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Frankfurter Buchmesse: Literatur wird diesmal von Politik dominiert

Mit der Einladung der arabischen Welt als Gast hat die Frankfurter Buchmesse den Dialog zwischen den Kulturen ins Visier genommen. Auf vielen Veranstaltungen wird es deswegen vor allem um Politik gehen.

Zwei Jahre lang haben auf der Buchmesse schreibende Entertainer wie Dieter Bohlen oder Verona Feldbusch das Rampenlicht beherrscht. Dieses Jahr dürfte die weltgrößte Bücherschau vom 6. bis 10. Oktober trotz Auftritten von Jan Ullrich oder Dolly Buster von der Politik dominiert werden. Mit der Einladung der arabischen Welt als Gast hat sich die 56. Frankfurter Buchmesse vorgenommen, den Dialog zwischen den Kulturen anzuschieben. Angesichts der wachsenden Entfremdung zwischen Orient und Okzident spricht Buchmessen-Chef Volker Neumann vom "mit Abstand spannendsten Gastland".

Die Initiative für diesen Auftritt, bei dem erstmals in dieser Breite die arabische Kultur präsentiert wird, geht auf die Arabische Liga selbst zurück. Deren Generalsekretär Amre Mussa hatte erkannt, dass auf der Buchmesse als perfektem Forum gezeigt werden könnte, dass der arabisch-islamische Kulturkreis nicht nur gewaltbereite religiöse Fanatiker hervorbringt.

Mehr als 200 Autoren aus der arabischen Welt

Allen Unkenrufen und internen Disputen zum Trotz haben sich die 22 Mitgliedsländer der Arabischen Liga zu dem für beide Seiten gewagten Experiment zusammengerauft. Nur Libyen, Marokko, Algerien, Kuwait und der Irak sind offiziell nicht dabei. Doch auch aus diesen Ländern sind Schriftsteller in Frankfurt vertreten. Insgesamt kommen mehr als 200 Autoren, Künstler und Politiker aus der arabischen Welt nach Frankfurt. Darunter sind neben prominenten Literaten aus der Region wie dem Palästinenser Mahmud Darwisch auch im Exil lebende Autoren wie der Marokkaner Tahar Ben Jelloun oder Assja Djebar (Algerien).

Frankfurt erlebt aber nicht nur die bisher größte Präsentation arabischer Literatur. Viel wichtiger ist, dass sich die Gäste auf zahlreichen Veranstaltungen auch kritischen Fragen nach den Menschenrechten oder der Rolle der Frau im Islam stellen. Die brisanten Themen und ein großer Auflauf von politischer Prominenz - von Bundeskanzler Gerhard Schröder bis zu Ägyptens "First Lady" Suzanne Mubarak - haben allerdings eine Kehrseite: Die Sicherheitsvorkehrungen sind auf der Buchmesse stärker denn je.

Mehr Aussteller als im Vorjahr

Insgesamt verbreitet die Buchmesse nach den schlechten Jahren 2001 und 2002 Aufbruchstimmung: Die Zahl der Aussteller wird bei etwa 6700 aus über 110 Ländern liegen - das sind etwas mehr als im Vorjahr. Erstmals seit Jahren gab es wieder eine Warteliste - vor allem der Andrang aus den englischsprachigen Ländern ist groß. Buchmessen-Chef Volker Neumann sieht deshalb Frankfurt weiterhin als "unangefochtene Leitmesse". Auch beim wichtigen Handel mit Buchlizenzen habe Frankfurt im Konkurrenzkampf mit der Londoner Buchmesse nicht an Boden verloren.

Dagegen hält die Flaute in der deutschen Buchbranche weiter an. Auch im August gingen die Umsätze leicht zurück. Nur die großen Buch-Kaufhäuser kommen dank eines auf Bestseller ausgerichteten straffen Sortiments weiter gut über die Runden. Der Branche bleibt die Hoffnung, dass die vom Handel unterstützte große "Lese"-Aktion des ZDF Appetit auf Bücher macht.

Zeitungen machen den Buchverlagen Konkurrenz

In die Reihe der Buch-Verleger hat sich dieses Jahr auch die "Süddeutsche Zeitung" eingereiht, deren "Bibliothek" bei einem Buchpreis von 4,90 Euro zum Erfolg wurde. Zur Buchmesse rollt die nächste umstrittene Niedrigpreisaktion auf den Handel zu: "Bild" bringt zusammen mit der Weltbild-Verlagsgruppe eine Bestseller-Bibliothek heraus. Die "Zeit" startet im November eine 20-bändige Lexikonreihe als Sammelwerk.

Die Biografie-Welle von Prominenten schwappt allerdings erneut über die Buchmesse. Neben Radler Jan Ullrich und Schwimmerin Franziska van Almsick wird auch Fußballer Giovane Elber erwartet. Dolly Buster wiederum, die sich bereits als Krimi-Autorin versuchte, wird einen "Beziehungs-Ratgeber" vorstellen. Rund 1000 Autoren haben sich angesagt. Nobelpreisträger Günter Grass wird diesmal nicht wie 2003 öffentlich zum Tanz bitten, sondern ein von ihm illustriertes Buch mit den Märchen von Hans Christian Andersen vorstellen. Ausgeweitet wird die angestrebte "Vernetzung" mit Film und Fernsehen: Produzenten und Autoren können in einem Zentrum für Adaptationen und Drehbücher ins Gespräch kommen.

"Konzentrierte Arbeitsmesse"

Insgesamt sind für das allgemeine Publikum die publicityträchtigen "Events" - vergangenes Jahr kamen Tausende zu Wladimir Kaminers "Russendisco" - reduziert worden. Es gibt keine Abendveranstaltungen. Buchmessen-Direktor Neumann, dessen bis Ende 2005 laufender Vertrag vor kurzem überraschend nicht verlängert wurde, will diesmal eine "konzentrierte Arbeitsmesse". Auf Bitte vor allem der ausländischen Aussteller wurde die Bücherschau auch um einen Tag verkürzt. Am letzten Tag, dem Sonntag, kann das Publikum jedoch wie im Vorjahr zum gebundenen Ladenpreis Bücher an den Ständen kaufen.

Thomas Maier, DPA

Publikumstage:

Samstag und Sonntag (9./10. Oktober) jeweils von 9.00 bis 18.30 Uhr

Eintrittspreise:

Tageskarte für Privatbesucher: 9,00 Euro
Schüler: 3,50 Euro (Tageskasse)
Gruppentarif (ab 20 Personen): 8,00 Euro