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Andy Warhols Muse: Was macht eigentlich ... Dianne Brill?

Als Muse von Andy Warhol wurde die Amerikanerin in den 80er Jahren zur Königin des New Yorker Nachtlebens.

Dianne Brill: Was macht die  ehemalige Muse von Andy Warhol heute?

Dianne Brill, 60, in einem Café in Zürich. Sie lebt in der Schweiz und in New York.

Sie waren die Muse des großen Andy Warhol. Haben Sie noch ein Erinnerungsstück an ihn?

Außer den vielen Fotos, die er von mir machte, seiner TV-Show und den Videos, in denen ich mitspielte, trage ich alle Erinnerungen in meinem Herzen. Es wäre ein Leichtes gewesen, ihn etwa um eine Zeichnung zu bitten. Aber das wollte ich nicht. Auch wenn es sich lächerlich anhört: Ich hätte sonst das Gefühl gehabt, ihn auszunutzen.

Warhol war der König der amerikanischen Pop-Art. Wie haben Sie ihn erlebt?

Nun, er war speziell. Als wir mal nebeneinander im Restaurant saßen, stupste er mir plötzlich in die Hüften, seitlich an die Brust und sogar in den Po. Er wollte herausfinden, ob meine Kurven echt sind.

Sie avancierten in den Achtzigern zur Königin des New Yorker Nachtlebens. Wie haben Sie das hinbekommen?

Als ich 1980 nach New York zog, hatte ich kaum Geld, aber das war egal. Die Mieten damals waren niedrig, das Leben noch erschwinglich. Was war ich begierig, etwas zu erleben! Ständig ging ich zu Vernissagen, After-Show-Partys oder zog durch Clubs. Meine zwei Grundregeln lauteten: Besuche jeden Abend zwei Events und verschwinde immer dann, wenn die Stimmung den Höhepunkt erreicht. Und kleide dich so spektakulär, als wolltest du deinen Geburtstag glamourös feiern. So gestylt fühlte ich mich großartig – und das strahlte ich wohl auch aus.

Sie tanzten im legendären Studio 54 die Nächte durch, zusammen mit Grace Jones oder Mick Jagger. Mit wem konnte man am besten feiern?

Ganz ehrlich: mit meiner besten Freundin Janis Savitt. Sie ist Schmuck-Designerin und arbeitet heute für Stars wie Beyoncé. Wir sind beide sehr groß und trugen so hohe High Heels, dass wir alle überragten. Was hatten wir für einen Spaß!

Jagger ist ein Womanizer. Haben Sie mal eine Nacht mit ihm verbracht?

Mick war damals mit meiner Freundin Jerry Hall verheiratet. Die beiden waren ein tolles Paar. Das hätte ich Jerry nie angetan.

Später modelten Sie für Thierry Mugler und Jean Paul Gaultier. Es gab sogar Schaufensterpuppen nach Ihrem Vorbild.

Ja, es war eine extrem aufregende Zeit. Ich war ja auch die Muse von Thierry Mugler, lief neun Jahre lang bei der Modewoche in Paris nur seine Shows. Es war, als wäre ich sein Eigentum. Als ich ihn bat, auch für Jean Paul Gaultier arbeiten zu dürfen, war er gar nicht begeistert, willigte aber zähneknirschend ein. Das war schon skurril: Beide setzten sich zusammen, als handle es sich um einen Business-Deal, und besprachen genau, wie meine Zusammenarbeit mit Jean Paul aussehen sollte. Ich durfte nur eine einzige Show für ihn laufen, sollte während der gesamten Modewoche auch privat nur Mugler tragen.

Heute sind Sie Kosmetikunternehmerin. Wie kam es dazu?

Ich liebe schöne Dinge, habe zuerst Lingerie entworfen und dann Kosmetik. Mittlerweile habe ich eine Kollektion von 157 hochwertigen Produkten und einen eigenen Youtube-Kanal.

Bei einer so extravaganten Vergangenheit: Trauern Sie manchmal den alten Zeiten nach?

Nein, nie. Die Energie der Leute damals war phänomenal. Zum Glück habe ich noch viele Fotos, Filmaufnahmen und sogar aufgezeichnete Telefongespräche. Momentan arbeite ich an einer Dokumentation über mein Leben. Es gibt so viele tolle Geschichten aus dieser Zeit. Die müssen einfach erzählt werden.

Interview: Sabine Hoffmann