"Tornado - der Zorn des Himmels" Katastrophe bringt verlässliche Quote


Die Reihe verfilmter Katastrophen geht in die nächste Runde. Nach TV-Events wie "Dresden" und "Die Sturmflut" pustet in Nico Hofmanns neuem, zweiteiligem Streich ein Tornado die deutsche Hauptstadt weg.

Ein fürchterliches Szenario bedroht Berlin: Ein mörderischer Wirbelsturm geht aufs Brandenburger Tor nieder. "Archaische Bilder", sagt Nico Hofmann, Geschäftsführer der in der Hauptstadt ansässigen Filmproduktionsfirma teamworx und Vater katastrophenstarker TV-Ereignisse wie "Die Sturmflut" oder "Dresden". Hofmann verknüpft gern Horrorbilder mit privaten Schicksalen, die für den Betrachter die Katastrophe erst nachvollziehbar machen. Sein neuestes Produkt ist der für ProSieben produzierte Thriller-Zweiteiler "Tornado - der Zorn des Himmels".

Alles fängt hübsch idyllisch an, mit allerlei mehr amüsanten Privat-Kleinkriegen zwischen Menschen in einem bullenheißen Jahrhundertsommer. Nur Meteorologe Jan (Matthias Koeberlin), eben aus den USA zurück und Tornado-erfahren, hebt witternd den Kopf und sagt: "Hier droht bei einbrechender Kaltfront ein mörderischer Wirbelsturm." Aber wer glaubt schon dem Rufer in der Wüste? Nicht einmal der Vater, selbst Meteorologe, einer von der stur bürokratischen Sorte. Schon bricht der Wirbelsturm übers sommerlich friedliche Berlin herein, und die Kleinkriege - Vater kann pubertierende Tochter nicht bändigen, Mann steht zwischen Ex und neuer Gefährtin - sind bald vergessen in der allgemeinen Katastrophe.

Hauptdarsteller wurde digital erzeugt

"Es war schon ganz lustig, auf nackte Wände zu starren und dabei Höllenangst zu mimen", erinnert sich Jan-Darsteller Matthias Koeberlin an die Aufnahmen im letzten Herbst. Denn der eigentliche Hauptdarsteller, der Tornado, wurde digital erzeugt. Mit kleiner Ausnahme: Der Höhepunkt, die Sturmszenen im Restaurant auf dem Fernsehturm, war naturalistisch inszeniert, mit sorgsam im Studio rekonstruierten Bauten. Hatte er Angst vor der Aufgabe? "Nein, nur nicht an mögliche Risiken denken, war mein Prinzip", sagt Regisseur Andreas Linke, nach dem "Jesus-Video" der zweite Film des 35-jährigen Nico-Hofmann-Schülers: "Jetzt hätte ich mal Lust auf ein Kammerspiel mit nur zwei Personen in einem Raum, die nichts als reden."

Lehrmeister Nico Hofmann hält jedoch nicht viel von Minimierung und setzt weiter voll auf "Events", in seinen Augen derzeit "die einzige verlässliche Quotengröße, die wir im Fernsehen noch haben." Und bezahlbar bleibt sie auch: "Unsere "Sturmflut" hatte noch acht Millionen Euro gekostet, das ist bei sozusagen "historischen" Filmen so, wo vieles nachgebaut werden muss. Event-Filme, die in der Gegenwart spielen, sind entschieden kostengünstiger. Der "Tornado" hat keine fünf Millionen Euro gebraucht..."

Positives Event statt Katastrophe?

Für RTL bereitet Nico Hofmann derzeit einen Film über einen Vulkan-Ausbruch in der Eifel vor. Aber ob es nicht einmal auch, statt einer Katastrophe, ein positives Erlebnis als "Event" sein darf? Etwa ein Film über die Fußballweltmeisterschaft? Dazu lacht er nur: "Die haben doch alle selbst miterlebt. Die muss man sich nicht auch noch im Fernsehen als Film anschauen."

"Tornado - der Zorn des Himmels" zeigt ProSieben an diesem Montag und Dienstag jeweils um 20.15 Uhr.

Paul Barz/DPA DPA

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