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Teil 5: Hautverletzungen

Kleine Verletzungen holen wir uns immer mal wieder - ein Schnitt in den Finger hier, eine Abschürfung am Knie dort. Dann gilt es, eine Infektion zu vermeiden und ein zügiges Abheilen zu erleichtern.

Messer, Schere, Feuer, Licht - für Kinder sind sie unpassend, aber auch Erwachsene haben mit scharfen Gegenständen Probleme: Die Gemüseschnibbelei beim Kochen etwa endet schmerzlich, weil irgendwie der Daumen zwischen Klinge und Zwiebel gerutscht ist. Auf dem Spielplatz, im Haushalt, in der Freizeit - hinfallen oder sich ritzen kann man immer und überall.

Für unseren Körper ist ein Loch in der Haut ein kleines Drama. Denn sie ist unser Schutzschild. Schlägt die Barriere leck, haben Bakterien und andere Krankheitserreger freie Bahn. Um das zu verhindern, läuft die körpereigene Wundheilung schnell und nach festem Plan ab: Sind Blutgefäße verletzt, schwemmt das ausströmende Blut unerwünschte Eindringlinge mit hinaus. Blutplättchen formen dann einen Pfropf, der das Leck abdichtet. Was nach simplem Eintrocknen aussieht, ist ein Vorgang, bei dem sich an der Oberfläche Wundschorf bildet. Darunter muss dann das zerstörte Gewebe abtransportiert werden, dann wird der Blutpfropf wieder aufgelöst. Diesen Job übernehmen Fresszellen des Immunsystems - auch ohne eingedrungene Keime gibt es immer eine begrenzte Entzündungsreaktion.

An der frischen Luft lassen

Bei Schnittwunden, die halbwegs sauber und nicht zu tief sind, sollte man möglichst wenig unternehmen. Also: erst mal bluten lassen und überschüssiges Blut mit einem sauberen Tuch vorsichtig aufsaugen. Nie drücken oder mit den Fingern daran herumfummeln! Kommt die Blutung zum Stillstand, sprüht oder tupft man Jodlösung oder ein anderes Desinfektionsmittel, zum Beispiel eines mit Octenidin, auf die Wunde und das umliegende Areal.

Die keimfreie, trockene Wunde lässt man jetzt möglichst an der frischen Luft heilen - also kein Pflaster drauf, es sei denn, die Wunde muss unbedingt vor äußeren Einflüssen wie Nässe oder Reibung geschützt werden. Dann ist ein luftdurchlässiges oder auch wasserabweisendes Pflaster angebracht. Besser ist es jedoch immer, die Wunde nicht abzudecken, sonst weicht der mühsam fabrizierte Schorf auf. Dank der Körperwärme bietet solch ein feuchtes Pflaster Keimen dann erst recht ein angenehmes Klima.

Schürfwunden gründlich reinigen

Etwas komplizierter wird die Selbsthilfe bei Schürfwunden, denn die holt man sich häufig auf schmutzigem Untergrund - dessen Dreck wird beim Unfall oft richtig in die Haut und das unterliegende Gewebe eingerieben. Schürfwunden bluten selten stark, deshalb ist eine gründliche Reinigung hier besonders wichtig. Entgegen der verbreiteten Meinung, man treibe den Dreck so nur noch tiefer in die Wunde, ist fließendes Wasser ein gutes Mittel. Kleine Splitter oder Steinchen kann man vorsichtig mit einer sauberen Pinzette entfernen - aber nicht in der Wunde herumbohren! Schließlich noch desinfizieren und wiederum nach Möglichkeit unbedeckt lassen.

Wundsalben, etwa mit Ringelblumen oder Panthenol, sollte man nur bei oberflächlichen Abschürfungen oder abheilenden Wunden benutzen: Auch sie weichen Schorf auf und liefern Bakterien dadurch potenziell Nährboden. Ähnliches gilt für spezielle Wundpflaster, die die Wunde wie eine zweite Haut bedecken und zwischen Wunde und Pflaster eine flüssigkeitsgefüllte Blase aus Wundsekret bilden. Der Nutzen solcher Pflaster ist nicht belegt, und wenn die Wunde mit Keimen verseucht ist, kann es umso leichter zu einer Entzündung kommen.

Blasen nicht aufpiksen

Gepolsterte Blasenpflaster dagegen sind sehr nützlich, denn sie können verhindern, dass eine Blase am Fuß durch weitere Reibung platzt. Blasen sind von sich aus mit keimfreiem Sekret gefüllt und heilen deshalb am besten, wenn man gar nichts tut, auch nicht aufpiksen.

Schließlich sollte man sich Gedanken um seinen Tetanus-Impfschutz machen. Der Erreger des Wundstarrkrampfs Clostridium tetani ist kein Exot, sondern (etwa in Schmutz) weit verbreitet. Bei uns gilt der Impfschutz der Bevölkerung als ausgezeichnet, dennoch erkranken immer wieder Menschen am Wundstarrkrampf. Selbst bei intensivmedizinischer Versorgung sterben 10 bis 20 Prozent von ihnen. Am besten ist es immer noch, den Impfschutz regelmäßig zu prüfen. Wer weiß, dass er geimpft ist, kann seine Blessur schon bald wieder vergessen.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Peter Mitznegg, Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Charité-Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Kathrin Zinkant/print
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