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Comic-Festival: Mangas machen an

Mangas, eine Comic-Form aus Japan, lassen die Kassen der Comic-Verlage klingeln. Meistens geht es um die erotischen Verirrungen der Teenie-Helden.

An den Erfolg mochten anfangs nur wenige glauben. Und selbst als die glubschäugigen Strubbelköpfe in den aus Japan kommenden Manga-Comics die Kassen der ersten deutschen Comic-Verlage kräftig klingeln ließen, wich bei längst nicht allen Verlagsmanagern die Skepsis. Sie hielten das Interesse lange Zeit für einen nur kurzfristigen Boom. Inzwischen hat dieses Comic-Genre den Durchbruch geschafft: Die Comic-Importe aus Japan sind fester Bestandteil der deutschen Comic-Kultur, wie Fachleute auf dem bis Sonntag dauernden Internationalen Comic-Salon in Erlangen einmütig betonen.

Nach Angaben von Comic-Salon-Sprecherin Christina Walz dominieren Mangas seit Jahren die Programme aller vier großer deutscher Comic-Verlage. 80 Prozent des deutschen Comic-Umsatzes werde inzwischen mit den japanisch inspirierten Bildergeschichten gemacht. Klassische Comics fristen in vielen Verlagen nur noch ein Schattendasein oder werden in Kleinverlagen als Nischenprodukte gepflegt. Gewinne werfen sie indes kaum noch ab; das große Geld spülen Walz zufolge die Mangas in die Verlagskassen.

In Japan ist die Dominanz der Mangas noch größer

In Japan ist die Dominanz der Mangas noch größer. Sie machen 40 Prozent aller Drucksachen aus. Zum Vergleich: In Deutschland umfassen Comics ca. 3 Prozent aller Drucksachen. Sie sind eine Hauptsäule des gesamten Verlagswesens. Die Gesamtauflage aller Mangas in Japan wird auf mehrere Hundert Millionen Exemplare pro Monat geschätzt. Während unbekanntere Serien mit einer Startauflage von 300.000-500.000 Taschenbüchern in den Handel kommen, erreichen die erfolgreichsten Einzelbände teilweise Erstauflagen im zweistelligen Millionenbereich.

In Deutschland sind selbst Branchen-Insider von den Atem beraubenden Wachstumsraten der Manga-Comics überrascht. Allein der Kölner Egmont-Verlag verzeichnete noch 2003 - im fünften Jahr des Mango-Booms - nach Angaben von Verlagschef Georg Tempel einen Umsatzzuwachs von 30 Prozent bei Mangas; für dieses Jahr veranschlagt er einen Zuwachs von 10 bis 15 Prozent. Allerdings werde es mit dem Wachstum so wohl nicht weitergehen. Denn mit dem neu gegründeten Tokyopop-Verlag eines Ex-Managers des Marktführers Carlsen sitze bereits ein weiterer Konkurrent in den Startlöchern, gibt Tempel zu bedenken.

Anhänger des klassischen Comics rümpfen freilich gern die Nase über die seichten Abenteuer pubertätsgeschüttelter Heldinnen und ihre erotischen Verwirrungen. Anspruchsvolle Comic-Sammler werden sich wohl auch nie mit den billig anmutenden Schwarz-Weiß-Zeichnungen der Mangas abfinden, schätzen Fachleute. Sie greifen lieber - wie der 35 Jahre alte Aschaffenburger Comic-Sammler Thomas Schäfer - zu aufwendig gestalteten, bis zu 60 Euro teuren farbig durchgestylten Comic-Bänden. 12 000 Stück hat Schäfer bereits zu Hause, der für Fachleute allerdings eine aussterbende Spezies in der Szene ist.

Mangas haben eine lange Tradition

Dabei haben sich die japanischen Mangas aus einer langen Tradition heraus entwickelt. In Japan zeichneten buddhistische Mönche schon ab dem 6. und 7. Jahrhundert Bildergeschichten auf Papierrollen. Das bekannteste dieser Werke ist die erste Chōjūgiga (Tierrolle) von Sōjō Toba (1053-1140), eine Satire, in der sich Tiere wie Mönche benehmen. Später wurde dann auf Tempelwände gezeichnet. Szenen aus dem Alltag oder erotische Bilder wurden auf Holzschnitten dargestellt. Im 19. Jahrhundert wurde der amerikanische Einfluss spürbar. Neue Drucktechniken und die amerikanischen "Comic Strips" wurden zum Vorbild für die japanaischen Zeichner.

Comic-Expertin Walz warnt freilich vor einer Unterschätzung der Manga-Comics. Gerade bei Mädchen gipfele die Manga-Manie häufig in einem gesteigerten Interesse an Japan. "Die Mädchen fangen plötzlich an, sich für japanische Kultur zu interessieren, manche lernen Japanisch." Andere entschieden sich gar für ein Japanologie-Studium. Damit sei Manga eine Form von Kulturaustausch. "Welches Medium schafft das heute noch?" Auch auf dem Comic-Salon findet der Trend zu fernöstlicher Kultur seinen Ausdruck: In einer original ausgestatteten Teehütte können sich Manga-Jünger von einem Teemeister in die japanische Tee-Zeremonie einführen lassen.

Klaus Tscharnke, DPA / DPA
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