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Biografie-Ästhetik: Drei Cover für alle Fälle

Schröder, Bohlen, Mandela - Biografien über Promis gehen immer. Liegt es daran, dass sie über die immer gleichen Cover verkauft werden? Wichtig auf jeden Fall: Hand ans Kinn und dunkler Hintergrund.

Eine Stilkritik von Niels Kruse

Biografie-Cover Typ: Hand ans Kinn

Gerhard Schröder bringt demnächst ein neues Buch heraus. Vermutlich preist er darin erneut sein Lebenswerk und erteilt seinen Nachfolgern ungebetene Ratschläge. Was man als Ex-Regierungschef eben so tut. Das Buchcover (Bild oben rechts) ziert sein Konterfei, die linke Hand stützt das Kinn, als wäre der Kopf vom vielen Denken schwer geworden.

Mit dieser klassischen Biografie-Buchcover-Geste liegt er ganz auf Linie anderer großer Geister und Denker: Sven Hannawald (Bild oben links) hält seine Hand beinahe schützend vors Gesicht (verständlich). Apple-Ikone Steve Jobs ist kurz davor, seine Finger schnippend in die Höhe zu reißen (und noch 'ne Idee!) und Afrikas kürzlich verstorbener Übervater Nelson Mandela hat wirklich allen Grund, seine Hände stützend zu Hilfe zu nehmen.

  • Merke: Wer ein Buchcover sieht, auf dem ein Mensch seine Hand ans Kinn hält, den erwarten messerscharfe Gedanken von echten Machern. Auf keinen Fall aber leichte Kost zum Mal-eben-so-wegschmökern.

Biografie-Cover Typ: Rot auf Schwarz

Rote Schrift auf schwarzem Grund - hier trifft Sachlichkeit auf geballte Emotionen. Wichtig dabei: Der Buchtitel darf gerne Ton-in-Ton mit der Hauptfarbe sein, hauptsache der Name des Hauptdarstellers springt sofort ins Auge. Funktioniert natürlich nur bei Leuten, die keinen guten Leumund haben (Dieter Bohlen, Wladimir Putin). Oder bei Menschen, die zwar einen guten Leumund haben, nur leider die falschen Freunde und Kollegen (Thomas Anders, Pep Guardiola).

  • Merke: Hinter Rot-auf-Schwarz-Biografie-Covern versteckt sich Schmackes und Schmökern und zwar proportional zum Winkel, in dem der Porträtierte von unten fotografiert wird.

Biografie-Cover-Typ: Hauptsache irgendwie dezent

Hand ans Kinn, rote Schrift, dunkler Hintergrund, schwarz-weiß-Porträt oder farbig, neckischer Seitenblick und Macherpose: Mit Covern wie diesen macht nie irgendjemand irgendetwas falsch. Sei es Schicksalhaftes mit Ausblick auf Hoffnung (Bettina Wulff/Ex-First-Lady, Wolfgang Niedecken/Schlaganfallüberlebender) oder Handfestes mit Ausblick auf Ärger (Gerhard Schröder/Hartz IV) und sein Kollege Peer Steinbrück (Eurorettung) - für alle ist etwas dabei.

  • Merke: Auf Trefflichste verbinden diese Biografie-Cover lange einübte Sehgewohnheiten und Inhalte. Wer hier zuschlägt, bekommt auf jeden Fall ein Buch, das, auf dem Couchtisch liegend, Eindruck schindet und Interesse am Weltgeschehen suggeriert.