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"Das Bourne Vermächtnis" startet im Kino: Mal wieder auf der Flucht

Jason Bourne gibt's nur noch im Titel: Im vierten Teil der Action-Reihe übernimmt US-Schauspieler Jeremy Renner von Matt Damon. Und der muss sich nicht nur mit einem schweren Erbe herumschlagen.

Kinotrailer: "Das Bourne Vermächtnis"

Jeremy Renner ist ein eindringlicher Darsteller von meist hoher Präsenz. Ob als Bombenräumer in "Tödliches Kommando - The Hurt Locker" oder als Bankräuber in "The Town - Stadt ohne Gnade". Auch an der Seite von Tom Cruise im Agententhriller "Mission: Impossible - Phantom Protokoll" konnte Renner überzeugen. Nun tritt der US-Star in die Fußstapfen von Matt Damon alias Jason Bourne. Damon spielte ab 2002 in der "Bourne"-Reihe einen unter Amnesie leidenden Auftragskiller der CIA. Nach dem Erfolg des ersten Teiles ("Die Bourne Identität") gab es zwei Fortsetzungen: "Die Bourne Verschwörung" und "Das Bourne Ultimatum".

Renner gibt jetzt im vierten, von Tony Gilroy inszenierten Part "Das Bourne Vermächtnis", den neuen Protagonisten. Gilroy zeichnete bisher als Drehbuch-Autor der Reihe verantwortlich. Neben Renner sind auch Darsteller wie Rachel Weisz ("The Fountain") und Edward Norton ("Fight Club") zu sehen.

Anfangs erleben wir den neuen Helden in der Wildnis, bärtig und ganz Naturbursche: Dem Klima Alaskas trotzt Aaron Cross (Renner) mit ebensolcher Souveränität wie er sich mit Wölfen herumschlägt. Mit Cross, das macht der Film schnell klar, sollte man sich nicht anlegen. Doch schon bekommt er es mit seinen Vorgesetzten zu tun: Als Mitglied eines verdeckten CIA-Programms soll Cross genauso eliminiert werden wie andere Agenten weltweit. Das dafür vorgesehene ferngesteuerte Fluggerät holt Cross mit einem Gewehr vom Himmel - die Hetzjagd aber hat gerade erst begonnen.

Tougher und maskuliner als Damon

Unterstützung erfährt Cross ausgerechnet von einer verängstigten Wissenschaftlerin, der attraktiven Dr. Shearing (stark: Rachel Weisz). Als Ärztin war sie mitverantwortlich für die mentale und körperliche Aufrüstung aller Agenten der "Operation Outcome", auch Cross gehörte zu ihren Patienten. Zusammen begeben sich beide auf die Flucht, ihr Ziel: Manila. Der amerikanische Geheimdienst, das betont auch dieser "Bourne"-Film, hat überall Augen. Der zuständige CIA-Mann (eiskalt: Edward Norton) kennt keine Skrupel. Allmählich - das gehört zu einem veritablen Agentenstreifen - kommen sich Cross und Dr. Shearing näher. Erotik a là James Bond indes wird man im "Bourne Vermächtnis" vergebens suchen.

Jeremy Renner macht seine Sache sehr gut, auch wenn er mit anderen Stärken punktet als Vorgänger Matt Damon. Renner ist tougher und maskuliner als Damon. Der hingegen wirkte charmanter und menschlicher, vor allem im ersten Teil der Bourne-Reihe von 2002: "Die Bourne Identität" war ein nachdenklicher, ein melancholischer Agenten-Thriller - Bournes verzweifelte Suche nach seiner Identität war bewegender als Cross' Angst davor, seine durch Tabletten hervorgerufene mentale und physische Stärke einzubüßen. Ans sympathische Spiel von Matt Damon und Franka Potente im Erstling vor zehn Jahren reichen Renner und Weisz nicht heran.

Wer wenig vertraut ist mit der "Bourne"-Saga, wer vor allem den dritten Teil, "Das Bourne Ultimatum", nicht gesehen hat, der dürfte nun Mühe haben, die Story in Gänze nachzuvollziehen. Mit spektakulären Szenen - man denke an Tom Cruises Klettermanöver im letzten "Mission: Impossible" - kann der neue "Bourne" kaum dienen. Zu den spannenden Sequenzen gehört die Flucht nach Manila. Hier zeigt Tony Gilroy, was er auch als Regisseur vermag. Nachhaltig aber wirkt vor allem Renners Erstauftritt im "Bourne"-Universum: Mit seiner Leinwand-Präsenz hilft der 41-Jährige dem Agenten-Streifen über Ungereimtheiten hinweg. Und verdeutlicht so ein weiteres Mal, dass er zu den Hollywood-Entdeckungen der letzten Jahre zählt.

Matthias von Viereck, DPA / DPA