STERBEHILFE Das Recht auf den eigenen Tod


In einem Präzedenzfall in Großbritannien hat eine vom Hals an abwärts gelähmte Frau gerichtlich ihr Recht auf Sterbehilfe erstritten. Per Videoübertragung erfuhr die 43-Jährige das Urteil.

Eine vom Hals an abwärts gelähmte Engländerin darf mit Billigung des obersten britischen Zivilgerichts ihre Beatmungsmaschine abschalten lassen. Der High Court fällte am Freitag dieses Grundsatzurteil, wonach die Ärzte kein Recht haben, einen solchen Todeswunsch zu verweigern. Die 43-Jährige, die nur als Miss B. bekannt ist, hat nur eine einprozentige Chance auf Heilung. Sie habe ein Recht darauf, »friedlich und mit Würde« zu sterben, sagte die Richterin Elizabeth Butler Sloss.

Bei Miss B. war vor einem Jahr ein Blutgefäß im Halsbereich geplatzt. Dadurch wurde sie gelähmt. Sie kann nicht mehr selbstständig atmen. Von Anfang an wollte sie lieber sterben als so weiterleben. Obwohl zwei Psychiater sie für zurechnungsfähig erklärten, wollten die Ärzte ihren Todeswunsch nicht erfüllen. Sie argumentierten, dass sie ihre Lebensqualität durch Reha-Programme vielleicht verbessern könnten. Ärzte seien dazu da, Leben zu erhalten und nicht zu zerstören, meinten sie.

Gegen diese Entscheidung zog Miss B. vor Gericht und gewann. Das Krankenhaus, in dem sie behandelt wird, muss nun für die Verfahrenskosten in Höhe von 55.000 Pfund (88.000 Euro) aufkommen. Miss B. hatte das Verfahren von ihrem Krankenbett aus über eine Videoverbindung verfolgt.

Der britische Ärzteverband äußerte sich zufrieden über das Urteil. »Dieser Richterspruch bestätigt die bestehenden rechtlichen und ethischen Leitlinien, wonach jeder zurechnungsfähige Erwachsene das Recht hat, eine medizinische Behandlung abzulehnen, auch wenn dies zu seinem Tod führen könnte«, sagte Verbandssprecher Michael Wilks. Passive Sterbehilfe ist in Großbritannien legal. Mit bis zu 14 Jahren Haft wird dagegen jede Form von aktiver Sterbehilfe bestraft, bei der nicht nur Geräte abgeschaltet werden, sondern der Patient zum Beispiel eine tödliche Spritze bekommt.

Um ein solches Recht auf aktive Sterbehilfe kämpft die Britin Diane Pretty (43) zur Zeit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Die Mutter zweier Kinder leidet an einer fortschreitenden Muskelkrankheit und will erreichen, dass ihr Mann Brian ihr beim Sterben hilft und straffrei ausgeht.

In den Niederlanden wird aktive Sterbehilfe bereits toleriert, wenn der Patient todkrank ist, an unerträglichen Schmerzen leidet, seine Entscheidung bei klarem Verstand getroffen hat und vorher ein anderer Arzt konsultiert worden ist. Allerdings wurden auch schon mehrere niederländische Ärzte freigesprochen oder erst gar nicht rechtlich verfolgt, die sich nicht an diese Bestimmungen gehalten hatten.


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