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"Inside Wikileaks"-Darsteller: Cumberbatch, Superstar für Anspruchsvolle

Als "Sherlock" hat er alle wuschig gemacht, als Khan in "Star Trek" imponiert, und nun zeigt Benedict Cumberbatch als Julian Assange, dass wir einen Chamäleon-Oscar brauchen.

Von Cornelia Fuchs und Sophie Albers

Sherlock" war nur der Anfang. Als Benedict Cumberbatch mit der brutal entstaubten und angespitzten Fassung des Meisterdetektivs vor drei Jahren den Karrieredurchbruch erlebte, wurde seine Darstellung des brillant-arroganten, sozial gestörten, aber durchaus charmanten Denkers gern mit einem einer anderen sphinxhaften Figur höchsten Scharfsinns verglichen: der des Wikileaks-Gründer Julian Assange. Da ist es doch nur konsequent, dass Cumberbatch den weißhaarigen Informations-Revoluzzer in "Inside Wikileaks - Die fünfte Gewalt" nun tatsächlich auch spielen darf. Und er tut es - wie immer - bravourös. Die Zeiten, in denen der Mann mit den sinnlichen Lippen und dem Blick eines leicht verschreckten Erdmännchens in obskuren Nebenrollen brillierte, sind ein für alle Mal vorbei.

Deshalb kann Benedict Cumberbatch künftig auch nicht mehr ungestört Schwimmen gehen in den öffentlichen Badeseen in Londons Park Hampstead Heath. Er müsse nun leider seine Privatsphäre schützen, sagt der 37-Jährige, und das sei für ihn, einen offenen, freundlichen Typen, eine blöde Situation, über die er sich aber nicht beschweren will, denn das seien "High-Class-Probleme". "Wenn du berühmt wirst, ist das eine sehr steile Lernkurve." Das Wichtige sei zu begreifen, "dass das Leben kurz ist, dass du die, die du liebst, schützen musst, dass du dich selbst nicht zu sehr dem Irrsin aussetzt oder narzistischen Gedanken und dass du einfach weitermachst", verriet er im "Reddit"-Q&A.

Verknautschtes Sex-Appeal und vornehme Undurchsichtigkeit

Nach anfänglicher Skepsis bei Studios und Produzenten scheint Cumberbatch in Hollywood nun die seit Jahrzehnten bestehende Planstelle des etwas seltsamen Engländers zu übernehmen und sich in die Reihe von Hugh Grant und Colin Firth zu gesellen. Dabei hilft seine Mischung aus verknautschtem Sex-Appeal und vornehmer Undurchsichtigkeit, geformt irgendwo zwischen Internats-Schlafsälen und langen Pub-Nächten. Solche Schauspielergewächse gedeihen exklusiv auf den britischen Inseln.

Als Junge besuchte er das Internat Harrow im Norden Londons, mindestens so elitär wie Eton, die Schule der Prinzen. In Harrow wurde Churchill ausgebildet, Lord Byron und James Blunt. Ein Schuljahr kostet so viel wie das Jahresgehalt eines Polizeioberwachtmeisters. Sein in britischen Ohren vornehm-klingender Name mag geholfen haben, dass er sich hier, zwischen den Söhnen der Reichen und Mächtigen, so wohlgefühlt hat. "Er klingt wie ein Furz in der Badewanne", sagt allerdings Cumberbatch selbst über Cumberbatch. Seine Eltern sind Fernseh-Schauspieler mit heute noch stark schwankenden Einnahmen. Das Schulgeld zahlte die Großmutter, Tochter eines altehrwürdigen Teeplantagen-Besitzers.

Wo er herkommt

In Harrow lernte er das erste Element englischer Schauspielkunst: Flirten mit Anzeichen leichter Panik. Seine Pubertät hat er ohne Mädchen in der Jungs-Schule verbracht und den Umgang mit dem fremden Geschlecht scheint er sich irgendwo zwischen Jane Austens Mister Darcy und James Bond angelesen zu haben. Ein perfektes Date beschreibt er heute als "nettes Abendessen mit guten Gesprächen", bei dem er sich "wie ein Gentleman benimmt und sicher stellt, dass sich meine Verabredung glücklich fühlen kann". Das zweite Element englischen Theater-Könnens lernte er beim Schauspiel-Studium im prosaischen Manchester: "Ich wollte der Gefahr entgehen, mir irgendwann Kaschmir-Pullover um den Hals zu wickeln." Und so beherrscht er nun auch die Körpersprache junger Engländer: allzeit bereit zu einer Kneipen-Prügelei.

In Manchester traf Cumberbatch auch seine langjährige Partnerin: Schauspielkollegin Olivia Poulet. Beide begannen Karrieren zwischen Londoner Theaterbühnen und kleinen Filmrollen. 2011 trennten sie sich allerdings nach einer mehr als zehnjährigen Beziehung. Cumberbatch hatte sich bis dahin mit Olivia eine Wohnung im Norden Londons geteilt. Hier kauft Gwyneth Paltrow biologischen Kokosnuss-Saft ein, und Kate Moss lebt auf der anderen Seite des Parks Hampstead Heath in der Nähe von Jude Law und dem Grab von Karl Marx. Es ist das Viertel der Müsli-Bourgeoisie, perfekt für Kleinfamilien - Cumberbatch hat oft betont, wie gern er Vater werden würde. Über das Ende seiner Beziehung hat er nur angedeutet, dass die Arbeitsbelastung nicht geholfen habe.

Jahrelang galt Cumberbatch in England als große Nachwuchshoffnung. Die hat sich nun mehr als erfüllt. Seine Darstellung eigenwilliger Genies hat ihn spätestens mit Julian Assange zum internationalen Star gemacht. Er, der nie ein Star sein wollte, ziert nun den Titel des "Time"-Magazins.

Viel Zeit daheim bleibt ihm nicht mehr. Mit seinen Freunden, der Cumbergang (unter anderem Tom Hiddleston), trifft er sich im Künstler-Privatclub Black‘s in Soho, dem Stammlokal für Denker und Träumer. Ansonsten braust Cumberbatch mit Motorrad, Helm und Neonweste durch London und versucht, dem Ruhm zu entkommen: "Ich weiß, wo ich herkome und was ich wieder sein werde, wenn diese verrückte Episode meines Lebens vorbei ist."

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