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"Kebab Connection": Schöner dönern

Der junge Türke Ibo träumt von einer Karriere als Filmregisseur. Doch statt cooler Kung Fu-Abenteuer dreht er billige Werbefilme über die Imbissbude seines Onkels Ahmet.

Döner haben Konjunktur in Deutschland. Während die gefüllten Weißbrotfladen schon längst in vieler Munde sind, dürfte das demnächst auch für "Kebab Connection" gelten. Die lustig-hintergründige Kinokomödie vor der multikulturellen Kulisse des Hamburger Schanzenviertels hat schon für sich das Zeug zum Kassenschlager. Im Sog der derzeit so beliebten Aufarbeitung türkisch-deutscher Lebensarten könnte der Film gar zum Kult werden.

"Kebab Connection" bewegt sich zwischen dem tiefen Ernst des Berlinale-Siegers "Gegen die Wand" und der tumben Blödelei von Streifen Marke "Erkan & Stefan". Die Geschichte ist schnell erzählt: Ibo ist Türke in Hamburg und will unbedingt den ersten deutschen Kung-Fu-Film drehen. Er beginnt mit einem Werbespot für den Dönerladen seines Onkels und wird zum Star des Viertels. Die Karriere könnte losgehen, wäre da nicht Ibos Freundin Titzi, die mit ihrer überraschenden Schwangerschaft alles durcheinander bringt.

Die Story gewinnt durch das furiose Erzähltempo des Films und die Vielfalt der Charaktere. Schon der Einstieg mit seiner martialischen Kung-Fu-Szene ist grandios gut gelungen, der Münchner Regisseur Anno Saul ("Grüne Wüste") sorgt dafür, dass es schwungvoll weitergeht.

Lebenskünstler mit Vaterfreuden

Denis Moschitto als Ibo läuft nicht, er brettert mit seinem Skateboard durch die Straßen. Sein Mundwerk steht ebenfalls kaum still, sprachlos ist der Lebenskünstler erst, als ihm seine Freundin Vaterfreuden avisiert. Titzi wird von der MTV-Moderatorin Nora Tschirner dargestellt, die bereits in "Soloalbum" überzeugte. Mit "Kebab Connection" spielt sie sich als selbstbewusste Schauspielschülerin und werdende Mutter in die erste Garde der neuen deutschen Film-Generation.

Selbst die berühmte Treppenszene aus Eisensteins "Panzerkreuzer Potemkin" fehlt nicht, hier allerdings fliegt das Baby aus dem Kinderwagen hoch durch die Luft. Wie es überhaupt die vielen kleinen filmischen Seitenhiebe sind, die den Film noch spaßiger werden lassen.

Grundidee von Fatih Akin

So ist auch "Gegen die Wand"-Star Sibel Kekilli dabei, die allerdings mimt in ihrer Nebenrolle eine Italienerin und wird filmisch mit einem alten Weggefährten liiert: Adam Bousdoukos spielte ebenfalls bei "Gegen die Wand" mit, und beide Namen führen direkt zu Regisseur Fatih Akin. Der lieferte die Grundidee für den Film und arbeitete als Drehbuchautor mit. Folgt man den Angaben der Produktionsfirma, dann ist das Endprodukt jedoch vor allem das Ergebnis der Drehbucharbeit von Ruth Toma.

Dass der Film krampfhaft als Culture-Clash-Komödie angepriesen wird und im Presseheft von einer Betrachtung der Subkulturen geschrieben wird, ist - um im Kontext zu bleiben - voll krasses Zeug und der offenbar sehr erfolgreichen Beschaffung von Filmfördergeldern geschuldet. Auch der bemühte Querverweis auf "Romeo und Julia" sowie die für dieses Genre scheinbar unvermeidliche Kifferszene sind geschenkt. "Kebab Connection" macht schlichtweg Spaß - und Hunger. Nach der Pressevorführung jedenfalls strebten viele Zuschauer schnurstracks zur nächsten Dönerbude.

Stefan Lange/AP / AP