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"Spieglein, Spieglein" neu im Kino: Das doppelte Schneewittchen

Gleich zwei "Schneewittchen"-Verfilmungen buhlen in diesem Jahr um Zuschauer. Den Anfang macht "Spieglein Spieglein" mit Julia Roberts und Lily Collins.

Hollywood entdeckt den Märchenfilm neu. Gleich zwei aufwendige "Schneewittchen"-Verfilmungen frei nach den Gebrüdern Grimm machen sich in diesem Frühjahr gegenseitig Konkurrenz: Am 5. April startet "Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen" mit Phil Collins' Tochter Lily als Schneewittchen und US-Superstar Julia Roberts als böser Königin in den Kinos. Am 31. Mai folgt "Snow White and the Huntsman". In dieser ziemlich düsteren Version treten "Twilight"-Star Kristen Stewart als kampflustiges Schneewittchen und Hollywoodschönheit Charlize Theron als ihre Widersacherin auf.

Mit "Spieglein Spieglein" bietet Regisseur Tarsem Singh ("The Cell", "Krieg der Götter") ein elegant durchgestyltes Märchen: sorgsam komponierte Bilder, fantasievolle Kostüme und genau choreographierte Auftritte der einzelnen Figuren. Damit das nicht langweilig wird, setzt Singh auf einen durchweg ironischen Unterton, den vor allem Roberts als abgeschlagene Schönheitskönigin im Märchenreich perfekt beherrscht. Ihr Spieglein soll ihr endlich wieder sagen, dass sie die Schönste im Königreich ist. Deshalb muss das schöne, junge Schneewittchen weg - der vergiftete Apfel wartet schon.

So richtig fies und gemein ist Julia Roberts' Königin aber nie. Mit ihren strahlenden Augen und dem vielleicht berühmtesten Lächeln der Filmwelt - das noch durch die absurdesten Grimassen durchschimmert - kann die 44-Jährige einfach nicht das pure Böse verkörpern. Einfach schön und schauspielerisch auch durchaus begabt ist das Schneewittchen Lily Collins ("Blind Side - Die große Chance"), die Tochter des britischen Popsängers Phil Collins. Die 23-Jährige schlägt sich als neues WG-Mitglied bei den sieben Zwergen ganz prima - bis der blauäugige Prinz (herrlich komisch: Armie Hammer) auftaucht.

Schneewittchen für Erwachsene kommt erst noch

Die eigentlichen Sympathieträger der Geschichte sind aber die berühmten sieben Zwerge. Als Riesen getarnt treiben sie auf Stelzen wankend im finsteren Märchenwald ihr Unwesen und rauben Reisende aus. Das kann Schneewittchen natürlich nicht gutheißen. Obwohl sie die Kampfkünste, die ihr die rüden Zwerglein beibringen, später gut gebrauchen kann. Überhaupt hält sich "Spieglein Spieglein" nur wage an die Grimm'sche Story. Ein bisschen dämonischere Bösewichte und etwas frechere Gutmenschen hätten dem Film gut getan - übrig bleibt so eine ziemlich glatte Oberfläche, an der allerdings auch jede Kritik abperlt.

In knapp zwei Monaten folgt dann der zweite Schneewittchen-Film in den Kinos: "Snow White and the Huntsman" von Rupert Sanders, eine deutlich härtere, dunklere Fassung der Geschichte mit vielen Actionszenen und Fantasyelementen, wie die ersten Trailer erahnen lassen. Das könnte dann die Erwachsenen-Version des Märchens werden.

Von Elke Vogel, DPA / DPA