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"Wir und Corona": Tim Mälzer: "90 Prozent aller Beschäftigten in der Gastronomie könnten arbeitslos werden"

Das Virus wirbelt unser Leben durcheinander. Was sollen wir tun? Und vor allem: Wie halten wir zusammen? Im stern-Podcast "Wir und Corona" sprechen wir über diese Herausforderungen. Heute mit Star-Koch Tim Mälzer.

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Bars, Kneipen, Restaurants – alles zu! Wie sollen Wirte und ihre Mitarbeiter das überstehen? Star-Koch Tim Mälzer stellt drastische Forderungen an die Politik.

Es ist der Wirtschaftszweig, der vielleicht mit am schnellsten und direktesten von der Krise betroffen ist: die Gastronomie. Rund 2,4 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im "Gastgewerbe" – als Koch, als Kellner, als Barfrau. Aber von jetzt auf gleich fehlen seit mehr als zwei Wochen die Gäste, der Umsatz, der Gewinn, kurz: Das Geld, um vor allem Löhne und Mieten zu zahlen. Wie kann es in der Branche weitergehen? Wie können die Jobs gerettet werden?

Der Hamburger Star-Koch Tim Mälzer hat drastische Worte gewählt, um die Notlage zu beschreiben – und ebenso drastische Rettungsmaßnahmen von Landes- und Bundesregierung gefordert. "Man sieht jetzt, welche Bedeutung gastronomische Betriebe – Hotellerie, Kantinen, Catering-Services, Restaurants, Bars, Pommesbuden – wirklich haben, weil sie ein Riesenbestandteil unseres tagtäglichen sozialen Lebens sind", sagt Mälzer in einem rund zwanzigminütigen Gespräch im täglichen Podcast von stern und RTL "Wir und Corona". 

Und Mälzer zeichnet ein Bild von einer Branche vor dem Abgrund: "Ich würde sagen, dass 90 Prozent aller gastronomisch beschäftigten Menschen Gefahr laufen nach der Krise arbeitslos zu sein, wenn man den Unternehmern den Geschäftssinn und Zweck nimmt und die Möglichkeit, dieses Geschäft auszuüben."

Mälzer ist bundesweit nicht nur durch seine Restaurants in Hamburg bekannt, sondern auch durch TV-Shows wie etwa "Kitchen Impossible" auf Vox. In dem Gespräch erzählt er von der konkreten Situation in seinen Restaurants, davon, wie es gekommen ist, dass Hamburger Gastronomen sich in der Aktion "Kochen für Helden" zusammengeschlossen haben, um Mahlzeiten für Mitarbeiter etwa von Kliniken und Supermärkten zu kochen. Und er erklärt, warum nach seiner Einschätzung weder Kredite noch Mietstundungen der Branche wirklich helfen werden, selbst die Zahlung von Kurzarbeitergeld hält er nicht für ausreichend. Seine Forderung deshalb: umfassende direkte Zahlungen für Gastwirte in Not. "Wir erwarten nicht die eierlegende Wollmilchsau und auch nicht, dass man uns jegliche Form des Risikos abnimmt", sagt Mälzer. "Aber schon, dass man uns auf der einen Seite als Unternehmer eine Vision gibt, dass wir in der Lage sind, in der Krise weiterzuarbeiten". 

Noch vor dem Gespräch mit Mälzer berichtet Michael Wünning, Chefarzt im Notfall- und Akutmedizinzentrum des Hamburger Marienkrankenhauses, über die aktuelle Lage in seiner Klinik. Ist noch alles ruhig? Oder hat der Ansturm der Corona-Patienten, vor dem sich alle fürchten, schon begonnen?

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