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»TOD EINES KRITIKERS«: Walser-Buch auf Rekordkurs

Der Skandal hat sich offenbar bereits ausgezahlt: Mit 70.000 verkauften Exemplaren in zwei Wochen dürfte Martin Walsers »Tod eines Kritikers« das erfolgreichste Buch des Jahres werden.

Martin Walsers umstrittener Roman »Tod eines Kritikers« entwickelt sich nach einer »Focus«-Erhebung zu einem der erfolgreichsten Titel des Jahres auf dem deutschen Buchmarkt. In den ersten beiden Wochen seit Erscheinen habe sich das Buch rund 70.000 Mal verkauft. Nach wochenlangen heftigen Diskussionen über angeblich antisemitische Tendenzen in Walsers Buch habe der Suhrkamp Verlag bislang 160.000 Exemplare an den Handel ausgeliefert, eine dritte Auflage sei in Vorbereitung.

»Reich-Ranicki füllt keinen Roman«

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass sagte in der »Neuen Osnabrücker Zeitung« über Walsers Buch rund um Macht und im Literaturbetrieb: »Ich hätte Walser geraten, einen scharfen Essay über den Zustand der Literaturkritik zu schreiben, aber niemals einen Roman. Denn Reich-Ranicki füllt keinen Roman, da er ohne Geheimnis ist.« Walser hatte bestätigt, dass Marcel Reich-Ranicki als Vorbild für seine literarische Kritikerfigur namens André Ehrl-König diente. Grass warf Reich-Ranicki nun »Hybris« vor und sagte: »Mit ihm gab es eine Trivialisierung der Literaturkritik.«