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"eat'n STYLE": Die Faszination der TV-Köche ist ungebrochen

Jetzt brutzeln sie schon seit etlichen Jahren vor laufenden Kameras und dennoch ist die Faszination deutscher Fernsehköche ungebrochen: Auf der "eat'n STLYE"-Messe in Hamburg werden Tim Mälzer und Kollegen gefeiert wie Popstars, es geht um Essen als Event. Mit leerem Magen sollte man jedoch nicht zur Messe kommen.

Von Carolin Neumann

Ein Stück Edel-Schokolade aus deutscher Produktion hier, Antipasti, Käse und ein Bissen Bio-Brot dort, aber vor allem an jeder Ecke Wein, Champagner und andere Alkoholika. Die Kenner senken ihre Nasen in die Gläse und die Bierfreunde probieren sich durch die Sorten, gehen aber dennoch mit knurrendem Magen weiter. Auf der "eat'n STYLE"-Messe in Hamburg muss man sich an Kleinigkeiten satt essen - alles, was wirklich den Hunger stillen könnte, kostet.

Auch wenn sie es vielleicht sein will: Eine Messe, die die Sinne weckt und den Magen anregt, ist die "eat'n STYLE" nicht. Sie bietet mehr "drink" als "eat" und es ist kein Zufall, dass "STYLE" groß geschrieben wird: Zum "perfekten Dinner" gehört eben längst mehr als gutes Essen, das machen uns ja Vox und andere Fernsehsender jeden Abend vor. Die Besucher der "eat'n STYLE" warten vergeblich darauf, ihre Tüten mit kostenlosen "Give-aways" zu füllen. Statt dessen gibt es teuren Küchen-Schnickschnack und Tischdeko.

Bei Mälzer und Co. spalten sich die Gemüter

Die Auftritte der deutschen Fernsehköche sind als Highlights angekündigt, obwohl man meinen sollte, der Hype habe sich langsam gelegt. Bis zum Ausstellungsende am Sonntag geben sich unter anderem Sarah Wiener, Johann Lafer und Deutschlands Liebling Tim Mälzer ("Schmeckt nicht, gibt's nicht") den Kochlöffel in die Hand. Doch die TV-Stars auf der Messe kochen unter Ausschluss der zahlungsunwilligen Öffentlichkeit: Die gefeierten Auftritte lassen sich die Veranstalter noch mal 15 Euro zusätzlich zum regulären Messepreis von 15 Euro kosten. Für Fans von Mälzer und Co. scheint das kein Hindernis zu sein, einige kommen allein ihretwegen. Als Mälzer am Freitagnachmittag das Zelt im Messesaal betritt, gibt es frenetischen Applaus, der durch die ganze Halle tönt.

Der Auftritt von Autodidakt Rainer Sass ("Kerners Köche") hingegen spaltet die Gemüter. Er habe mit Lorbeerblättern geworden und richtig für Stimmung gesorgt, befand eine Gruppe jugendliche Koch-Azubis. Zwei Besucherinnen, die sich Sass und Fernsehkoch Steffen Henssler ("Ganz & Gar") angeschaut hatten, erzählten: "Das war eine reine Presseveranstaltung. Rainer Sass hat Effenberger-Brot angepriesen und gesagt, dass Leute, die ihr Brot bei Lidl kaufen, gleich gehen können. Das ist eine Frechheit."

Ein Gourmet-Trend ist letztlich doch auf der "eat'n STYLE" zu erkennen: Schokolade in ungewöhnlichen Sorten ist gefragter denn je. Im Durchschnitt nascht jeder Mensch in Deutschland 90 Tafeln jährlich, in den Innenstädten sind in den vergangenen Jahren Hunderte Chocolaterien eröffnet worden. Auch auf der Messe sind deutsche Schokohersteller gut vertreten. Wer bereit ist, ein paar Euro ins Naschwerk zu investieren, der bekommt alles von der simplen Zartbitter bis zur Hanfschokolade.