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Gescheiterte Sanierung: Eichborn-Verlag ist pleite

Sven Regeners "Herr Lehmann", Walter Moers' "Kleines Arschloch" und Hans Magnus Enzensbergers Reihe "Die andere Bibliothek": Der Frankfurter Eichborn-Verlag hat große Erfolge im Programm - und muss dennoch Insolvenz anmelden.

Der Frankfurter Eichborn-Verlag ist pleite. Der Vorstand hat beim Amtsgericht Frankfurt/Main Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt, erklärte der "Verlag mit der Fliege" am Donnerstag. "Der Schritt war notwendig geworden, da die Gesellschaft die erforderliche Sanierung nicht aus eigener Kraft finanzieren kann und Versuche, eine Finanzierung von außen zu erlangen, nicht erfolgreich waren", teilte das Unternehmen mit, das Autoren wie Walter Moers ("Käpt'n Blaubär", "Das kleine Arschloch") und Sven Regener ("Herr Lehmann") verlegt. Die Eichborn-Aktie, ohnehin nicht mehr viel wert, brach um 30 Prozent auf 60 Cent ein. Insolvenzverwalter Holger Lessing aus Frankfurt habe in einer Mitarbeiterversammlung zugesagt, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Ziel sei es, den Verlag nun zu sanieren, erklärte Eichborn.

Umzug nach Berlin schon zuvor geplatzt

Das 1981 von Vito von Eichborn gegründete Unternehmen war mit humoristischer Literatur erfolgreich geworden, verlegt aber auch anspruchsvolle Literatur wie "Die andere Bibliothek", die von Hans Magnus Enzensberger herausgegeben wird.

Von Eichborn war 1995 ausgestiegen, im Jahr 2000 ging das Verlagshaus an die Börse. Zum 1. Juli sollte der Frankfurter Verlag eigentlich nach Berlin unter das Dach des Aufbau-Verlags umziehen, es sollten aber nur 13 von 48 Mitarbeitern mitgehen. Aufbau-Eigentümer Matthias Koch hatte vom Unternehmer Ludwig Fresenius 75 Prozent der Eichborn-Aktien übernommen. Anfang der Woche war der Umzug dann ohne weitere Begründung abgesagt worden.

dho/Reuters/DPA / DPA / Reuters