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Neue Sachbücher auf der Leipziger Buchmesse: Umweltschutz, Datenklau und Landfrust

Auf der Leipziger Buchmesse stehen derzeit vor allem Sachbücher im Focus: Viele Autoren setzen sich mit hochaktuellen Themen wie globalen Krisen, deutschen Missständen und der Zukunft des Planeten auseinander.

Am Mittwochabend wird die Leipziger Buchmesse eröffnet, bis Sonntag werden rund 1500 Autoren aus ihren neuen Werken lesen. Darunter auch zahlreiche Sachbuch-Autoren, die in ihren neuen Werken die Sorgen um Datensicherheit, Frieden und die Zukunft der Erde aufgreifen. Andere Neuveröffentlichungen widmen sich den deutschen Zuständen und globalen Konflikten. Ein Überblick über die wichtigsten Neuerscheinungen.

Nicht erst seit dem märchenhaften Aufstieg des Facebook-Erfinders Mark Zuckerberg vom Studenten zum wohl berühmtesten Self-Made-Milliardär ist der Umgang mit persönlichen Daten durch Internet-Betreiber ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. David Kirkpatrick wagt nun einen Blick hinter die Kulissen des Internet-Giganten und beschreibt, was den "Facebook-Effekt" ausmacht. Seine Analyse der Auswirkungen des Phänomens Facebook, das in nur wenigen Jahren 500 Millionen Nutzer an sich ziehen konnte, vermittelt ein Verständnis "seiner Geschäftsphilosophie und vor allem seiner Macht", schrieb die "New York Times".

Sehr kritisch setzen sich auch die Informatikerin Constanze Kurz und der Spezialist für Kommunikationssicherheit Frank Rieger mit dem Datenumgang von Internetfirmen und Staat auseinander. In ihrem Buch "Die Datenfresser" belegen sie, wie aus dem Strom harmloser Daten, den wir täglich im Netz hinterlassen, geldwerte Informationen geschöpft werden, und wie die Menschen die digitale Kontrolle zurück erlangen können.

Umweltschutz ist heute ein weltumgreifendes Thema. Wie die ökologische Bewegung entstand und wo sie hinführen wird, erläutert der auf Umweltthemen spezialisierte Historiker Joachim Radkau. In seinem umfangreichen und bebilderten Werk "Die Ära der Ökologie" koppelt Radkau die Geschichte der Umweltbewegung an die großen Probleme insbesondere der vergangenen 40 Jahre - von der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl bis hin zur aktuellen Klimadiskussion. Seine These: Die Umweltbewegung ist die Aufklärung unseres Zeitalters, ihre Globalität erwächst aus den Problemen vor Ort.

Klimawandel, Übervölkerung und Konflikte werden die Welt verändern. Doch wie unser Planet im Jahre 2050 aussehen wird, das weiß niemand. Der amerikanische Geograf und Berater der US-Regierung Laurence C. Smith hat viele wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengetragen und in seinem Buch "Die Welt im Jahr 2050" ein Szenario von der Zukunft unserer Zivilisation entworfen. Spannend erzählt er davon, wie der Norden angesichts von Globalisierung, Klima, Bevölkerungswachstum und knapper Ressourcen enorme Kräfte entwickeln wird.

Von großer Aktualität ist Dominic Johnsons Analyse von "Afrika vor dem großen Sprung". Die Thesen des Journalisten und Afrika-Experten haben sich jüngst durch die Umwälzungen in Ägypten, Tunesien, Libyen und anderen Staaten bestätigt: Insbesondere die junge Generation Afrikas, so schreibt Johnson, sucht im Zeitalter der Internetkommunikation, hoher Wachstumsraten und einer rapiden Verstädterung ihre eigenen Wege aus Armut und Abhängigkeit. Sie lösen sich von alten Herrschaftsmodellen, aber auch von europäischen Vorbildern.

Den Blick ins eigene Land, in die deutsche Provinz, lenkt der Historiker Axel Brüggemann mit seinem Buch "Landfrust". Darin räumt einer, der selbst aus der Großstadt in sein norddeutsches Heimatdorf zurückgekehrt ist, mit den Klischees vom Glück zwischen Kuhstall und Tante-Emma-Laden auf. Der vielbeschworene Gemeinschaftsinn der Dorfbewohner ist nach Brüggemanns Erfahrungen ebenso Vergangenheit wie ein ruhiges Leben im Einklang mit der Natur. Stattdessen verlassen junge Menschen scharenweise das Land, weil dort Schulen und Arbeitsplätze Mangelware geworden sind.

Susanna Gilbert-Sättele/DPA / DPA