Vorsorge Auf Herz und Nieren testen


Nierenleiden werden häufig zu spät erkannt. Vorsorge könnte jeder selbst treffen - mit einem einfachen und billigen Test zu Hause.

Ein einfacher und billiger Eiweiß-Urintest einmal im Jahr zu Hause kann wichtige Hinweise auf Nieren-, Herz- und Kreislaufprobleme geben und schlimme Krankheiten verhindern oder verzögern. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin am Mittwoch in Berlin hingewiesen. Verbandschef Manfred Weber verwies auf neue internationale Studien, die weder bei Ärzten noch bei Patienten ausreichend bekannt seien.

Stäbchentest kostet zwei Euro

Der Test mit einem einfachen Stäbchen weist nach seinen Worten das Eiweiß Albumin in geringen Mengen im Urin nach. Dies sei ein eindeutiger Hinweis auf Nierenprobleme im frühen Stadium, sagte Weber. Gleichzeitig deutet der Nachweis auf Herz-Kreislauf-Probleme hin - etwa ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Denn erhöhte Blutdruck- oder Blutzuckerwerte sind auch häufig Ursache für die Nierenprobleme. "Der Nachweis von Eiweiß im Urin ist auch ein Indikator für ein erhöhtes kardio-vaskuläres Risiko", erklärte Weber.

Deshalb sollte nach Empfehlung der medizinischen Fachgesellschaft jeder von Kindesbeinen an einmal im Jahr den Test zu Hause machen. Bei Kindern geht es dabei vor allem um genetisch bedingte Nierenleiden. Jedes Stäbchen koste nur zwei Euro - "dies sollte für jeden erschwinglich sein", meinte Weber. Schließlich zahle ja jeder auch die Zahnpasta selbst. Der Haken für Patienten derzeit: Die hoch empfindlichen Albumin-Tests aus der Apotheke gibt es derzeit nur in Zwölfer- oder 24er Packungen. Man verhandle mit dem Hersteller, ob Einzeltests auf den Markt kommen könnten, sagte Weber.

Früherkennung von Nierenleiden fördern

Schlägt der Test an - nach Webers Darstellung ist das Ergebnis eindeutig -, sollte man zum Arzt gegen. Vermutet wird anhand internationaler Studien aus den Niederlanden, Dänemark und den USA, dass bei etwa sieben bis acht Prozent der Bevölkerung Albumin nachweisbar ist.

Ausgangspunkt der Kampagne ist nach Webers Worten die Tatsache, dass Nierenerkrankungen häufig zu spät erkannt werden. Über Jahre hinweg bereiteten sie keine Beschwerden. Sobald sie aufträten, sei häufig schon eine Behandlung mit Dialyse notwendig. Dabei könne man bei Früherkennung der Krankheit entgegenwirken: Bei etwa 15 Prozent der 60.000 Dialysepatienten in Deutschland hätte sich das Nierenversagen nicht entwickeln müssen, bei weiteren 30 bis 40 Prozent hätte die Blutwäsche noch Jahre hinaus gezögert werden können, erklärte die Fachgesellschaft.

Auch der quasi huckepack gelieferte Hinweis auf kardio-vaskuläre Probleme könne Anhaltspunkt sein, gezielt entgegenzuwirken, sagte Weber. Schäden könnten zurückgebildet, Cholesterinwerte und Diabetesrisiko durch Ernährungsumstellung und Bewegung gesenkt werden.

Das Thema Früherkennung soll eine wichtige Rolle beim diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden Anfang April spielen. Weitere Schwerpunkte sind die bessere Ausbildung der Spezialisten für innere Medizin und Maßnahmen gegen den erwarteten Medizinermangel in Deutschland in den kommenden Jahren.

AP


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