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"Könige der Wellen": Wellenreiter im Frack

Keine Frage, Pinguine sind auf den Kinoleinwänden schwer in Mode: Sie brechen aus dem Zoo aus, reisen, steppen - und jetzt entdecken sie auch das Surfen für sich. Der Trickfilm "Könige der Wellen" bedient sich bewährter Motive, überzeugt aber durch seine detailverliebte Machart.

Schwarz-weiß ist nicht nur in der aktuellen Herbstmode angesagt, sondern auch im Kino. Es begann mit dem Trickfilm "Madagaskar", in dem eine smarte Pinguin-Bande zu heimlichen Stars wurden, setzte sich fort mit einem Oscar für das Dokumentarfilmepos "Die Reise der Pinguine" und schien mit dem Trickfilm-Oscar für die steppenden Pinguine in "Happy Feet" endgültig ausgereizt. Nicht nur die despektierliche Bezeichnung eines Intellektuellen für Hardcore-Musliminnen im schwarzen Gespensterlook zeigt jedoch, dass das Thema weiterhin in der Luft liegt.

Bekannte Geschichte mit überraschendem Ende

So darf in dem am 13. September anlaufenden Surfer-Trickfilm "Könige der Wellen" noch absurder gemenschelt werden. Hautnah wird darin das Schicksal des vaterlosen Jungpinguins Cody, eines frustrierten Fisch-Werfers aus dem antarktischen Buenos Eisig, verfolgt. Durch seine Surf-Leidenschaft ist Cody in seinem Kleine-Pinguine-Milieu zum Außenseiter geworden. Doch als ein gestresster Küstenvogel auftaucht, der im Auftrag des prominenten Surf-Promoters Reggie neue Talente sucht, ergreift Cody seine Chance. Per Wal-Anhalter gelangt er ins tropische Pin Gu Eiland, wo ein "Memorial Cup" zu Ehren von Codys großem Idol, Starsurfer Big Z, stattfindet.

Anders als es die Legende will, ruht Big Z jedoch nicht im nassen Grab, sondern hat sich klammheimlich in den Dschungel zurückgezogen. Das entdeckt Cody, als er nach einem Unfall von Sanitäter-Pinguin Lani zu ihrem Onkel gebracht wird, der sich als Big Z entpuppt. Cody kann den zauseligen Eremiten wieder dazu bewegen, auf die Bretter zu steigen, und Big Z bringt dem ungeduldigen Grünschnabel das Zen des Surfens bei. Die Lektionen, die der Jungspund und sein Ersatzvater lernen müssen, erinnern bis zum überraschenden Schluss an den Trickfilm "Cars": so kommen neben der Identität stiftenden Vater-Sohn-Beziehung die üblichen "Sei du selbst!"-Botschaften zu ihrem Recht.

Das Zen des Surfens

Innerhalb dieser formelhaften Rahmenhandlung jedoch durften die Filmemacher, alte Hasen im Computeranimationsgenre scheinbar ungehindert ihrer Fantasie freien Lauf lassen. So wird der Pinguin-Humbug im lockeren Zickzack-Stil einer Reality-Reportage geschildert, glänzt mit witzigen Dialogen und ist bis ins Detail der spaßbetonten kalifornischen Surfer-Subkultur nachempfunden. Pinguine werden von einer vermeintlichen Wackelkamera verfolgt, braunstichige Fotos geben einen Abriss der Surfer-Saga, und per "Replay"-Taste wird ständig Codys schmachvoller Unfall im Wettsurfen mit dem arroganten Surfer-Rambo Tank wiederholt.

Die Anbiederung an verschiedene Zielgruppen wirkt zwar oft penetrant, wie etwa die Episoden um einen hyperaktiven Surfer-Gockel zeigen. Vor allem Erwachsene aber werden ihren Spaß haben an vielen beiläufigen Hinguckern wie etwa monumentale Pinguinstatuen á la Osterinsel, Codys wuschelige Augenbrauen, die an Ex-Finanzminister Theo Waigel erinnern, oder putzige Pinguin-Küken, die knopfäugig ihre Kommentare in die "Kamera" stammeln. Die weidlich ausgemalte Surfer-Romantik an Traumstränden ist überdies eine Augenweide, und wenn die Pinguine durch psychedelisch rotierende Wellentunnel sausen, läuft die Computeranimation zur Hochform auf.

So ist auch dieser schwarz-weiße Nachschlag einen Blick wert, auch wenn es allmählich Zeit wird für einen neuen Sympathieträger aus dem einst ewigen Eis. Wir warten darauf, dass es auch Eisbär Knut in die Tropen zieht.

Birgit Roschy/AP / AP
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