Transplantation Zweiter Tollwut-Infizierte gestorben


Die verseuchten Organe einer mit Tollwut infizierten Organspenderin forderten das zweite Opfer: Der Mann, der die Niere der Kranken erhalten hatte, erlag seinem Leiden. Ein dritter Patient schwebt in Lebensgefahr.

Nach der Transplantation von tollwutinfizierten Organen hat es am Montag ein zweites Todesopfer gegeben: Ein 70-jähriger Patient, dem am 1. Januar eine Spenderniere erhalten hatte, starb im Nephrologische Zentrum Niedersachsen (NZN) in Hann. Münden. Er habe sich höchstwahrscheinlich durch die Transplantation infiziert, teilte das NZN mit. Ein endgültiger Nachweis stehe aber noch aus. Am Wochenende war in Hannover eine junge Frau gestorben, der die die Lunge der Infizierten eingepflanzt worden war.

Weiterhin in kritischem Zustand befand sich ein 45-Jähriger in Marburg, der die Bauchspeicheldrüse und die zweite Niere der infizierten Spenderin erhalten hatte. Der Patient werde auf der Intensivstation behandelt, sagte ein Krankenhaussprecher am Montag. Der Leichnam der in Hannover gestorbenen Patientin wurde am Montag obduziert. Ein Ergebnis wurde nach Angaben der Medizinischen Hochschule Hannover für Dienstag oder Mittwoch erwartet.

Sechs Patienten hatten infizierte Organe erhalten

Der in Hann. Münden Gestorbene war nach Klinikangaben bereits seit einer Woche ohne Bewusstsein und musste künstlich beatmet werden. Nach der Nierentransplantation habe der 70-Jährigen am 25. Januar die Klinik zunächst verlassen können, sagte NZN-Sprecher Jürgen Beverfoerden. Am 11. Januar sei er aber mit Symptomen eine Hirnhautentzündung wieder aufgenommen worden. Nachdem der Verdacht auf Tollwut bestanden habe, sei der 70-Jährige mit denselben Medikamenten behandelt worden, durch die eine junge Frau in den USA die ansonsten stets tödliche Erkrankung überwunden habe, sagte Beverfoerden.

Insgesamt hatten sechs Patienten Organe der Tollwut infizierten Spenderin erhalten. Bei einem Patienten der Universitätsklinik Heidelberg, dem die Leber der 26-Jährigen übertragen wurde, haben sich bislang keine Tollwut-Symptome gezeigt. Es gehe ihm gut, sagte eine Kliniksprecherin am Montag.

Auch zwei Patienten in Mainz, denen Augenhornhaut verpflanzt worden war, sind nach Mitteilung der Uniklinik nicht infiziert. Die beiden hatte in einer Retransplantation neue Hornhäute erhalten. In den explantierten Organen seien auch in einer zweiten Kontrolle keine Tollwutviren nachgewiesen worden, teilte die Klinik mit. Im Moment spreche alles dafür, dass die Patienten nicht infiziert wurden, erklärte der Direktor der Augenklinik, Norbert Pfeiffer.

Entscheidung über Ermittlungsverfahren dauert Wochen

Die 26-jährige Organspenderin war in der Mainzer Uniklinik gestorben und am 6. Januar obduziert worden. Bei den drei bislang an Tollwut erkrankten Organempfängern traten die ersten Symptome um den 10. Februar auf. Wegen des Falles prüft auch die Staatsanwaltschaft die Aufnahme eines Ermittlungsverfahrens. Der Sprecher der Anklagebehörde, Klaus Puderbach, sagte auf AP-Anfrage am Montag, man habe mittlerweile alle Krankenakten der Spenderin erhalten. Vor der Entscheidung über eine Verfahrenseröffnung wolle man aber eine schriftliche Stellungnahme der Deutschen Stiftung Organtransplantation abwarten, sagte Puderbach. "Das kann zwei bis vier Wochen dauern", sagte er.

AP


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