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"Pottermore"-Webseite: Rowling schafft "Potter"-Universum im Internet

Ein Computerspiel oder ein neues Buch? Tagelang spannte Autorin J.K. Rowling die "Harry Potter"-Fans auf die Folter. Nun kündigte sie eine virtuelle Zauberwelt an - und quält ihre süchtigen Fans erneut.

Von Julia Prosinger

Niemand will, dass mit "Harry Potter" Schluss ist. Autorin Joanne K. Rowling nicht, die weinte als sie den letzten "Potter"-Band zu Ende geschrieben hatte. Und auch die Fans wollen nicht loslassen: In drei Wochen können sie den letzten Film der "Harry Potter"-Saga im Kino sehen. Doch was kommt danach? Rowling weiß, wie sie Leser süchtig hält: Vergangene Woche kündigte sie mehr "Potter" im Internet an, auf der Seite "Pottermore". Jetzt enthüllt sie das Geheimnis: eine virtuelle Zauberwelt, die Leser mitgestalten dürfen. Wie jedoch genau, darauf lässt Rowling ihre Fans weiter warten.

Vom 31. Juli an - Harry Potters Geburtstag - können sich Leser online registrieren, einige von ihnen dürfen dann an der Seite mitarbeiten. Für alle öffnet sich das Zauberuniversum jedoch erst im Oktober. Mit "Pottermore" bringt Rowling die Zauberwelt nicht nur der nächsten Leser-Generation im Internet nah. Alle sieben "Potter"-Bände sollen über die Seite auch zum ersten Mal als E-Books verkauft werden. "Ich persönlich mag lieber gedruckte Bücher", sagte Rowling am Donnerstag in London. "Aber man kann den Fortschritt nicht aufhalten." "Pottermore" sei ihre eigene Idee und werde von ihr selber gestaltet. Sie habe noch viele Informationen über Harrys Welt, die sie jetzt mit den Usern teilen wolle.

Schatzsuche und Countdown im Internet

Rowling ist nicht nur eine gekonnte Geschichtenerzählerin, sie weiß auch, wie sie diese verkauft. Die sieben "Harry Potter"-Bücher wurden in mehr als 65 Sprachen übersetzt und weltweit mehr als 400 Millionen Mal verkauft. Am 14. Juli kommt der achte und letzte Teil ins Kino: "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2". Die Filme gehören zu den erfolgreichsten der Welt. Die gesamte Marke "Potter" ist angeblich vier Milliarden Dollar wert, einen Potter-Vergnügungspark gibt es bereits in den USA. Rowling ist eine der reichsten Frauen der Welt.

Eine Woche lang hatte die Autorin nun die Spannung über einen eigenen Youtube-Kanal, ein Twitterkonto und Fanseiten im Netz angeheizt. Zunächst hatte sie zur virtuellen Schatzsuche aufgerufen. Nach und nach veröffentlichte sie in verschiedenen Fanforen Koordinaten, die mit Google Maps zu Orten aus der Potter-Welt führten. An den Orten erschienen Buchstaben, die Buchstaben ergaben den Namen der neuen Seite: Pottermore.

Fans und Medien spekulieren seitdem, was sich hinter dem schlichten "coming soon" auf der Seite verbergen könnte. Englische Zeitungen starteten Umfragen: ein Computerspiel, ein Potter-Lexikon, die Bücher als Ebooks, ein neues Buch gar über die nächste Generation an der Zauberschule Hogwarts oder ein Vorläufer, der die Geschichte von Harrys Eltern erzählt. Hoffnungen auf ein neues Buch zerstreute Rowling jedoch bereits in den vergangenen Tagen. Ein Sprecher teilte außerdem mit, dass die Ankündigung nichts mit dem neuen Film zu tun haben werde. Auf einer Fanseite wollte ein Junge die virtuelle Welt bereits gesehen haben. Er nannte sie "atemberaubend".

Je näher die Enthüllung rückte, desto mehr Eulen erschienen auf Rowlings Youtube-Kanal. Auf Mausbewegungen reagierten sie mit Kopfschütteln. "Die Eulen versammeln sich. Finde heraus, warum", stand unter den Tieren.

Als um 13 Uhr endlich der Countdown endete, erschien Rowling in einem Video und spracht direkt zu ihren Fans. Pottermore werde eine "einzigartige Leserfahrung", versprach sie.

Geschickte Marketingstrategie

"Ich bekomme bis heute jeden Tag Hunderte Briefe und Bilder mit Ideen von Harrys Fans", sagte Rowling stattdessen. "Jetzt ist es Zeit, etwas dafür zurückzugeben." Für "Pottermore" habe sie ihre Kisten durchwühlt und altes Material herausgesucht. "Ich dachte damals: Wer will je etwas über die Bedeutung der verschiedenen Hölzer für Zauberstäbe wissen?", sagte sie. Sie schreibe aber auch neue Sachen. So etwa ein Kapitel über die Liebesgeschichte von Harrys Lehrerin Professor Minerva McGonagall. Auch den Zaubernationalsport Quidditch will sie näher beschreiben.

Die neue Welt sollen aber vor allem die Leser selbst erschaffen, sagte Rowling im Video. Dazu kann jeder Nutzer sich ein eigenes Profil anlegen und dort seine eigene Geschichte aufbauen. Wie in Hogwarts üblich, wird jeder Nutzer einem der vier Schulhäuser zugeordnet, kann Zaubertränke mischen und Zaubersprüche ausprobieren.

mit DPA
  • Julia Prosinger