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Modedroge Spice: Räucherwerk als Rauschmittel

Die Modedroge Spice wirkt ähnlich wie Marihuana, kann in Deutschland aber legal erworben werden. Warum die Kräutermischung berauscht, wissen Toxikologen bislang nicht - und ständig tauchen neue Varianten auf. Wie die legale Droge wirkt und warum sie gefährlich ist.

Von Roland Brockmann

Die Kräutermixtur Spice wirkt berauschend

Die Kräutermixtur Spice wirkt berauschend

Zunächst: Es schmeckt nach Pfefferminze. Doch das liegt an der Spezialmischung "Arctic Synergy". "Passend zum Winter", wie der Verkäufer lächelnd meinte, als er das kleine Tütchen "Spice" ganz offen über den Ladentisch reichte.

Spice, das klingt zunächst wie ein altes Aftershave, und auch die seltsame Kräutermixtur in der silbernen Tüte sollte eigentlich nur den Geruchssinn betören. Das jedoch dürfte eher die Ausnahme beim Konsum sein; denn wie Marihuana geraucht, soll Spice auch wie Marihuana wirken. Ein Räucherwerk als Rauschmittel - eine neue Droge erobert den Markt.

Ganz legal und trotzdem zurzeit kaum zu kriegen

Längst ist die Nachfrage größer als der Nachschub hergibt. In den Headshops der Hauptstadt jedenfalls sind die ersten Spice-Versionen Silver, Gold oder Diamond längt vergriffen. Und auch beim Onlineversandhandel herrschen Versorgungsengpässe und Wartelisten. Tatsächlich dürfte es derzeit leichter fallen, sich bei einem Dealer illegal mit ein paar Gramm "schwarzem Afghanen" zu versorgen, als per Bestellschein mit der legalen Gewürzmischung aus England.

Die Wirkung ist ähnlich wie bei Cannabis: Zunächst wird der Mund trocken, dann entspannen sich die Sinne, die Reaktionen werden langsamer, und was eben noch banal erschien, erscheint plötzlich geradezu bedeutsam - jedenfalls so lange die Wirkung anhält. Und das ist länger als bei Cannabis: An die sechs Stunden wirkt die Kräuterdroge.

Wie viele Menschen Spice konsumieren, weiß niemand

Besonders unter Jugendlichen, warnen Drogenexperten, sei Spice in den letzten Wochen zur neuen Modedroge avanciert. Die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing ist bereits alarmiert und rät "dringend davon ab, diese Kräuter zu rauchen". Doch wie viele Menschen inzwischen Spice konsumieren und welche gesundheitlichen Risiken wirklich mit dessen Konsum verbunden sind, weiß auch die Drogenbeauftragte noch nicht und hat daher erst mal eine Untersuchung in Auftrag gegeben.

Dabei steckt in den Tütchen - soviel ist bereits klar - eigentlich nichts Unbekanntes oder gar Gefährliches: Meeresbohne, Helmkraut oder Rotklee wirken an sich nicht berauschend und wachsen in jedem Kräutergarten. Spice enthält weder Nikotin oder THC (Tetrahydrocannabinol), also Cannabis, noch andere psychoaktive Substanzen - woher also kommt die Wirkung als Droge? Ist zwischen all den Kräutern doch eine chemische Substanz verborgen, aber wegen ihrer geringen Dosis kaum aufzuspüren?

Toxikologen können die Wirkung nicht erklären

Bislang konnten selbst Toxikologen keine berauschenden Mittel wie etwa Alkaloide nachweisen, höchstens eine hohe Dosis Vitamin E; doch das dürfte Konsumenten kaum in einen Rauschzustand versetzen. Auch Professor Thomas Daldrup von der Universitätsklinik Düsseldorf konnte in seinen Untersuchungen bisher keine Inhaltsstoffe in den Kräutern entdecken, die den Rausch erklären könnten. Daldrups Hypothese: Beim Rauchen könnten giftige Gase inhaliert werden, die den Kreislauf stören und als Rausch interpretiert werden würden.

Die Einschätzung von Spice als Droge oder gar dessen mögliches Verbot - wie etwa in der Schweiz - wird vor allem durch den Mix der Kräuter erschwert. Das Team von Daldrup konnte inzwischen eine Pflanze isolieren, die etwa 95 Prozent von Spice ausmacht, diese aber bislang nicht identifizieren.

Der Hersteller könnte sicher für Klarheit sorgen; doch seine Webseite ist nicht mehr zu erreichen. Die laut Verpackungsaufdruck in Spice enthaltenen Kräuter und Extrakte jedenfalls gelten zunächst als harmlos - und darin vergleichbar mit dem Inhalt eines Teebeutels a la "Kräuterfix". Auch den kann man schlecht verbieten, nur weil einige Leute seinen Inhalt statt in der Tasse lieber als Joint konsumieren.

Problem für die Polizei

Die Kräutermixtur Spice aber, die wirklich berauscht, stellt auch für die Polizei ein Problem dar: Den Gebrauch eines Mittels, dessen Wirkung unerforscht ist, kann man schlecht ahnden. Erst wenn man den eigentlich berauschenden Wirkstoff eindeutig identifiziert hat, könnte man diesen auch unter das Betäubungsmittelgesetz stellen und damit die Verbreitung von Spice verhindern - jedenfalls sofern es diesen Wirkstoff weiterhin enthält. Tatsächlich taucht Spice aber schon jetzt in ständig neuen Variationen auf. Während Thomas Daldrup etwa noch an Spice Gold forscht, wurde es auf dem Markt längst durch Spice Arctic Synergy ersetzt.

Mit den bisherigen Methoden könnte die Kräutermixtur ohnehin kaum ermittelt werden: Auf Spice schlagen weder die Spürhunde des Zolls an, noch kann dessen Konsum als Rauchware in Bluttests etwa bei Straßenkontrollen nachgewiesen werden. Wo Haschisch- oder Kokainkonsumenten sofort aus dem Verkehr gezogen werden, müssen Polizisten die User der neuen Trenddroge unerkannt durchwinken.

Dabei sollte jedem Konsumenten klar sein, dass man sich - wie auch nach dem Gebrauch von Marihuana - nicht mehr hinters Steuer setzt. Wer nach dem Rauchen von Spice Auto fährt, handelt genau so fahrlässig, wie jemand nach dem Genuss von mehr als zwei Bieren. Spice aber erreicht einen ganz neuen Markt: Legal und im Laden um die Ecke erhältlich, und das vermeintlich noch biologisch korrekt, greifen auch unerfahrene junge Leute danach - ohne wirklich zu wissen, auf was sie sich einlassen.

Der Gedanke, dass Jugendliche den Konsum von Spice locker vom Taschengeld finanzieren könnten, führt allerdings in die Irre: Drei Gramm Arctic Synergy der Marke Spice kosten legal im Handel etwa dreißig Euro.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.