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Ernst Maria Lang: Zum 90. gibt's den Münchner Kulturpreis

Der spitze Strich hält in fit: Seit über 50 Jahren zeichnet Ernst Maria Lang alle Politgrößen dieses Landes. Zum 90. Geburtstag bekommt der gebürtige Oberammergauer und Wahlmünchner den Kulturpreis der Stadt München.

Er hat sie alle mit seiner spitzen Feder aufgespießt: Ob Konrad Adenauer, Willy Brandt oder Franz Josef Strauß - dem begnadeten Karikaturisten Ernst Maria Lang kam keine der Polit-Größen im Nachkriegs-Deutschland aus. Seine Zeichnungen wurden schon zu Lebzeiten für museumswürdig befunden und zieren die auch international anerkannten Bestände des Designmuseums der Neuen Sammlung in München. Immer wieder wurden seinem Schaffen zuletzt Ausstellungen gewidmet, die Liste der Ehrungen ist respektabel und lang.

Zwar wurde es in den vergangenen Jahren etwas stiller um ihn, weil "E.M. Lang", so seine Signatur, den Zeichenstift vor einigen Jahren zur Seite legen musste. Dennoch bleibt er der seit fast sechs Jahrzehnten im gesamten deutschen Sprachraum geschätzte Karikaturist, der Woche für Woche in der "Süddeutschen Zeitung" das Weltgeschehen in wenigen, aber treffenden Strichen begleitete. Mehr als 4000 Karikaturen lieferte er im Laufe der Jahrzehnte für das Blatt ab.

Wie kein anderer hat er etwa das faltige Gesicht Adenauers - beispielsweise 1953 als Bundesadler - auf ein paar Striche reduziert und doch die ganze politische List und Tücke des "Alten" darin eingefangen. Das weit geschwungene "L" in seiner Signatur ist dabei zum Markenzeichen für profunde, zielsichere Karikatur geworden, die sich durch Toleranz und Menschlichkeit auszeichnet.

Aber nicht nur als Karikaturist hat sich der Sohn des Bildhauers und langjährigen Spielleiters der weltberühmten Oberammergauer Passion, Georg Johann Lang, einen Namen gemacht. Als Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten von 1965 bis 1970 und als langjähriger Präsident der Bayerischen Architektenkammer trug Lang wesentlich zur Schaffung des bayerischen Architektengesetzes bei, deren Belange er Jahre lang auch als Mitglied des Rundfunkrates im Bayerischen Rundfunk vertrat.

Erst im Mai dieses Jahres zeichnete ihn der Verband der Freien Berufe mit seinem Ehrenpreis aus. Lang verkörpere in besonderer Weise das Ideal des freien Berufes in einer freien Gesellschaft, hieß es zur Begründung der erstmals verliehenen Auszeichnung. Seine Heimatgemeinde Oberammergau widmete ihm im Frühjahr eine Ausstellung "Ernst Maria Lang - Karikaturen eines Zeitzeugen" mit über 100 Originalblättern.

Am 22. Januar 2007 erhält Lang aus der Hand von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) den mit 10 000 Euro dotierten Kulturellen Ehrenpreis der bayerischen Landeshauptstadt. Der Ausgezeichnete sei ein bayerisches Urgestein und nicht wegzudenken aus der Geschichte Bayerns und Münchens seit 1945, so das Urteil der Jury. Wohl im Sinne vieler anderer Bewunderer Langs kommen die Juroren zu dem Schluss: Kein anderer Karikaturist hat das Zeitgeschehen und seine Protagonisten über so lange Zeit hinweg verfolgt, bildlich dargestellt, zugespitzt und aufgespießt.

In einem Glückwunschschreiben würdigte Oberbürgermeister Ude den Jubilar: "Mit Ihrem breiten Schaffen haben Sie mehr als nur Spuren hinterlassen. Sie sind, um es in der Sprache der Architekten zu sagen, eine profil überragende Dominante in unserer Stadt."

DPA / DPA