VG-Wort Pixel

Netflix Top 10 "Sex/Life" – die ganz platte Hochglanzerotik triumphiert bei Netflix

Sex wie aus dem Video-Clip
Sex wie aus dem Video-Clip
© Netflix
Hausfrau Billie ist vom Vorzeigeehemann Cooper gelangweilt und träumt vom wilden Sex mit Ex-Freund Brad. Das Ganze wird recht explizit inszeniert. Die Softsex-Serie ist gähnend langweilig, aber dank der ausgiebigen Fleischbeschau sehr erfolgreich.

Sex in den USA? Das hat im TV echten Seltenheitswert und wenn, dann werden alle möglichen Verrenkungen inszeniert, damit man nicht zu viel sehen kann. Weil ein Nippel-Blitzer das höchste der Gefühle ist, bleibt es meist bei Rückansichten oder BH-Sex-Abenteuern.

Sehr viel Nacktes

Ganz anders die Netflixserie "Sex/Life". Sie hält, was sie verspricht. Gewissermaßen erleben wir hier die Rückkehr der Softsex-Filme im Gewand der Streamingserie. "Sex/Life" zeigt fast mehr nackte Haut als Kleidung. Die Serie basiert auf dem Roman von B.B. Easton "44 Chapters About 4 Men". Hauptperson Billie Connelly (Sarah Shahi) hat sich nach wilden Zeiten in den Hafen der Ehe gerettet. Sie hat den besten Mann aller Zeiten, ein "Sweetheart", für den andere Frauen töten würden, wie sie weiß.

Einziges Problem im Ehe-Idyll: Ehemann Cooper (Mike Vogel) liebt seinen Beruf und seine Kinder innig und würde nie etwas tun, was seine Frau verletzen könnte, doch ihr Verlangen nach hartem, wilden Sex erfüllt er nicht. Seit dem zweiten Kind gibt es gar keinen Sex mehr. Das ganze Leben im mächtigen Landhaus erinnert an eine Barbie-Szenerie, vor allem Ehemann Cooper sieht der Ken-Puppe wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich.

Bad-Boy VS Sweetheart 

Kein Wunder, dass Billie immer mehr von alten Zeiten träumt, als sie sich "durch halb Manhattan gevögelt" hat und es mit Bad-Boy Brad (Adam Demos) im Fahrstuhl getrieben hat. Diese Träumereien werden üppig und stöhnend inszeniert. Als Billie ihre Sehnsüchte ihrem Tagebuch anvertraut, kommen die Dinge in Fahrt. Sie lässt das Dokument offen auf dem Laptop in der Küche liegen und natürlich entdeckt Ehemann Cooper die hitzigen Erinnerungen. Gleichzeitig purzelt sexy Brad wieder in Billies Leben, weil er mit ihrer besten Freundin eine casual Beziehung hat. Der Billie sogleich per Video-Konferenz folgen kann. Auch Cooper bemüht sich, wieder Pepp ins Eheleben zu bringen, und inszeniert die heißen Stellen aus dem Tagebuch im eigenen Leben nach. Mit wechselndem Erfolg. Bad-Boy Brad hat sich dagegen nicht geändert. Immer noch weiß er die Frauen um den Finger zu wickeln und im Bett zu befriedigen. Aber doch bleibt er ein unbeherrschter Egomane, der die Traumfrau zurückstößt, sobald der Fisch am Haken zappelt.

Gymnastik ohne Reiz

"Sex/Life" geht deutlich zur Sache. Es wird in Bars, Autos und Nachbars Swimmingpool kopuliert. Es gibt sogar Nacktszenen ohne jede Erotik. Und sonst vollkommen undenkbar, ist sogar ein Penis zu sehen, und der auch noch in wahrhaft pornöser Größe. Doch richtig knistern tut es nicht. Auch wenn Billies Leben zusehend aus den Fugen gerät, ist alles doch zu perfekt inszeniert. Die Häuser und Räume sind wunderschön, alle Akteure sehen modelmäßig aus und einer scheint reicher als der andere zu sein. In diesem edlen Ambiente führen die Männer dann abwechselnd ihre Bauch- oder Rückenmuskulatur vor, und die Frauen ihre definierten Beine und optimierten Brüste. Aber irgendein Geheimnis gibt bei der edlen Sex-Gymnastik nicht. Das kann eine spanische Serie wie "The Pier" weit besser. Auch zwischen den beiden rivalisierenden Männern kann sich keine Dynamik entwickeln. Es bleibt beim Zusammenprall der Stereotypen: netter Business-Guy gegen den charismatischen Platten-Boss.

Dummerweise zündet auch die durchaus vorhandene Komik nicht wirklich. Eigentlich ist es nicht unlustig, wenn die Billie unversehens zur Ganztageskindergartenbegleiterin ernannt wird, während ihre Libido verrückt spielt. Oder Ehemann Cooper während des Sexes angestrengt versucht, dem Spielverlauf auf dem Bildschirm hinter seiner Frau zu folgen. Doch wie bei den Sexszenen bleibt alles trotz der behaupteten Verruchtheit irgendwie sehr brav inszeniert.

Der Mangel an Tiefe tut dem Erfolg der Fleischbeschau keinem Abbruch: Das seichte Sex-Spektakel ist überall in den Netflix Top 10 – in einigen Ländern sogar an der Spitze.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker