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Welt-Malaria-Bericht 2012 Kein Geld für Medikamente und Moskitonetze


Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor Rückschlägen im Kampf gegen Malaria. Noch immer sterben Hunderttausende an der Tropenkrankheit - dabei ist Malaria längst vermeidbar und heilbar.

Etwa jede Minute fällt ein Kind in Afrika der Tropenkrankheit Malaria zum Opfer. Weltweit sterben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich noch weit mehr als 600.000 Menschen an den Folgen von Fieber, Krämpfen und Organschäden. Am häufigsten betroffen sind Mädchen und Jungen unter fünf Jahren. Die von Mücken übertragene Krankheit sei eine Tragödie, die mit genügend Geld überwunden werden könnte, erklärt WHO-Direktorin Margaret Chan zur Veröffentlichung des Welt-Malaria-Berichts 2012. Sie fordert mehr Geld für arme Länder.

In rund 100 Ländern kursiert der Malaria-Erreger, der von der weiblichen Anopheles-Mücke von Mensch zu Mensch übertragen wird. Um die Krankheit in Schach zu halten, wären bis 2020 jährlich rund 5,1 Milliarden Dollar nötig, schätzt die UN-Organisation. Allerdings stünde momentan nicht einmal die Hälfte dieser Summe zur Verfügung, warnt die WHO. "Viele Länder haben die Finanzen zur Malaria-Bekämpfung aus eigenen Mitteln erhöht, dennoch stagnieren die finanziellen Mittel", erklärt die Organisation.

"Das maximal Mögliche tun"

Tatsächlich wurden die Gelder bereits im zurückliegenden Jahrzehnt erheblich aufgestockt. So hätten etwa schon 1,1 Millionen Menschen vor dem Tod durch Malaria bewahrt werden können, argumentiert die WHO. Nun gelte es, den Aufschwung der letzten Jahre fortzusetzen. "Wir müssen das maximal Mögliche tun, um einen Wiederanstieg der Infektionen zu verhindern", forderte Ellen Johnson Sirleaf, Präsidentin des westafrikanischen Landes Liberia und Vorsitzende der African Leaders Malaria Alliance.

Eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Tropenkrankheit kommt den Moskitonetzen zu. In den Malariagebieten Afrikas hätte die WHO nach eigenen Angaben im Jahr 2010 rund 145 Millionen Netze verteilt. Diese Zahl sei um mehr als die Hälfte auf 66 Millionen in diesem Jahr gesunken. Viele Familien könnten verschlissene Netze nicht ersetzen, so dass "mehr Familien der potenziell tödlichen Krankheit ausgesetzt sind."

Ein weiteres Problem bereitet der WHO große Sorgen: Die Krankheitserreger würden zunehmend resistent gegen Malaria-Medikamente werden. Auch einige Insektizide seien schon wirkungslos gegen die Anopheles-Mücke, erklärte WHO-Direktorin Chan. Eine Lösung für dieses Problem sei dringend nötig, "um in Zukunft ein medizinisches Desaster zu vermeiden."

Ziel rückt in weite Ferne

Von dem Millennium-Entwicklungsziel der Vereinten Nationen, die Ausbreitung der Malaria bis 2015 zum Stillstand zu bringen und sie dann immer weiter zurückzudrängen, ist die Welt dem Bericht zufolge weit entfernt. Zwar sind laut WHO rund 50 Länder auf gutem Weg, die Neuinfektionen um 75 Prozent zu reduzieren. Doch in diesen Staaten kommen lediglich drei Prozent der weltweiten Fälle der Tropenkrankheit vor. Die am heftigsten betroffenen Länder Afrikas sind laut WHO Nigeria und die Demokratische Republik Kongo, in Asien wütet die Krankheit am schlimmsten in Indien.

Malaria wird durch den Stich der weiblichen Anopheles-Mücke übertragen, welche die Erreger - so genannte Plasmoiden - in sich trägt. Betroffene leiden an Fieber, Gelenk- und Kopfschmerzen und erbrechen häufig. Bleibt Malaria unbehandelt, kann die Krankheit einen schweren Verlauf nehmen. Infizierte krampfen dann, fallen ins Koma und sterben infolge schwerer Organschäden. Besonders schwangere Frauen und Kinder sind dem Risiko ausgesetzt, an schwerer Malaria zu erkranken.

Im Kampf gegen die tückische Tropenkrankheit haben sich artemisininhaltige Medikamente bewährt. Der pflanzliche Wirkstoff wird aus den Blüten und Blättern des Einjährigen Beifußes gewonnen. Doch auch einfache, mit Insektengift behandelte Moskitonetze schützen vor Malaria: Über den Schlafplatz gestülpt, halten die Netze die nachtaktiven Blutsauger vom Stechen ab.

ikr/DPA DPA

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