HOME

"Der perfekte Wurf": Dokumentation über Dirk Nowitzki

Im Sport hat Dirk Nowitzki alles erreicht, in den USA ist er darum bekannter als Jürgen Klinsmann. Jetzt bekommt der Basketball-Star einen eigenen Kinofilm.

Von Patrick Heidmann

Dirk Nowitzki sagt, er verdiene seinen Lebensunterhalt damit, dass er "Bälle in Körbchen wirft". Das macht er so gut, dass er in seinem Sport alles erreicht hat, in den USA mutmaßlich bekannter ist als Klinsmann und Schweinsteiger zusammen und nun sogar der Held eines Kinofilms ist.

"Nowitzki. Der perfekte Wurf" ist eigentlich eine gewöhnliche Sportdoku: die Jugend in Würzburg und der Sprung in die NBA, die (wenigen) kleinen Enttäuschungen und die ganz großen Erfolge. Alles drin in diesem Film über den Basketballer. Sogar Ehefrau Jessica. Nur Dirk Nowitzki selbst ist eben alles andere als gewöhnlich. Was genau den Franken, abgesehen von seinem Talent, zur Ausnahmeerscheinung macht? Diese zehn Punkte erklären zumindest einiges.

Schon als Baby in der Turnhalle

Weil Mama Nowitzki noch in der Basketball-Nationalmannschaft spielte, als er schon geboren war, stand die Trage mit Baby Dirk bei so manchem Spiel auf der Ersatzbank. "Ich wirklich in Sporthallen groß geworden und immer irgendeinem Ball hinterhergelaufen, soweit ich mich erinnern kann", erinnert er sich im Interview - und hielt Basketball angesichts seiner Mutter und der ebenfalls talentierten Schwester erst einmal für "Frauensport". Als Teenager fing der dann doch noch Feuer, so dass er irgendwann drei Sportarten gleichzeitig unter einen Hut bringen musste: "Meine schulischen Leistungen waren da natürlich dementsprechend." Also wurde erst Handball (die Sportart des Vaters) und dann Tennis (wo er zu den Bayerischen Jugend-Top Ten gehörte) aufgegeben, und "die Körbchen" blieben übrig.

Der ungewöhnlichste Trainer der Welt

Eine Mannschaft, ein Trainer, so wie beim Fußball? So läuft das beim Basketball nicht. Zumindest nicht bei Dirk Nowitzki. Der hat - seit seiner Jugend und bis heute bei den Dallas Mavericks - auch noch seinen privaten Trainer dabei. Und dieser Holger Geschwindner ist ohne Frage ein Fall für sich. Vergleicht Basketball mit Jazz. Nennt sein Büro das "Institut für angewandten Unfug". Wechselt seine Pullover manchmal erst, wenn sie stinken. Aber für Nowitzki ist er mindestens so sehr Mentor wie bester Freund. Und in der NBA ist er so respektiert, dass er selbst im Finale nirgends je nach einer Akkreditierung gefragt wird.

Der Mann ist groß - richtig groß

Ein Gespür dafür, wie groß Dirk Nowitzki ist, bekommt man eigentlich nur, wenn man direkt neben ihm steht. Natürlich weiß man, dass die meisten Basketballer einem auf den Kopf spucken können, wenn man selbst bloß mickrige 1,70 Meter misst. Und die 2,13 Meter, die Wikipedia als Nowitzkis Größe angibt, hören sich auch riesig an. Aber erst wenn man ihn zum Interview getroffen und er für ein Foto seinen Arm um einen gelegt hat, wird einem klar, wie riesig dieser Mann wirklich ist. Denn der eigene Arm befindet sich gerade mal auf Höhe seines Hinterns...

Keinen Bock auf Promi-Gedöns

Mit Reality-Shows à la "Keeping Up With the Kardashians" kann Nowitzki nichts anfangen. "Und genauso hatte ich mir diesen Film am Anfang vorgestellt", gibt er zu. "24 Stunden eine Kamera im Haus, darauf hatte ich keine Lust. Aber die haben das schon ganz gut so gelöst, dass ich auch trotzdem meine Freiheit hatte. Die sind mir nicht ständig in die Unterhose gekrabbelt." Weil er Aufmerksamkeit nicht so mag und ihm eher peinlich ist, wird auch Urlaub manchmal schwierig. Halbnackt am Strand von Fans umringt zu werden, ist nicht sein Ding. Dann schon lieber in Malaysia. "Da haben zwar alle immer gekichert weil ich acht Meter größer war als alle anderen. Aber von Basketball hatten sie überhaupt keine Ahnung."

Stars kennt er trotzdem

Der prominenteste Kollege, der in "Nowitzki. Der perfekte Wurf" von Nowitzki schwärmt, ist Kobe Bryant. Doch der Würzburger hat auch privat ein paar hochkarätige Verbindungen. Als Deutschland im Sommer Fußball-Weltmeister wurde, hat er sich sofort bei Poldi gemeldet, mit dem er - wie er im Interview sagt - schon lange Kontakt habe. Auch Hummels bekam eine persönliche SMS. Nur Neuer (Nowitzki nennt ihn Manu) nicht. Denn der hatte ihm frecherweise seine neue Handynummer nicht mitgeteilt.

Er hat auch Schwächen

Zumindest eine, und die wurde an sehr prominenter Stelle öffentlich gemacht. Nachdem die Dallas Mavericks 2011 die NBA-Meisterschaft gewonnen haben, ehrte sogar Präsident Obama die Mannschaft und lobte Nowitzki in höchsten Tönen. Allerdings schob er - mit Blick auf dessen Gesang bei der Siegesfeier - auch hinterher: "Your rendition of 'We Are the Champions' was one of the most painful things ever." Womit er übrigens Recht hatte, wie in "Nowitzki. Der perfekte Wurf" nicht zu überhören ist.

Uni? Guter Witz, Herr Kanzler!

Ein anderer Höhepunkt des Films ist Nowitzkis Begegnung mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Erst lässt sich die rauchende Politikone mit Kaffee bedienen, dann gibt er weise Ratschläge: Als Sportler von 35 Jahren sollte er am besten anfangen, nebenbei ein bisschen zu studieren. "Ja, ein bisschen BWL", murmelt Nowitzki als Antwort - und lacht sich später schlapp, Schmidt so frech angelogen zu haben.

Geld spielt keine Rolle

Natürlich wüsste man gerne, wie viel Nowitzki auf dem Konto hat. Er selbst wird das mutmaßlich aber kaum wissen. Denn, so verrät er im Interview, "Geld hat mir nie viel bedeutet." Schon zu Karrierebeginn landeten die Gehaltsschecks ungeöffnet in Bergen von Fanpost. Bis die Mama aus Würzburg angereist kam und sich als Financial Manager darum gekümmert hat. Selbst heute, so gibt sein Vater im Film zu Protokoll, bittet Nowitzki bei Deutschlandbesuchen seine Mutter um Bargeld fürs Tanken. Und sagt im Gespräch: "Ich habe nie versucht, besonders viel anzuhorten, oder groß raushängen lassen, wie viel ich habe. Ich wollte einfach nur sparen, damit meine Familie für den Rest meines Lebens davon gut leben kann. Das ist alles."

Loyalität über alles

Nowitzki hält nicht nur seinem alten Trainer Geschwindner und seiner Familie (Schwester Silke kümmert sich bis heute um Presseangelegenheiten) die Treue. Sondern auch seinem Verein. In seinen 15 Jahren in der NBA hat er nie irgendwo anders gespielt als bei den Dallas Mavericks. Und es ist nicht so, dass es nicht ausreichend Angebote gegeben hätte. Die sogar deutlich das Gehalt erhöhen wollten. Doch um Geld geht es ihm - siehe oben - ja nicht. Im Gegenteil verzichtet er sogar in Dallas schon mal auf Lohnerhöhungen, wenn der Teamchef dafür neue Spieler zur Stärkung des Teams einkaufen kann.

Ruhestand, was ist das?

Mit mittlerweile 36 Jahren kann man als Profisportler schon mal ans Aufhören denken. Zumal, denn die körperlichen Beschwerden nicht unbedingt weniger werden und man - wie Nowitzki - eigentlich alles erreicht hat, was es in der Sportart zu erreichen gibt. Er allerdings hat gerade erst einen neuen Dreijahresvertrag in Dallas unterschrieben. "Ich spüre, dass ich noch ein paar Jahre auf hohem Level spielen kann", sagt er mit Blick auf die Zukunft. Und schiebt hinsichtlich eines möglichen zweiten NBA-Titels hinterher: "Bei Bayern München hört ja auch nicht jeder auf, wenn sie mal Meister geworden sind. Dieses Gefühl will man einfach immer wieder erreichen. Dieses Kribbeln, die Aufregung in der ganzen Stadt - das war schon unglaublich, und dem will ich auf jeden Fall noch einmal hinterherjagen."