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Gesundheitssystem: Amerikaner kaufen vermehrt Antibiotika für Fische – weil sie günstiger sind als ein Besuch beim Arzt

Eine neue Studie fand jetzt heraus, dass die Online-Verkäufe für Fisch-Antibiotika in den USA gestiegen sind. Die werden aber nicht den Tieren verabreicht, sondern vom Menschen konsumiert. Dahinter steckt ein marodes Gesundheitssystem.

Fische Antibiotika

US-Amerikaner kaufen vermehrt Antibiotika für Fische - zur Selbstmedikation

Getty Images

Es sagt schon einiges über ein Gesundheitssystem, wenn die Verkäufe für Fisch-Antibiotika steigen. Vor allem, wenn diese nicht für Fische verwendet, sondern vom Menschen selbst konsumiert wenden. Genau das passiert offenbar gerade in den USA: Amerikaner schlucken vermutlich Antibiotika, die für Fische gedacht sind –anstatt einen Arzt aufzusuchen, wie der "Guardian" berichtet.

Der Hintergrund: Medikamente, vor allem auch Antibiotika, können in den USA sehr teuer sein. Die für Fische hingegen gar nicht – und sie sind frei verkäuflich ohne Rezept.

Wissenschaftler haben sich den Online-Markt für Fisch-Antibiotika nun genauer angesehen und stießen dabei auf Bewertungen von Konsumenten, die sich die Medikamente selbst verabreichten. Zwar ist der  Verbrauch von Fisch-Antibiotika durch den Menschen vermutlich relativ gering, doch ist der bloße Fakt alarmierend: Menschen konsumieren Medikamente, die eigentlich für Tiere bestimmt sind. 

Überdosierung bei Fisch-Antibiotika

Brandon Bookstaver, Apotheker und Leiter der Pharmazie-Abteilung an der University of South Carolina, war Mitautor der Studie. "Selbstmedikation und die Verfügbarkeit von Antibiotika ohne Aufsicht über die Gesundheitsversorgung könnten zur Erhöhung der Antibiotikaresistenz und zu einer verzögerten Behandlung beitragen", sagte er dem "Guardian". Besonders besorgniserregend war das positive Feedback der Konsumenten zu den Fisch-Medikamenten. Das könnte andere dazu ermutigen, die Pillen auch zu schlucken.

Die Wissenschaftler fanden neun Antibiotika mit den gängigen Wirkstoffen Penicillin und Amoxicillin, die auf 24 Websites angeboten wurden. Mindestens ein Online-Anbieter versicherte unter den Kommentaren, dass die Medikamente auch für den Menschen geeignet seien.

Einer neuen Studie zu Folge können Antibiotika Herzinfarkte begünstigen.

Dass die Gefahr real ist, hat bereits der New Yorker Arzt Farzon Nahvi erlebt: "Einer meiner Patientinnen nahm Fisch-Antibiotika, weil sie nicht krankenversichert war", sagte Nahvi dem "Guardian". "Sie hat überdosiert, ist auf der Intensivstation gelandet und wurde viel kranker, und zusätzlich - ohne Versicherung - fiel die Rechnung noch höher aus."

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 27 Millionen Amerikaner keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, vor allem, weil ihnen eine Krankenversicherung fehlt. Menschen, die Fisch-Antibiotika konsumieren, seien ein sehr spezifisches Problem. Es ist aber nur ein Symptom für ein viel größeres Problem: ein nicht funktionierendes Gesundheitssystem.

Quellen: "Guardian", "ASHP"

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