel dünner in der Öffentlichkeit zeigte. Es gab viel positives Feedback - aber auch Anfeindungen.
© NBC/ SNL
In einem ausführlichen Interview spricht die britische Sängerin Adele zum ersten Mal darüber, wie sie 45 Kilo abgenommen hat. Statt zu hungern, hat sie viel Sport getrieben. Damit setzt Adele ein wichtiges Zeichen, findet unsere Autorin.

Was wurde die britische Sängerin Adele nicht schon öffentlich ausgelacht, sogar beschimpft, bloßgestellt und attackiert für ihre Figur. Lange Zeit, weil viele sie für zu dick hielten. Später dann, nachdem sie mehr als 40 Kilo abgenommen hatte, wurde sie für ihren Gewichtsverlust kritisiert. So erschlankt, sei sie ein schlechtes Vorbild für andere. Was für eine schräge Argumentation. Ein weiterer Vorwurf: Wieder eine, die auf die Diätindustrie und ihre Versprechen herein gefallen sei. Die Urteile waren hart und erbarmungslos. Adele selbst hatte gar nicht über ihre neue Figur geredet, sondern nur ein Foto von sich online gestellt. Danach fühlten sich viele dazu berufen, die Sängerin zu verurteilen. 

Nun hat die 33-Jährige vor einigen Tagen zum ersten Mal ausführlich in einem Interview darüber gesprochen, warum und wie sie abgenommen hat. Mit ihrer Offenheit und dem gewählten Weg kann sie ein wichtiges Vorbild werden. Denn anders als vermutet, hat sie sich keiner strengen Diät unterworfen – sondern hat viel Sport getrieben und trainiert. Im Gespräch mit der Mode-Zeitschrift "Vogue" erzählte die Britin, dass sie sich besonders während der Pandemie nach der Trennung von ihrem Ehemann einsam gefühlt habe. Und wie diese Zeit für sie von Angst dominiert worden sei.

Das Cover der Zeitschrift "Vogue" mit einem Foto von Adele
In der Zeitschrift "Vogue" spricht die britische Sängerin Adele zum ersten Mal über ihre neues Gewicht. Vor allem durch hartes Training hat sie 45 Kilo verloren.
© Alasdair McLellan

Aber dann machte sie beim Sport eine tiefgreifende Erfahrung. "Ich habe bemerkt, dass wenn ich trainierte, hatte ich keinerlei Ängste und war nicht mehr aufgeregt", so die 15-fache Grammy-Gewinnerin. Danach sei ihre psychische Gesundheit die wichtigste Motivation für ihr intensives Training gewesen. "Mir ging es beim Sport nie um das Gewicht. Ich dachte mir, wenn ich meinen Körper stark mache, dann kann ich das vielleicht eines Tages auch mit meiner Seele so machen", erinnert sie sich im Interview.

Begonnen habe sie mit dem Training für ihren Rücken und den Bauch. "Ich hatte Rückenschmerzen und einen Kaiserschnitt", erzählt sie. Die Fortschritte seien langsam gewesen, was die Sängerin aber auch nicht überraschte. Schließlich hätte sie quasi keine Muskeln gehabt. Über die ganze Zeit, bis zur Veröffentlichung des ersten Fotos mit deutlich weniger Gewicht, sei sich darüber bewusst gewesen, wie sehr ihre Figur in der Öffentlichkeit diskutiert werde. Sie sagt: "Mein Körper wurde schon während meiner gesamten Karriere von anderen benutzt. Nicht nur jetzt."

Adele wurde vor allem von Frauen kritisiert

Mit Blick auf ihre neue Figur und die Reaktionen erklärt sie: "Ich weiß es ist ein Schock und ich verstehe auch, warum manche Frauen verletzt sind. Äußerlich stand ich mit meiner Figur stellvertretend für viele andere. Aber ich bin immer noch dieselbe Person." Vor allem andere Frauen seien ihre härtesten Kritikerinnen gewesen, berichtet die Britin. "Die brutalsten Gespräche über meine Figur hatte ich mit anderen Frauen. Das war wirklich extrem enttäuschend für mich. Das hat meine Gefühle verletzt."

Wofür ich Adele wirklich bewundere und warum ich sie für ein Vorbild halte? Es gab keine Videos von ihr aus dem Gym und keine Abnehmtipps auf Instagram. Auch hat betont sie klar, sie habe nicht abgenommen, um sich an ihrem geschiedenen Ex-Mann zu rächen. Die Aussage, dass es ihr nie um das Gewicht ging, ist wichtig und sollte für viele als Anregung dienen. Denn Adele hat sich dafür entschieden, auf unnötige Diäten oder brutale Fastenkuren zu verzichten. "Die meisten Leute in meiner Lage würden vermutlich einen fetten Deal mit einer Diätmarke bekommen", sagt sie. Ihr sei das aber egal gewesen. Selbstbewusst erklärt sie: "Ich habe es für mich getan und niemanden sonst." 

Adele hat den gesunden Weg gewählt. Denn Diäten, dass weiß man heute sicher, sind eine einzige Qual  und enden für die allermeisten nach wenigen Monaten nur mit noch mehr Pfunden. Beim Sport dagegen wird der Körper in die Lage versetzt, Muskeln aufzubauen. Die dann wiederum mehr Kalorien verbrennen können und den Grundumsatz steigern. Aber noch viel wichtiger: Durch regelmäßige Bewegung entstehen im Körper zahlreiche Stoffe, die beispielsweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes schützen können. Unser Körper braucht Bewegung, um fehlerfrei zu funktionieren. Sagt das ein Superstar wie Adele und berichtet von ihren positiven Erfahrungen, kann das für viele eine wichtige Inspiration sein. Vor allem in Zeiten, in denen so viele mit Übergewicht und sogenannten Zivilisationskrankheiten kämpfen.

Sport heilt den Körper – und die Seele

Mit ihrem sehr persönlichen Geständnis, sie habe wegen ihrer Ängste mit dem Sport begonnen, geht Adele aber noch einen Schritt weiter. Sie setzt ein wichtiges Zeichen, weil sie ein Augenmerk darauf legt, wie gut Bewegung für die seelische Gesundheit ist. Das ist eine wichtige Erkenntnis, die man gar nicht oft genug betonen kann. Es gibt sogar Studien, die belegen, dass Ausdauersportarten wie Laufen ähnlich gut wie Medikamente gegen Depressionen helfen können. Es gibt sogar Experten, die die Meinung vertreten, dass wenn die Menschen in den Industrienationen sich mehr bewegen, ein Großteil psychischer Krankheiten verhindert werden könnte. Spricht Adele nun in der Öffentlichkeit darüber, wie sie unter Ängsten litt und ihr Leiden mittels Sport überwunden hat, ist das ein wichtiges Statement gegen die Stigmatisierung psychischer Krankheiten. Mit ihrer Geschichte, wie sie ihre Ängste überwunden hat, wird sie für mich noch mehr zum Vorbild als sie ohnehin schon ist.


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