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Sprechstunde Schlauer schwitzen


Inspiration und Transpiration gehören zusammen, weiß unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen. Da hecheln doch die Hunde!

Schwitzen Sie gerne? Alle klagen im Sommer über die Hitze, aber Schweiß ist geil, die coolste Erfindung der Evolution! Ich bin mal im Dienste der Wissenschaft mit einem rohen Ei in die Sauna gegangen, 95 Grad. Nach zehn Minuten war das Ei fix und fertig - sprich: hart. Ich nicht. Ich war härter im Nehmen und blieb geschmeidig. Warum? Weil ich schwitzen kann. Das Ei hätte nur 3,5 Milliliter Schweiß bilden müssen, um ebenfalls seine Körpertemperatur konstant zu halten. Kann es aber nicht. Ein Ei kann sich nicht mal alleine pellen. Da sind ihm von Natur aus die Hände gebunden.

Schweiß kühlt höchst effektiv. Und frischer Schweiß stinkt auch kein bisschen. Sonst würde man es ja in der Sauna nicht mal die zehn Minuten aushalten. Wir verdanken dieser perfekten Klimaanlage in der Haut auch, dass wir Menschen uns über so was überhaupt Gedanken machen können. Denn unser Hirn funktioniert nur, wenn es nicht überhitzt. Schon bei drei Grad über Betriebstemperatur tickt unser Rechner komplett aus. Siehe Fieberwahn oder Ballermann.

Tieren fehlt die epidermale Klimaanlage

Von wegen: Schwitzen wie die Tiere. Zeigen Sie mir ein Tier, das nennenswert schwitzt! Pferde glänzen, aber triefen nicht vor Schweiß. Hunde hecheln bloß, und die armen Fische kommen aus Frust darüber, dass sie nicht schwitzen können, gar nicht mehr aus dem Wasser! Oder nehmen wir mal den vermeintlichen König der Tiere, den Löwen. Der muss in den Schatten, denn auch ihm fehlt die epidermale Klimaanlage. Einmal kurz der Antilope hinterhergesprintet, und zack, ist er überhitzt. Er ist zur Ruhe gezwungen.

Der Mensch hingegen hat die Wahl. Er kann sich zur Ruhe zwingen, muss aber nicht. Wir können uns sogar in die pralle Sonne in ein Gartenrestaurant setzen und uns ein Antilopensteak kommen lassen. So weit haben wir es gebracht. Dass wir am obersten Ende der Nahrungskette stehen, dem Schweiß sei Dank! Ohne Schweiß kein Preis.

Schweiß regelt nicht nur Celsius, sondern auch Zentimeter. Ob wir jemanden gut riechen können, regelt die zweite Art von Schweißdrüsen, die an den Haaren. Überhaupt haben wir Haare nur noch dort, wo sich ein Duft länger frisch halten soll: am Kopf, unter den Armen, zwischen den Beinen. Wir erschnuppern im Geruch von jemandem seinen genetischen Quellcode. Eine Großmutter kann auf der Neugeborenenstation mit der Nase feststellen, welches Hemdchen von ihrem Enkel getragen wurde, selbst wenn sie ihn noch nie gesehen oder gerochen hat - verrückt.

T-Shirts für die Liebsten

Wer sich nicht riechen kann, sollte miteinander auch keine Kinder machen, raunt uns die Natur im Runzeln der Nase zu. Es passt nicht. Wenn die Chemie aber stimmt, überlassen wir gerne getragene T-Shirts zur Überbrückung der Abwesenheit dem Liebsten. Und in Turin werden Schweißtücher sogar über Tausende von Jahren aufbewahrt, bis der ursprüngliche Träger wiederkommt!

Wenigstens ein bisschen stolz dürften wir sein auf unsere Transpiration. Sind wir aber selten. Wir kaufen uns Deo, wir schrubben uns und packen Parfüm obendrauf. Was ist in Parfüm? Moschus. Was ist Moschus? Ein Körpersignal des Moschusochsen. Um präzise zu sein: sein Urinsekret. Ich fasse kurz zusammen. Menschen schämen sich, unter dem Arm zu riechen wie ein Mensch. Und meinen ernsthaft, sie würden attraktiver, wenn sie dort riechen wie ein Ochse am Gemächt. Ich wüsste zu gerne, was die Ochsen über uns denken!

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