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Passau Gesundheitsamt-Chefs impfen Ehepartner mit Biontech-Resten

Ein kleiner Glasbehälter mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Corona-Schutzimpfung 
Verstoß gegen die Impfverordnung: Leiterin und Stellvertreter des Passauer Gesundheitsamtes haben ihre Ehepartner mit dem Corona-Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft
© Patrick Pleul / DPA
Die Leiterin des Passauer Gesundheitsamtes und ihr Stellvertreter haben im Januar ihre Ehegatten mit Restmengen des Corona-Vakzins geimpft. Obwohl vorgesehen war, die Reste zu entsorgen, liegen Verstöße gegen die Impfverordnung vor.

Das Landratsamt Passau hat bestätigt, dass die Leiterin des dortigen Gesundheitsamtes und ihr Stellvertreter ihre Ehepartner im Januar mit Resten von Biontech/Pfizer-Vakzinen geimpft haben. Wie die "Passauer Neue Presse" (PNP) berichtet, sei den Vorfällen eine Impfaktion für Mitarbeiter und Unterstützungskräfte des Gesundheitsamtes vorangegangen.

Der Hersteller Biontech/Pfizer empfiehlt, aus den Glasfläschchen mit dem Präparat sechs Dosen zu ziehen. Dadurch entstehen kleine Restmegen in den Ampullen, die zur Entsorgung vorgesehen sind. Im Anschluss an die Impfaktion entnahmen die Gesundheitsamtsleiterin und ihr Stellvertreter die entstandenen Reste und impften damit ihre Ehepartner. Das räumt das Landratsamt auf Nachfrage der "PNP" ein. Somit liegt ein Verstoß gegen die Impfverordnung vor, obwohl keine offiziellen Dosen verwendet worden sind. 

Passau hatte sehr hohe Inzidenz

Mitte Januar waren in Deutschland nur die Vakzine von Biontech und Moderna zugelassen. Zu dem Zeitpunkt der Vorfälle hatte Passau hohe Inzidenzwerte und nur wenige Bewohner mit Erstimpfung. Deswegen entschied sich Landrat Raimund Kneidinger, die Impfaktion im Gesundheitsamt zu starten. 

"Die Aktion am 18. Januar (Erstimpfung) und 8. Februar (Zweitimpfung) war notwendig geworden, da der Landkreis Anfang des Jahres mit über 300 einen der höchsten Inzidenzwerte im Bundesgebiet zu verzeichnen hatte. Vor diesem Hintergrund musste ein Corona-Ausbruch unter den Mitarbeitern des öffentlichen Gesundheitsdienstes verhindert werden, um die unabdingbar notwendige personelle Infrastruktur aufrecht zu erhalten", sagt er der "PNP". 

Jens Spahn im RTL-Interview

Landrat spricht von "inakzeptablem Vorgang"

Bei dieser Aktion wurden laut Landratsamt Passau 42 der rund 160 Mitarbeiter mit dem Präparat von Biontech/Pfizer geimpft. Allen Beschäftigten am Gesundheitsamt sei ein Impfangebot gemacht worden, bestätigt das Landratsamt der "PNP". Genug Impfstoff habe es allerdings nicht für alle Willigen gegeben, weswegen eine interne Priorisierung von 42 Personen vorgenommen wurde.

Trotzdem spricht Landrat Raimund Kneidinger von einem "inakzeptablen Vorgang", wie ihn die "PNP" zitiert. Auch die Gesundheitsamtsleiterin und ihr Stellvertreter bezeichnen laut Mitteilung des Landratsamtes ihr Vorgehen als "in hohem Maße unglücklich und nach heutiger Sicht falsch, auch wenn Impfstoff verwendet wurde, der ansonsten unweigerlich im Abfall gelandet wäre".

Einige Bundesländer lassen siebte Dosis zu

Bayern hält daran fest, sechs Dosen aus den Ampullen von Biontech/Pfizer zu ziehen und verweist dabei auf die europaweite Zulassung der Impfstoffe. Andere Länder wie Nordrhein-Westfalen und Hessen lassen es mittlerweile zu, die Ampullen vollständig zu entleeren. Dadurch können sieben Dosen gezogen werden. Das bestätigt das Landesgesundheitsministerium von NRW.

Quelle: "PNP"

fis

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