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Teil 2: Magen und Darm

Meist wehren sich Magen und Darm erfolgreich, wenn fiese Viren und Bakterien sie piesacken. Wer weiß, wie man ihnen dabei helfen kann, wird mit einem Bauchgrimmen rasch fertig - oft ganz ohne Medikamente

Hinterher sagen viele, gleich beim ersten Bissen hätten sie so eine Vorahnung gehabt. Irgendwie schmeckte es seltsam, das Eis vom Straßenverkäufer, das Ei auf dem Salat oder das billige Krabbenbrötchen. Doch die Lust darauf war stärker - und jetzt ist die Toilette dauerbesetzt, der Magen revoltiert.

Ein schöner Schlamassel! Aber auch ein Glück. Denn was Augen und Geschmackssinn versäumt haben, holen die Verdauungsorgane nun nach. Mit reichlich Magensäure, mit Gluckern und Krampfen versuchen sie, eingeschleppte Krankheitserreger wieder loszuwerden, bevor diese die Magen- und Darmschleimhaut entzünden können. Reicht das nicht aus, wird der gesamte Nahrungsbrei unverdaut in Richtung Enddarm geschoben, oder das Brechzentrum im Gehirn gibt den Einsatzbefehl: Was raus muss, muss raus. Zur Not mit Durchfall und Erbrechen.

Im Urlaub: Schälen, kochen oder meiden

Bakterien und Viren sind die Hauptverdächtigen, wenn einen die so genannte Gastroenteritis, im Volksmund "Darmgrippe", erwischt. Sie verstecken sich etwa in fauligen Früchten oder Eiern, zu warm gelagerter Tiefkühlkost, unsauberem Trinkwasser oder auf den eigenen Händen.

In Ländern mit niedrigem hygienischem Standard ist das Risiko entsprechend höher, "Montezumas Rache" kein seltenes Urlaubssouvenir. Wer sich mehrmals täglich die Hände wäscht, kulinarisch auf der Hut ist (Vorsicht etwa bei offenen Eier- und aufgewärmten Speisen oder bei Eiswürfeln) und das Traveller-Credo "Peel it, boil it or leave it" (schälen, abkochen oder meiden) beherzigt, gibt den Keimen kaum eine Chance.

Meist regeneriert der Darm sich selbst

Fettiges Essen, Nervosität oder Arzneien (vor allem entzündungshemmende Medikamente oder Antibiotika) können ebenfalls auf den Magen schlagen und Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. In den meisten Fällen sind diese Symptome erst einmal kein Grund zur Sorge. Sie zeigen vielmehr, dass der Darm sich selbst regeneriert. Dabei sollte er möglichst in Ruhe gelassen werden: Nichts essen, nur schluckweise trinken und bei Krämpfen mit angewinkelten Beinen auf die Seite legen, eine Wärmflasche oder warme Wickel lindern die Schmerzen.

Der Klassiker hilft: Cola und Salstangen

Bei harmlosen Infekten müssen Erkrankte nur so lange spucken, bis der Magen geleert ist. Danach fühlen sie sich meist besser. Eine Diarrhö kann länger dauern und wird nach einem Tag behandlungsbedürftig, da der Körper viel Wasser und Mineralsalze verliert. Gute Dienste leisten Hausrezepte wie Cola mit Salzstangen, Kamillentee mit Zwieback oder geriebener Apfel mit Elektrolyt-Lösung. Die kann man selbst mischen (1 Liter Schwarztee gemischt mit 300 Milliliter Orangensaft, 3 Esslöffel Traubenzucker und ein halber Teelöffel Salz) oder in der Apotheke kaufen (zum Beispiel Elotrans).

Wichtig ist, den Körper zu schonen und viel zu trinken (3-4 Liter am Tag). Falls der Darm nichts halten kann, löffelweise. Meiden Sie schwere, fettige Speisen, und hören Sie auf sich: Alles, worauf Sie keine Lust haben, sollten Sie auch nicht essen.

Medikamente sind bei einem "harmlosen" Durchfall nicht wirklich notwendig, können aber die Beschwerden lindern. Der opiumähnliche Wirkstoff Loperamid stellt den Darm ruhig und stoppt so auch schmerzhafte Krämpfe. Gleichzeitig verhindert er aber, dass schädliche Stoffe wie etwa die giftigen Stoffwechselprodukte der Mikroben, die den Durchfall ausgelöst haben, ausgeschieden werden. Loperamid sollte daher nur kurzfristig angewendet werden, etwa, um eine Fahrt zum Arzt ohne ständige Klopausen zu überstehen.

Schmerzmittel sind kontraproduktiv

Der Wirkstoff Smectit (Colina) bindet Wasser und Giftstoffe sowie Mikroorganismen im Darm und festigt dadurch den Stuhl. Seine therapeutische Wirkung ist jedoch nicht ausreichend nachgewiesen. Gleiches gilt für Kohletabletten, die dazu auch noch Verstopfung auslösen können. Präparate mit spezieller Hefe (Saccharomyces boulardii) sind sinnvoll, wenn die Diarrhö Folge einer Antibiotika-Behandlung ist oder um Reisedurchfall vorzubeugen. "Läuft" es schon, kann die Hefe den Regenerationsprozess der Darmflora unterstützen. Schmerzmittel können eine ernsthafte Erkrankung verschleiern und sind daher kontraproduktiv.

Wer seine Darmgrippe mit einem Schnaps kurieren will, liegt völlig falsch: Auf Alkohol sollten Sie in jedem Fall verzichten, bis Magen und Darm wieder vollständig hergestellt sind. Und selbst wenn Sie sich nach drei Tagen wieder fit fühlen und sogar Lust auf Eis, Ei oder Krabben haben: Beginnen Sie mit kleinen Portionen! Andernfalls überfordern Sie Ihre Verdauung - und das ganze Elend geht von vorn los.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Peter Mitznegg, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Katja Trippel / print
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