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Schlafmythen im Check: Kann man Schlaf nachholen? Und hilft Wein beim Einschlafen?

Augenringe, ständiges Gähnen und dann noch diese bleierne Müdigkeit: Zum Jahreswechsel starten viele Deutsche mit einem ordentlichen Schlafdefizit ins neue Jahr. Wir klären über die gängigsten Schlafmythen auf.

Das Bild zeigt eine schlafende Frau im Bett.

Schlaf ist wichtig – er hält uns fit und leistungsfähig

Kann man Schlaf nachholen?

Fehlender Schlaf führt zu Schläfrigkeit und Leistungseinschränkungen am Tag. Dies kann man nicht rückgängig machen. Trotzdem kann man zum Beispiel durch einen längeren Schlaf am Sonntag das sich über die Arbeitswoche angehäufte typische Schlafdefizit wieder abbauen.

Ist es schädlich, am Tag zu schlafen?

Ein Mittagschlaf ist gesund und verlängert das Leben. Weiterhin steigert er das Leistungsvermögen und die Kreativität für die zweite Tageshälfte. Allerdings darf er nicht zu lange andauern, da sich manche Menschen sonst noch schlapper als zuvor fühlen. Für Menschen mit einer Schlafstörung gilt, dass der Mittagsschlaf nach Möglichkeit vermieden werden sollte. Er kann zu viel Schlafdruck für die Nacht abbauen und damit die Schlafstörung verstärken und aufrechterhalten.

Schlafen durch die Nacht

Vollmond gleich schlaflose Nächte – stimmt das?

Viele Deutsche, vor allem Menschen mit einer Schlafstörung behaupten, dass einen der Vollmond schlechter schlafen lasse. Wissenschaftliche Unterstützung erhielten sie erstmals im Jahr 2013 durch eine Studie des Basler Chronobiologen Christian Cajochen. Er untersuchte 33 Menschen und fand heraus, dass diese während des Vollmonds 20 Minuten weniger Schlaf hatten und durchschnittlich fünf Minuten länger zum Einschlafen benötigten.

Allerdings konnten diese Ergebnisse in einer Münchner Untersuchung im Jahr 2014 an über 1000 Probanden nicht mehr bestätigt werden. Ende 2014 fand sich dann wieder eine Studie, diesmal aus Budapest, dieses Mal mit etwas über 300 Probanden, die erneut einen leichten Effekt des Mondes auf den Schlaf zeigte.

Was stimmt nun? Nach Studien führt der Mond mit zwei zu eins. Bei genauer Betrachtung muss man allerdings feststellen, dass die in den Untersuchungen beschriebenen Effekte nicht groß sind und nicht mit den Einschätzungen vieler Menschen in Übereinstimmung stehen. Denn: Schlaflose Nächte hat der Mond in keiner dieser Studien verursacht, noch bedeutsam den Schlaf verkürzt. Bleiben Sie gelassen, wenn nachts der Vollmond draußen scheint. Sonst laufen Sie durch eine selbsterfüllende Prophezeiung Gefahr, tatsächlich eine Schlafstörung zu bekommen.

Braucht jeder Mensch acht Stunden Schlaf pro Nacht?

Entscheidend ist das Befinden am Tag. Wer sich am Tag ausgeschlafen, fit, ausgeglichen und leistungsfähig fühlt, hatte genügend Nachtschlaf – egal wie viel es war.

Hat Elektrosmog Einfluss auf den Schlaf?

An der Wirkung von Elektrosmog auf die Gesundheit und den Schlaf scheiden sich die Geister. Sogenannte Elektrosensible sehen sich als empfindsame Vorreiter in eine neue Zeit, in der wir alle verstrahlt sein werden. Wissenschaftler haben zahlreiche Experimente an Mensch und Tier durchgeführt und konnten keine Effekte feststellen. So wurden zum Beispiel keine Effekte der ionisierenden Strahlung von Handymasten nachgewiesen. Deren thermische Wirkung auf das Gewebe scheint vernachlässigbar. Frau Professorin Heidi Danker-Hopfe von der Charité in Berlin veröffentlichte im Jahr 2010 eine Studie, in der bei knapp 400 Probanden der Einfluss von Mobilfunkmasten auf den Schlaf untersucht wurde. Was diese nicht wussten: An fünf von zehn Untersuchungsnächten waren die Sendemasten ausgeschaltet. Im Vergleich ergaben sich keinerlei Unterschiede zwischen den Nächten. Allerdings schliefen diejenigen grundsätzlich schlechter, die sich schon im Vorfeld besorgt über einen möglichen Einfluss der Sendemasten zeigten.

Wer Wein trinkt, kann besser schlafen. Stimmt das?

Alkohol ist kein gutes Schlafmittel. Nur in geringen Mengen kann er den Tiefschlaf etwas begünstigen. Für den Mann gilt, nicht mehr Alkohol, als er sich in einem Viertelliter Wein befindet. Für die Frau noch weniger: nicht mehr Alkohol als in einem Achtelliter Wein. Alles, was darüber liegt, kann zwar die psychische Entspannung und damit das Einschlafen fördern, führt aber danach zur Tiefschlafunterdrückung. In der zweiten Schlafhälfte sind vermehrte Weckreaktionen, Schwitzen und Albträume die Regel. Der Schlaf ist insgesamt weniger erholsam.

Hilft laute Musik gegen Müdigkeit am Steuer?

Nein. Kurzfristige Stimulationen über laute Musik, Singen, Bewegung oder ein geöffnetes Fenster haben keine andauernde Wirkung. Gegen Übermüdung am Steuer hilft nur Schlaf. Zusätzlich wird Schläfrigkeit und Sekundenschlaf am Steuer gefördert, wenn der Mitfahrer schläft.

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