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Leser-Aktion: Lächeln, loben und Elfen-Helfen

Vor einigen Wochen haben wir die stern.de-Leser dazu aufgerufen, Ideen zur Verbesserung der Welt einzureichen. Die Resonanz war gewaltig - und die Vorschläge bisweilen höchst originell.

Von Carsten Heidböhmer

Selten hat eine Titelgeschichte eine derartige Leserresonanz ausgelöst: Der stern hatte mit dem Artikel "Einfach die Welt verändern" Vorschläge für eine bessere Welt unterbreitet - und damit eine breite Diskussion angestoßen. Parallel dazu waren die stern.de-Leser aufgerufen, weitere Ideen einzureichen. Die Resonanz auf diesen Aufruf übertraf alle Überwartungen. Was noch schöner war als die rein quantitative Menge der Beiträge: Die Qualität stimmte. Keine einzige eingegangene Mail verspottete die Aktion oder riss billige Witze darüber. Jeder Leser hat sich ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wie die Welt im Kleinen ein Stück verbessert werden könnte.

Einige Vorschläge gingen gleich mehrfach ein, was ein guter Hinweis darauf ist, dass wirklich etwas getan werden kann. Andere Ideen waren höchst individuell - und machen gerade deshalb Lust, sie nachzuahmen.

Für eine ethische Wirtschaft

Die eingereichten Ideen umfassen verschiedene Bereiche des Lebens. Sehr viele Leser haben vorgeschlagen, bei den eigenen Konsumgewohnheiten anzusetzen: Jeder Mensch kann sein Geld ein klein bisschen bewusster ausgeben, beispielsweise in Bio- und Eine-Welt-Läden. Trans-Fair-Produkte garantieren, dass unter menschenwürdigen Bedingungen gearbeitet wird und die Arbeiter anständig bezahlt werden. Meiden würden unsere Leser dagegen Produkte, für die Tierversuche unternommen werden mussten. Auch Pelze sind für sie entbehrlich. Und viele der eingereichten Mails riefen dazu auf, Produkte von Firmen zu boykottieren, die trotz steigender Gewinne Mitarbeiter entlassen. Schließlich wurde immer wieder geraten, auf Ökostrom umzustellen - dies ist fast kostenneutral möglich.

Gar nichts kostet es dagegen, ein wenig an seinem eigenes Verhalten zu arbeiten. Jeder einzelne kann zu seinen Mitmenschen freundlicher sein, einfach mal einen entgegenkommenden Passanten auf der Straße grüßen. Auch seinen Arbeitskollegen könnte man öfters mal Komplimente machen oder sie loben. Das alte Pfadfindermotto "Jeden Tag eine gute Tat" hat keinesfalls an Aktualität verloren. Schon Kleinigkeiten können anderen eine große Freude bereiten: einer alten Frau über die Straße helfen, älteren Menschen einen Sitzplatz in der Straßenbahn anbieten, jemandem in der Schlange den Vortritt lassen.

Einfach mal die Klappe halten

Ein Leser hat den sehr sympathischen Vorschlag eingereicht, einfach mal die Klappe zu halten. Anstatt zu allem immer seinen Senf dazuzugeben, könnte man zur Abwechslung mal schweigen und abwarten. Vor allem wenn es um Themen geht, von denen man selber keinen Schimmer hat. Denn kein Mensch kann sich in allen Bereichen auskennen, und so sollten wir unser Nicht-Wissen akzeptieren und uns und unseren Mitmenschen ein paar Momente des Schweigens schenken.

Richtig bereichernd kann es sein, sich mal wieder bei alten Freunden oder Bekannten zu melden und nach ihrem Befinden zu erkundigen. Noch besser ist, persönlich zum Kurzbesuch vorbeizukommen. Auch Fahrgemeinschaften schaffen neue Kontakte - und schonen auch noch den eigenen Geldbeutel.

Viel Geld sparen lässt sich im Haushalt: Viele Leser fangen ihr Duschwasser auf und gießen damit ihre Blumen. Auch das Wasser vom Eierkochen oder aus der Wärmflasche lässt sich wieder verwenden, und wer einen Garten besitzt, kann mit einer Regenwassertonne zusätzliche Ressourcen gewinnen. Durch sinnvolle Nutzung von Wasch- und Spülmaschine lassen sich ebenfalls Strom und Wasser sparen.

Verantwortung übernehmen

Wer mehr leisten will, dem stehen vielfältige Möglichkeiten des Engagements zur Verfügung, angefangen bei Unterschriftensammlungen bis hin zu ehrenamtlichem Engagement in einem Verein, in einer Bürgerinitiative oder in einer Partei. Es ist immer gut, Verantwortung für sein Umfeld zu übernehmen. Und wer dazu noch ein klein bisschen Geld übrig hat, kann damit viel Sinnvolles tun, beispielsweise ein Stück Regenwald vor der Abholzung bewahren. Aber auch viele andere Projekte verdienen Unterstützung: schon wenige Euro pro Monat reichen manchmal schon.

Etwas weiter geht der Vorschlag, dass jeder Erwachsene sich für mindestens ein Kind auf dieser Erde verantwortlich fühlen sollte. Das umfasst nicht nur Geldzuwendungen. Liebe, Geborgenheit und Aufmerksamkeit sind Ressourcen, die im Überfluss vorhanden sind - Kinder freuen sich darüber immer.

Viel bewirken kann auch Zivilcourage. Bei Unrecht wegzuschauen, ist immer einfach. Es erfordert großen Mut, Widerspruch zu erheben, einzuschreiten. Dabei ist es so wichtig für das Gemeinwesen! Ein anderer Leser hat die Anregung eingebracht, mit Menschen anderen Glaubens zu sprechen und sich über deren Religion auszutauschen. Das fördert das Zusammenleben und erweitert nebenbei den eigenen Horizont.

Intelligente Idee, einfache Umsetzung

Die lustigste Idee ist aber das "Elfen-Helfen". Das geht folgendermaßen: Elf Leute legen elf Monate lang jeden Monat elf Euro zurück. Nach elf Monaten treffen sie sich und beraten, was sie mit dem Geld Wohltätiges machen wollen. Doch das Geld darf nur im Umkreis von elf Kilometern investiert werden. Anstatt anonym fremden Organisationen zu spenden geht es um die Sensibilisierung für die Not vor der eigenen Haustür. Von der Entscheidung bis zur Umsetzung sollten nicht mehr als elf Tage vergehen. Jedes Mitglied sollte außerdem während der elf Monate mindestens einen weiteren Menschen überzeugen, selbst eine Elfenrunde zu gründen. Schließlich geht es ja nur um 121 Euro und ein einziges Treffen alle elf Monate.

Solange es noch Menschen gibt, die derart kreativ die Welt verbessern, kann man hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Allen Lesern, die sich an dieser Aktion beteiligt haben, sei herzlich gedankt! Die meisten Vorschläge haben gezeigt, dass es gar nicht viel kosten muss, die Welt zu verbessern. Im Gegenteil. Oftmals bekommt man mehr zurück als man investiert. Ob das nun Geld oder Menschlichkeit ist: Es lohnt sich immer!

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