Vitamintabletten Kleine Pillen, große Erwartungen


Immer mehr Menschen nehmen Vitamintabletten zur Nahrungsergänzung, statt zu Obst zu greifen. Jetzt zeigt eine Studie: Eine zu Hohe Dosis von Vitamin E ist nicht unbedingt gesund.

Die Zufuhr von Vitamin E in großen Mengen kann bei manchen Menschen das Risiko von Herzversagen erhöhen, anstatt es zu verringern. Laut einer US-Studie, die im Journal der American Medical Association veröffentlicht wurde, besteht dieses Risiko bei Patienten mit Diabetes oder Arterienverstopfung. Normalerweise wird Vitamin E als Verjüngungsmittel angepriesen, das Herzinfarkten und Krebs vorbeugen kann. Die Sicherheit und positive Wirkung einer hohen Zufuhr ist in letzter Zeit jedoch vermehrt angezweifelt worden.

Erhöhte Risiken bei Diabetikern

Die Studie wollte den Zusammenhang zwischen Vitamin-E-Konsum und Herzinfarkten sowie Krebs näher erforschen. Das Resultat, wonach kein positiver Effekt ersichtlich war, hatten die Mediziner nach eigenen Angaben erwartet. Die Möglichkeit des erhöhten Risikos für Herzversagen bei Diabetikern war indessen eine Überraschung, wie Eva Lonn von der McMaster University im kanadischen Hamilton mitteilte. Sie plädierte für weitere Nachforschungen auf diesem Gebiet.

Für die Studie wurden die Auswirkungen von Vitamin-E-Tabletten auf fast 40.000 Frauen untersucht. Darunter waren 7030 Patienten mit Diabetes oder Gefäßerkrankungen.

Verkauf im Pillenbereich boomt

In Deutschland werden zusätzlich zur normalen Nahrung längst Vitamine en masse geschluckt. Studien haben ergeben, dass 40 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer regelmäßig Pillen, Säfte und Pülverchen nehmen - vor allem, weil sie sich vor Krankheiten schützen wollen, weil sie hoffen, so eine möglicherweise unausgewogene Ernährung auszugleichen oder Müdigkeit und Erschöpfung entgegenzuwirken.

In den 90er Jahren verzeichneten die Vitaminhersteller einen Boom, aber auch nach der Jahrtausendwende ist die Zahl der verkauften Packungen noch gestiegen. Heute geben die Bundesbürger jährlich fast 1,2 Milliarden Euro für Vitamin- und Mineralstoffpräparate aus.

Unser Körper stellt die meisten Vitamine nicht selbst her oder er produziert zu wenig davon. Deshalb sind wir auf Zufuhr von außen angewiesen. Aber schon winzige Mengen reichen - denn der Organismus nutzt sie weder als Baumaterial noch als Energiequelle. Sie werden gebraucht, um die Chemie des Körpers in Gang zu halten. Bei einer ausgewogenen, gesunden Ernährung ist der Griff zur Gesundheitspille überflüssig.

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker