Zahnimplantate Dreharbeiten in der Mundhöhle


Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, die im Kiefer verschraubt werden - sie können ein Leben lang halten, aber auch Probleme bereiten. Ein Ratgeber.

Was ist ein Zahnimplantat?

Implantate sind künstliche Zahnwurzeln, meist aus Titan, bis zu 13 Millimeter lang und vier Millimeter dick. Sie werden dort in den Kieferknochen eingepflanzt, wo Zähne fehlen. Auf ein Implantat wird, in der Regel nach einer Einheilungszeit von einigen Wochen, der Zahnersatz geschraubt und fest über ein Zwischenstück montiert.

Was spricht für ein Implantat?

Lange Zeit schlossen Zahnärzte Zahnlücken allein, indem sie eine Brücke einbauten. Damit die hält, müssen allerdings die gesunden Nachbarzähne beschliffen und überkront werden. Dadurch geht gesunde Zahnsubstanz verloren. Obendrein leidet der unter der Lücke liegende Kieferknochen: Weil er nicht mehr belastet wird, zieht er sich zurück.

Für Kronen über Implantaten werden Nachbarzähne nicht angetastet, der Kiefer unter dem Implantat wird belastet und schwindet nicht. Die Krone auf einem Implantat sitzt absolut bissfest, wackelt nicht und sieht aus wie ein echter Zahn. Prinzipiell lässt sich jeder Zahn durch einen implantierten Kunstzahn ersetzen, selbst ein ganzes Gebiss kann so im Kiefer verankert werden.

Was spricht gegen ein Implantat?

Die Behandlung ist teuer, langwierig und mitunter auch schmerzhaft. Das Verfahren eignet sich nicht für jedermann. Problematisch ist die Implantation bei Menschen mit schwerer Diabetes oder mangelnder Mundhygiene und für Menschen, die regelmäßig bestimmte Medikamente nehmen müssen, zum Beispiel Blutgerinnungsmittel oder Kortison. Auch Raucher sollten sich gut überlegen, ob sie sich für ein Implantat entscheiden: Ihr Risiko, es zu verlieren, ist bis zu fünfmal höher als bei Nichtrauchern.

Wie wird ein Implantat eingesetzt?

Der kranke Zahn muss gezogen werden, alle übrigen Zähne müssen ordentlich gereinigt werden sowie frei von Karies und Parodontitis sein. Dann wird der Kiefer vermessen und geröntgt. Liegen keine Entzündungen im Zahnbett vor, ist das Zahnfleisch gesund und der Kieferknochen stark genug, kann der Zahnarzt das Implantat sofort an der Stelle des alten Zahns einsetzen. "Implantate sollten so früh wie möglich gemacht werden", sagt Henning Schliephake, Direktor der Abteilung Mund-, Kiefer- und Gesichts- chirugie der Universitätsklinik Göttingen. Der Kieferknochen soll sich nicht erst durch fehlende Belastung zurückziehen, weil es dann später möglicherweise an Substanz zur Verankerung mangelt.

Unter örtlicher Betäubung wird ein Loch in den Kieferknochen gebohrt und eine Hohlschraube eingedreht, passgenau "wie ein Dübel in die Wand", so Joachim Zöller, Professor für Orale Chirurgie und Implantologie an der Universitätsklinik Köln. In den meisten Fällen wird die Schleimhaut darüber vernäht (geschlossene Einheilung). Anschließend muss das Implantat einwachsen, sich also fest mit dem Knochengewebe verbinden. In der Zwischenzeit wird in der Lücke ein provisorischer Zahnersatz befestigt. Daneben gibt es auch die Methode der "offenen Einheilung", bei der das Implantat knapp aus dem Zahnfleisch herausragt - nur eine Operation ist notwendig.

Wie lange muss ein Implantat einwachsen, bevor es überkront werden kann?

Im Unterkiefer dauert das Einwachsen etwa sechs Wochen, im Oberkiefer sitzen Implantate nach drei Monaten so fest, dass der Zahnersatz aufmontiert werden kann. Dafür wird die Schleimhaut erneut geöffnet, ein Zwischenstück auf das Implantat geschraubt und die Krone aufgesetzt. Für ungeduldige Patienten ist es in bestimmten Fällen möglich, sofort, ohne eine Einheilung abzuwarten, die endgültige Krone aufzusetzen - wenn das Knochengewebe um das Implantat sehr stark ist und das Implantat nach dem Einsetzen schon sehr stabil sitzt. In der Regel funktioniert das nur im Unterkiefer.

Die sogenannte Sofortversorgung sei wissenschaftlich umstritten, sagt Oliver Pijahn, zertifizierter Implantologe in Bielefeld, das Implantat könne nicht in Ruhe einwachsen. "Es dauert schon ein paar Wochen, bis sich genug Knochenzellen an der Oberfläche angelagert haben und das Implantat festhalten." Wird das Implantat zu früh zu stark belastet, kann es sich schnell wieder lösen.

Warum braucht ein Kunstzahn Pflege?

Der schlimmste Feind des Implantats ist Plaque - Bakterien, die nicht richtig weggeputzt werden. Sie können am Pfosten des Implantats entlang in die Tiefe des Knochens wandern und dort eine Zahnfleischentzündung auslösen, die sogenannte Periimplantitis. "Die ersten sechs Wochen sind die kritische Phase", sagt Oliver Pijahn, "in der Zeit sollte der Zahn nur wenig belastet und super geputzt werden."

Welche Lebensdauer hat so ein Keramikzahn?

Ist das Implantat gut eingeheilt, sind Zahnfleisch und Zähne gesund und gepflegt, kann der Kunstzahn möglicherweise ein Leben lang halten. Und das ohne Fremdkörpergefühl, ohne Schmerzen. "Wenn es schmerzt, stimmt was nicht", sagt Henning Schliephake, "im Prinzip ist ein Implantat genauso gut belastbar wie ein echter Zahn".

Wie sinnvoll ist ein Knochenaufbau zur Verankerung des Implantats?

Wer zu wenig Kieferknochen für ein Implantat hat, dem kann mit einem Knochenaufbau geholfen werden. Bei der so genannten Augmentation werden Knochenteile aus dem Unterkiefer oder Becken entnommen und verpflanzt, in der Hoffnung, dass das Gewebe dort einwächst. Gelingt dies, kann ein Implantat eingesetzt werden. Allerdings zeigen Langzeitstudien, dass Implantate in aufgebauten Kiefern nicht so gut halten.

Welche Qualifikation braucht ein Zahnarzt zum Implantieren?

Jeder Zahnarzt darf Implantate setzen. Doch wer einen solchen Eingriff plant, sollte sich besser unter den Bohrer eines zertifizierten Implantologen begeben. Diese Experten müssen Fortbildungen der Fachgesellschaften absolvieren und routiniert sein, das heißt mehr als hundert Implantationen pro Jahr durchführen, sagt Joachim Zöller, der an der Universitätsklinik Köln seit mehr als zehn Jahren Zahnärzte zu Implantologen ausbildet. Bundesweit gibt es um die 5000 implantologisch tätige Dentisten.

Was kostet ein Implantat?

Ein einzelner Zahn mit Keramikkrone kostet gut 2000 Euro; muss zusätzlich Knochen aufgebaut werden, wächst die Gesamtrechnung auf bis zu 3000 Euro. Gesetzlich Versicherte erhalten seit 2005 bei Implantaten einen Festzuschuss zu den Behandlungskosten, in der Regel sind es knapp 400 Euro für einen Frontzahn.

Im Internet werden Implantate zu Schnäppchenpreisen angeboten. Das muss nicht zwangsläufig minderwertige Ware sein. "Da gibt es durchaus gute Qualität, TÜV-geprüft", sagt Joachim Zöller. Das Problem ist nur: Man findet nicht unbedingt einen Zahnarzt, der einem ein solches Billigimplantat einpflanzen will - oder kann.

Denn es gibt mehr als hundert verschiedene Implantatsysteme, und ein implantologisch tätiger Zahnarzt beherrscht davon in der Regel maximal fünf. Ohnehin machen die Implantate nur etwa ein Fünftel des gesamten Preises aus; zwei Fünftel kassieren jeweils der Zahnarzt und das Labor, das die Krone fertigt. Sparen lässt sich daher besser durch einen Kostenvergleich mehrerer Zahnärzte.

Wie gut sind die neuartigen Implantate aus Zirkon-Keramik?

Seit eineinhalb Jahren können Zahnärzte auch eine künstliche Zahnwurzel aus metallfreier Zirkon-Keramik einpflanzen. Das Material hat einige Vorteile gegenüber Titan: Es ist härter und biegfester, an seiner glatten Oberfläche siedeln sich weniger Bakterien an, was zu weniger Entzündungen führt. Die Stifte sind weiß statt grau, und sehen somit optisch ansprechender aus, wenn sich beispielsweise das Zahnfleisch zurückzieht.

Viele Zahnmediziner beurteilen das neue Material dennoch zurückhaltend. "Keramik-Implantate dürfen in der Einheilungsphase so gut wie gar nicht belastet werden, sonst besteht die Gefahr, dass sie nicht richtig einwachsen", sagt der Zahnchirurg Zöller. Sein Kollege Henning Schliephake von der Universitätsklinik Göttingen empfiehlt wegen der guten Erfahrungen weiterhin Titan: "Damit arbeiten wir seit vierzig Jahren, Titan ist biologisch sehr verträglich."

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