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Organtransplantation: Sarah, 27: Ein Spenderherz rettete ihr Leben - und kann es ihr wieder nehmen

Sarah, 27, ist eine attraktive und junge Frau. Was man ihr nicht ansieht: Sie ist Organtransplantierte, in ihrer Brust schlägt ein fremdes Herz. Doch sie weiß nicht, wie lange noch.

Seit neun Jahren lebt Sarah (27) mit einem fremden Herzen

Seit neun Jahren lebt Sarah (27) mit einem fremden Herzen

Zehn bis fünfzehn Jahre. Sarah aus Flensburg kennt diese Angaben nur allzu gut. Es ist die durchschnittliche Zeitspanne, die ein Spenderherz in der Brust des Empfängers schlägt und Blut durch die Adern pumpt. Irgendwann in dieser Zeitspanne stellt das empfangene Organ bei den meisten Menschen den Dienst ein. Schuld daran ist eine Folge der Transplantation: Mit der Zeit verengen sich die Herzkranzgefäße, es drohen ein Infarkt oder das Versagen des Organs. Auch kann das Organ jederzeit abgestoßen werden.

Sarah lebt nun seit neun Jahren mit ihrem Spenderherz. Für sie rückt der Tag näher, an dem das Organ möglicherweise ersetzt werden muss. Wie lange das Organ hält, kann niemand genau abschätzen - womöglich pumpt es auch länger als üblich. Ihr Spenderherz, so empfindet sie das, hat ihr ein zweites Leben geschenkt. Ihr Spenderherz kann ihr das aber auch wieder nehmen. Wie lässt sich mit dieser Ungewissheit leben?

"37° - Sarah und ihr fremdes Herz": Sarah steht in einem schwarz-grauen Neoprenanzug vor einem Gebäude.

Sarah liebt das Kitesurfen. Der Sport ist ihre Leidenschaft.


Die Autorin Heike Kruse hat die junge Frau für die ZDF-Dokumentation "Sarah und ihr fremdes Herz" aus der Reihe "37 Grad" begleitet. Sie war schon vor neun Jahren dabei, als Sarah - damals gerade einmal 18 Jahre alt - auf der Intensivstation des Kieler Universitätsklinikums lag. Das Mädchen hatte einen grippalen Infekt verschleppt, es erkrankte an einer Herzmuskelentzündung, die das Herz schwer schädigte. Die Diagnose lautete Herzinsuffizienz. Mit 18 Jahren.

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Mit Rollator über den Krankenhausflur

Fortan konnte Sarah nicht mehr alleine stehen, sie lag den ganzen Tag im Krankenbett. Doch das Schlimmste war, dass sie nicht mehr alleine duschen konnte, so verriet sie es Kruse. Während sich ihre Mitschüler auf das Abitur vorbereiteten, schob Sarah einen Rollator über den Krankenhausflur. Schon nach wenigen Schritten verließen sie die Kräfte. Sie musste sich dann in einen Rollstuhl setzen. Mit 18 Jahren.

Nach einer langen Zeit des Hoffens und Bangens erhält Sarah im Juni 2008 ein Spenderherz. Es ist ein "super Organ", wie ihr behandelnder Arzt damals feststellt. Von wem es stammt, ob der Spender männlich oder weiblich war, weiß Sarah bis heute nicht. Was sie jedoch weiß: Sie ist dem Spender unendlich dankbar, das Organ empfindet sie als "Riesengeschenk". Manchmal beschäftigt sie es, dass ihr Tod eines Menschen zu einem zweiten Leben verholfen hat. Sie lebe nicht mehr nur für sich, sondern auch für den Spender. Das Datum der Transplantation hat sie sich auf den Unterarm tattöwieren lassen.

Sarah während einer Untersuchung. Von der Behandlungsliege aus schaut sie auf einen Monitor, der neben ihr steht.

Sarah beim Routine-Check in der Uniklinik Kiel. Jede Entzündung kann für sie gefährlich werden.


Möglichst viel, möglichst schnell: Weil Sarah nicht weiß, wie viel aktive Zeit ihr noch bleibt, lebt sie sehr bewusst und genießt jeden Augenblick. "Jetzt lebe ich, und habe die Möglichkeit, so viel wie möglich in dieses Leben zu packen", sagt die Studentin. Sarah ist begeisterte Sportlerin. Sie stemmt Gewichte, geht kiten, tanzt Ballett, fährt Skateboard. Sie sei nicht krank, lediglich transplantiert, betont sie. Ihrem Körper mutet sie so viel zu, wie ihr Herz gerade noch verträgt. Sarah ist verliebt, sie studiert, jobbt nebenbei. Sie schmiedet Pläne für die Zukunft, will vielleicht ein Kind. Sarah führt ein ganz normales Leben - auch wenn sie nicht weiß, wie lange noch.

Zehn bis fünfzehn Jahre. Für Sarah klingen diese Zahlen bedrohlich. Aber es sind eben nur Zahlen. Was für sie zählt, ist der Augenblick, das Glück in jedem Moment. Die Chance, ein neues Leben geschenkt bekommen zu haben. "Das finde ich viel wichtiger, als ängstlich durch die Welt zu laufen."

Der Beitrag befindet sich in der ZDF-Mediathek und kann hier nachgesehen werden.

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