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Puccini-Oper "Manon Lescaut": Applaus und Buh-Rufe an der Semperoper

Ein Opernhaus ohne Puccini ist wie ein Menü ohne Hauptgang. Die Semperoper serviert jetzt ein vergleichsweise selten gespieltes Werk des Italieners. Dabei war "Manon Lescaut" für ihn der Durchbruch.

Die Puccini-Oper "Manon Lescaut" ist bei ihrer Premiere am Samstagabend in der Semperoper Dresden auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während ein Teil des Publikums der Regie von Stefan Herheim lautstark applaudierte, quittierten viele Zuschauer die Inszenierung des Norwegers mit Buh-Rufen. Auf einhellige Resonanz stießen dagegen das Dirigat von Christian Thielemann am Pult der Staatskapelle Dresden und der Opernchor in der Einstudierung von Pablo Assante. Auch Norma Fantini bekam für die Titelpartie viel Applaus. Unzufrieden war das Publikum mit Tenor Thiago Arancam (Des Grieux). Er wurde am Ende sogar ausgebuht, was nicht gerade zum guten Ton in einem Opernhaus gehört.

Herheim, den Kritiker in der Zeitschrift "Opernwelt" mehrfach zum "Regisseur des Jahres" wählten, stellte mit "Manon Lescaut" seine dritte Arbeit in Dresden vor. Nach einer fulminanten "Rusalka" 2010 und Alban Bergs "Lulu" 2012 waren die Erwartungen hoch. Dem Beifall nach zu urteilen, traf er diesmal aber nicht vollends den Nerv der Zuschauer. Herheim lässt in seiner Inszenierung auch Puccini als stillen Akteur in Erscheinung treten. In seinen Armen darf sich Manon auch mal ausweinen. Ansonsten beobachtet der Maestro mal rauchend und scheinbar teilnahmslos, mal hektisch in seiner Partitur blätternd das Geschehen. Puccini leidet mit seinen Figuren geradezu mit und wird zum Teil ihrer Welt mit all den Sehnsüchten und Verzweiflungen.

Oper brachte Puccini internationalen Durchbruch

Im Bühnenbild von Heike Scheele dominiert die noch nicht vollendete Freiheitsstatue, die Frankreich zum 100. Geburtstag der Unabhängigkeitserklärung (1776) als Geschenk nach Amerika schickte und die im Stück zum Symbol für die Freiheitssehnsucht der liebeshungrigen Manon wird. Einzelne Teile der Statue sind in der Werkstatt von Bildhauer Frédéric Auguste Bartholdi und Ingenieur Gustave Eiffel - er schuf das Stahlgerüst - zu sehen. Die Fackel der "Statue of Liberty" wird später so etwas wie die Flamme der wiedererstandenen Liebe von Manon zu ihrem treuen Verehrer Des Grieux, der mit ihr in die Verbannung nach Amerika geht. Als die Fackel verlischt, ist auch das Leben von Manon zu Ende.

Die Oper war vor 120 Jahren in Turin uraufgeführt worden und brachte Giacomo Puccini den internationalen Durchbruch. Danach folgten seine großen Klassiker "La Bohème" (1896), "Tosca" (1900) und "Madama Butterfly" (1904).

Jörg Schurig, DPA / DPA