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Mond-Mythen: Raubt der Super-Vollmond uns den Schlaf?

Über Deutschland leuchtet ein Supermond: Der Erdtrabant erscheint größer und heller als üblich. Was macht das mit unserer Gesundheit? Drei Mond-Mythen im Check.

Supermond über Deutschland: Ein Vollmond ist neben einem Teil des Fernsehturms in Berlin zu sehen.

Vollmond über Berlin: Hat das Himmelsschauspiel "Supermond" Auswirkungen auf den Schlaf?

Über Deutschland steht aktuell ein Super-Vollmond. Das bedeutet: Die Himmelsscheibe leuchtet 30 Prozent heller und wirkt 14 Prozent größer als sonst. 

Der Grund für das besondere Ereignis: Der Mond kommt der Erde auf seiner elliptischen Umlaufbahn besonders nahe, und gleichzeitig herrscht Vollmond. Das lässt die Himmelsscheibe besonders imposant wirken. Auf gut 356.500 Kilometer nähert sich der Himmelskörper unserem Planeten. Zuletzt wurde diese Rekordnähe vor rund 70 Jahren erreicht, nämlich im Jahr 1948.

Astronomen und Sternegucker freuen sich auf das Spektakel, das nach Angabe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wohl vor allem in Brandenburg, Sachsen und der Osthälfte Bayerns zu beobachten sein wird. Andere Menschen erwarten das Schauspiel eher mit einem mulmigen Gefühl, da sie fürchten, aufgrund des Mondes schlechter schlafen zu können. Doch stimmt die allgemeine Behauptung überhaupt, dass uns ein Vollmond schlaflose Nächte bereitet? Drei Mond-Mythen im Check.

Mythos 1: Vollmond stört den Schlaf

Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Studien, die sich bereits mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt haben. So fand ein Basler Wissenschaftler in einer Untersuchung mit 33 Menschen heraus, dass diese bei Vollmond schlechter schliefen: Die Nachtruhe war rund 20 Minuten kürzer als üblich, und sie brauchten im Schnitt auch fünf Minuten länger zum Einschlafen. Eine weitere Studie konnte ebenfalls einen leichten Einfluss des Mondes auf den Schlaf nachweisen, während eine andere Untersuchung mit rund 1000 Probanden keinen Zusammenhang fand.

Stört Vollmond also nun tatsächlich den Schlaf? Wissenschaftlich betrachtet ist die Datenlage unklar. Der Schlafforscher Hans-Günter Weeß rät daher in seinem Buch "Die schlaflose Gesellschaft" zu mehr Gelassenheit im Umgang mit diesem Thema: "Schlaflose Nächte hat der Mond in keiner dieser Studien verursacht, noch bedeutsam den Schlaf verkürzt. Bleiben Sie gelassen, wenn nachts der Vollmond draußen scheint. Sonst laufen Sie durch eine selbsterfüllende Prophezeiung Gefahr, tatsächlich eine Schlafstörung zu bekommen."

Mythos 2: Bei Vollmond werden mehr Kinder geboren

Hochschwangeren Frauen wird oft geraten, ihre Sachen für das Krankenhaus zu packen, wenn Vollmond bevorsteht. Der Grund: In dieser Zeit sollen besonders viele Kinder zur Welt kommen.

Woher dieser Aberglaube stammt, ist unklar – er ist jedoch erwiesenermaßen falsch. Der Mathematiker Oliver Kuss von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat in einer Studie mehr als vier Millionen Geburten zwischen 1966 und 2003 in Baden-Württemberg untersucht. Das Ergebnis: Ein Mondzyklus oder ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Geburten und Vollmond bestand nicht.

Vielmehr zeigte sich, dass der Zeitpunkt der Geburt einem Wochen- und auch Jahresrhythmus folgt. Demnach werden die meisten Kinder Ende September geboren, was für eine Zeugung in den Weihnachtsferien spricht. Auch an den Wochentagen Montag und Dienstag kommen auffallend viele Kinder zur Welt. Ein möglicher Grund: Künstliche Geburten werden meist erst nach dem Wochenende, also zum Wochenbeginn, eingeleitet.

Mythos 3: Vollmond erhöht das Risiko bei Operationen

Auch dieser Mythos gilt als widerlegt: Bislang konnte noch kein statistisch relevanter Zusammenhang zwischen dem Operationsrisiko und der Mondphase hergestellt werden. Demnach ist es auch vollkommen egal, ob man sich bei zu- oder abnehmendem Mond unters Messer legt: Das Risiko ist stets dasselbe.



Ilona Kriesl (mit Material von AFP)
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