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Entscheidung der UNESCO: Opernhaus Bayreuth ist Weltkulturerbe

Ganz große Oper in Bayern: Das Bayreuther Opernhaus zählt künftig zum Weltkulturerbe. Die Unesco nahm den Markgräflichen Prunkbau in die Liste der größten Schätze der Menschheit auf. Ein zweiter Kandidat muss sich noch gedulden.

Die Unesco hat das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth als Weltkulturerbe anerkannt. Das Welterbe-Komitee aus 21 Mitgliedern traf die Entscheidung am Samstag in St. Petersburg mehrheitlich.

Über die Aufnahme der kurfürstlichen Residenz in Schwetzingen in die Liste einzigartiger Schätze der Menschheit sollte das Gremium später abstimmen. Anders als für Bayreuth lag für den zweiten deutschen Antrag aber keine Empfehlung von Experten vor.

Auf der 36. Sitzung des Unesco-Welterbekomitees gab es insgesamt mehr als 30 Anträge von Kultur- und Naturstätten. Weltweit am bekanntesten unter den Nominierungen sind die Geburtskirche Jesu Christi und der Pilgerweg in Bethlehem. Es war der erste Antrag der Palästinenser überhaupt - er war am Freitag angenommen worden.

Einziges erhaltenes Opernhaus seiner Art

Laut Unesco ist das Bayreuther Opernhaus eines der wichtigsten architektonischen Zeugnisse der absolutistischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert und in seiner ursprünglichen Form und Gestalt unverändert erhalten. Das Kommitee würdigte den Bau als "einzigartiges Monument der europäischen Fest- und Musikkultur des Barock".

Es entstand in den Jahren 1744 bis 1748 unter der Regentschaft von Markgräfin Wilhelmine, einer Schwester Friedrichs des Großen. Die Fassade gestaltete ein Bayreuther Hofarchitekt, für die Innenausstattung waren der Italiener Giuseppe Galli Bibiena, einer der bedeutendsten Theaterarchitekten, und sein Sohn Carlo zuständig. Das Gebäude ist auch deshalb ungewöhnlich, weil der Zuschauerraum fast vollständig erhalten blieb. Es gilt als Muster des höfischen Opernhauses und als einziges erhaltenes Beispiel einer Gattung des Opernbaus, die ansonsten nur noch in Dokumenten weiterlebt.

Das Opernhaus ist ein ganz aus Holz gefertigtes Logentheater mit bemalter Leinwand. Wegen seiner stuckierten, geschnitzten und gemalten Dekoration gilt es als weltweit einzigartig. Noch heute besitze das Opernhaus die Funktion als lebendiger Aufführungsort des Musiktheaters, begründete die Unesco ihre Entscheidung. Auch die Akustik sei in ihrem Ursprung noch wie vor 270 Jahren erlebbar.

Mehr als 900 Kultur- und Naturstätten weltweit

Die Abstimmungen hatten am Freitagmorgen begonnen und dauern bis zu diesem Sonntag. In den vergangenen Tagen hatten Experten aus mehr als 180 Ländern bereits auch über andere Fragen des Welterbes getagt. Im Jahr des 40-jährigen Bestehens der Unesco ist Russland das erste Mal Gastgeber einer solchen Konferenz, die am 6. Juli endet.

Die Entscheidungen im Welterbe-Komitee werden mehrheitlich auf Grundlage von Expertengutachten getroffen. Ausschlaggebend dafür sind der universelle Wert der Stätte sowie ein Plan, der den Erhalt für künftige Generationen sicherstellt.

Auf der Welterbeliste stehen heute mehr als 900 Kultur- und Naturstätten in 153 Ländern, darunter nun 37 in Deutschland. Das Übereinkommen der Unesco zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt wurde 1972 gegründet.

mlr/DPA/AFP / DPA