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Schülerin stirbt nach Deo-Schnüffeln "Deo-Gas ist eine typische Einstiegsdroge"


Sie suchte den Rausch und fand den Tod. In Kiel starb eine Schülerin, nachdem sie Deotreibgas inhaliert hatte. Giftexperte Uwe Stedtler erklärt, warum das Schnüffeln für Jugendliche so gefährlich ist.

Herr Stedtler, wie kommen Jugendliche auf die Idee, Deo-Gas zu schnüffeln?
In der Altersklasse junger Teenager ist das eine typische Einstiegsdroge. Deodorants und Sprühflaschen sind überall verfügbar: im Supermarkt um die Ecke oder in der Drogerie. Sie kosten wenig und der Kauf ist legal. Das reizt Jugendliche, die sich berauschen wollen, aber nicht in die Illegalität harter Drogen abdriften möchten.

Wie wirkt das Gas aus den Deo-Dosen?
Das Einatmen des Treibgases verursacht einen Sauerstoffmangel im Blut, der zu der berauschenden Wirkung führt. Nicht selten bringen sich Jugendliche so an den Rand des Erstickens. Setzt die Wirkung ein, dämpft sich die Wahrnehmung, die Konsumenten fühlen sich müde und entspannt. Einige berichten auch von Halluzinationen - aber ob das tatsächlich der Fall ist, wage ich zu bezweifeln.

Welche Komplikationen können auftreten?
Als Folge des Sauerstoffmangels im Blut kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen. Das macht sich vor allem in Stresssituationen bemerkbar: Werden Jugendliche beim Schnüffeln erwischt, versuchen sie wegzurennen, brechen dann meist aber zusammen, weil der Körper nicht mehr mitspielt. Einige Jugendliche bekommen beim Schnüffeln epileptische Anfälle, im schlimmsten Fall kommt es zu einem Herztod oder einem Tod durch Ersticken - so wie in Kiel passiert.

Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind Treibgas schnüffelt?
Die Jugendlichen verhalten sich meist anders als gewohnt: Sie ziehen sich zurück, vernachlässigen sich und ihr Umfeld. Oder sie treffen sich mit neuen Freunden, von denen die Eltern noch nie etwas gehört haben. Einige Jugendliche sind nicht mehr so leistungsfähig wie früher, klagen über Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Unwohlsein. Verbraucht der Sohn oder die Tochter plötzlich übermäßig viel Deo-Spray, sollten Eltern ebenfalls hellhörig werden - das hat mit reiner Körperpflege meist nichts mehr zu tun.

Wie sollten Eltern vorgehen, wenn sie glauben, dass ihr Kind Treibgas schnüffelt?
Harsche Vorwürfe sind sicher nicht angebracht. Vielmehr sollten sich Eltern frühzeitig pädagogisch und psychologisch beraten lassen - das geht bei Drogenberatungsstellen oder einer nahegelegenen Suchtklinik. Im Anschluss kann man im Gespräch mit dem Kind die eigenen Sorgen und Ängste ansprechen.

Was ist im Notfall zu tun, etwa bei Bewusstlosigkeit?
Bei Bewusstlosigkeit sollte immer der Rettungsdienst über den Notruf 112 gerufen werden. Setzt die Atmung aus, mit der Wiederbelebung beginnen. Ist der Jugendliche zwar stark benommen, aber ansprechbar, ist es ratsam, die Fenster zu öffnen und dann den Rettungsdienst zu rufen. Wichtig: Versuchen Sie, die Ruhe zu bewahren und nicht nervös zu werden. Stress verschlechtert die Symptome meist zusätzlich.

ikr

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