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Verkauf im Einzelhandel Wie gut sind die neuen Corona-Selbsttests? Auf diese zwei Werte sollten Sie achten

Corona-Schnelltest für Laien
Corona-Schnelltest, der am Wochenende bei Aldi verkauft wurde
© Christophe Gateau / DPA
Wenn es um Corona-Tests geht, sind vor allem zwei Werte wichtig: die Sensitivität und die Spezifität. Doch was besagen die eigentlich?

Ein Test auf das Coronavirus war bisher nur in Arztpraxen oder Testzentren möglich – seit kurzem aber auch im heimischen Wohnzimmer. Möglich machen das sogenannte Laien-Selbsttests. Ihr großer Vorteil: Für den Abstrich oder die Proben-Entnahme braucht es – anders als bei herkömmlichen Antigen-Schnelltests – keine besonderen medizinischen Kenntnisse. Am vergangenen Wochenende gab es die ersten Tests bei den Discounterketten Aldi und Lidl zu kaufen. Die Nachfrage war groß und führte zeitweise dazu, dass die Lidl-Website in die Knie ging.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat bisher sieben Laien-Tests eine Sonderzulassung erteilt. Weitere sollen folgen. Für sechs Produkte hat das Institut weitere Daten hinterlegt, mit denen sich beurteilen lässt, wie genau die Tests arbeiten. Wichtig sind dabei zwei Werte: die Sensitivität und die Spezifität. Was bedeuten sie konkret?

Sensitivität: Je sensitiver ein Test ist, desto genauer zeigt er infizierte Personen korrekt als positiv an (und desto weniger liefert er falsch-negative Ergebnisse).

Spezifität: Je spezifischer ein Test ist, desto genauer zeigt er nicht-infizierte Personen korrekt als negativ an (und desto weniger liefert er falsch-positive Ergebnisse).

Im Alltag ist vor allem eine hohe Sensitivität der Tests wichtig. Zeigt der Test ein negatives Ergebnis an, obwohl die Person infiziert ist (falsch-negativ), könnte das weitere Infektionen zur Folge haben. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) prüft die Sensitivität der Schnelltests noch einmal gesondert in einem Labor. Die untenstehenden Tests, bei denen die Werte für Sensitivität und Spezifität angegeben sind, haben den PEI-Test bereits durchlaufen. Grundlage des Test-Verfahrens ist eine professionelle Anwendung. 

Wichtig ist: Ein negatives Schnelltest-Ergebnis ist immer nur eine Momentaufnahme, darf nicht zu Leichtsinn verleiten und schließt nicht aus, dass die betroffene Person nicht doch infiziert sein könnte. Die Abstands- und Hygieneregeln sollten weiterhin eingehalten werden. Der Test dient lediglich als weitere und ergänzende Schutzbarriere. Umgekehrt sollte ein positives Test-Ergebnis mit einem sehr genauen PCR-Test bestätigt werden. 

Doch wie gut schneiden die derzeit zugelassenen Selbsttests in puncto Sensitivität und Spezifität ab? Ein Überblick:

Hersteller

Antragsteller

Testname

Sensitivität

Spezifität

Healgen Scientific LLC

Siemens Healthcare Diagnostics Products GmbH

CLINITEST Rapid COVID-19 Self-Test

97,25 %

100,00 %

Xiamen Boson Biotech Co., Ltd

Technomed Service GmbH

Rapid SARS-CoV-2 Antigen Test Card

96,49 %

99,03 %

Hangzhou Laihe Biotech Ltd., Co.

Lissner Qi GmbH

LYHER® Covid-19 Antigen Schnelltest (Nasal)

96,16 %

99,70 %

SD BIOSENSOR, INC.

MT Promedt Consulting GmbH

SARS-CoV-2 Rapid Antigen Test

Daten derzeit nicht hinterlegt

Daten derzeit nicht hinterlegt

AMEDA Labordiagnostik GmbH

AMEDA Labordiagnostik GmbH

AMP Rapid Test SARS-CoV-2 Ag

97,30 %

100,00 %

Beijing Hotgen Biotech Co., Ltd

Beijing Hotgen Biotech Co., Ltd

Coronavirus (2019-nCoV)-Antigentest

95,37 %

99,13 %

Aesku.Diagnostics GmbH & Co. KG

Aesku.Diagnostics GmbH & Co. KG

AESKU.RAPID SARS-CoV-2

96,00 %

98,00 %

Quelle: BfArM

Konkretes Beispiel

Die Bedeutung der zwei Werte wird anhand eines Beispiels deutlich. Nehmen wir dafür einmal den "AESKU.RAPID SARS-CoV-2"-Test, der am Wochenende auch bei Aldi verkauft wurde. Die Sensitivität des Tests liegt laut BfArM bei 96 Prozent, die Spezifität bei 98 Prozent. 

Das würde bedeuten: 

Von den Infizierten erhalten 96 Prozent ein korrekt-positives Ergebnis, vier Prozent dagegen ein falsch-negatives.

Von den Nicht-Infizierten erhalten 98 Prozent ein korrekt-negatives Ergebnis, zwei Prozent dagegen ein falsch-positives.

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Auch Anwenderfehler können dazu führen, dass ein Test falsch-negativ oder falsch-positiv ausfällt. Um dieses Risiko so weit wie möglich zu senken, sollten die Tests immer nach Vorschrift wie auf der Packungsbeilage beschrieben angewandt werden. Das gilt vor allem für die Proben-Entnahme. 

Besonders genaue Ergebnisse liefern die Schnelltests unmittelbar vor, um oder kurz nach Symptombeginn, wenn die Viruslast der betroffenen Person am höchsten ist. Zu diesem Zeitpunkt gelten Infizierte auch als besonders ansteckend. 

Quelle:Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)

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