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Abschied: Karl Moik fällt dem Jugendwahn zum Opfer

In der ARD findet derzeit eine "Verjüngung" statt, der nun auch Karl Moik zum Opfer gefallen ist. Zum Abschied lässt es der allseits beliebte Moderator des "Musikantestadl" aber noch mal richtig krachen.

Der Schluss der Show ist im Programm für 1.15 Uhr vorgesehen. Es handelt sich aber dabei nicht um das Ende irgendeiner Sendung, sondern um den "Silvesterstadl" in der ARD: Nach 25 Jahren wird Moderator Karl Moik seinen Hut nehmen. Der 67-Jährige werde sich, so die ARD, "mit einem musikalischen Feuerwerk" von seinen Anhängern verabschieden. Vergessen scheinen jetzt die Missklänge, die noch im Juni beim Streit zwischen Moik und der ARD zu hören waren, als die ARD ihn gegen seinen Willen aus dem "Musikantenstadl" nahm.

In einem einstündigen Gespräch machten ihm damals der Unterhaltungschef vom Bayerischen Rundfunk (BR), Thomas Jansing, und sein Kollege vom Österreichischen Rundfunk, Edgar Böhm, klar, dass es besser für Moik wäre, nach 25 Jahren Servus zu sagen. Sie boten ihm an, bis März 2006 dabei zu bleiben. Moik wollte aber nicht und kündigte darauf seinen Abgang zum "Silvesterstadl" an. Auch riet er der ARD, den "Musikantenstadl" nicht fortzusetzen, sondern eine völlig neue Show zu entwickeln.

Nachfolger gesucht

Doch so wird es nicht sein. Die beiden Kooperationspartner aus Deutschland und Österreich suchen derzeit nach einem geeigneten Moik-Nachfolger für dasselbe Format. Im März werde darüber verhandelt, sagt eine BR-Sprecherin. Davor werde es keine Entscheidung geben. Ob Shootingstar Florian Silbereisen aus Deutschland oder der Österreicher Marc Pircher - viele Namen wurden bereits gehandelt, aber nichts stehe fest, meinte die Sprecherin.

Fest steht nur, dass "immer wieder die Formate auf Inhalte und Moderatoren" überprüft werden müssten, sagte ARD-Unterhaltungskoordinatorin Verena Kulenkampff bereits vor Monaten. So hatte gerade die ARD in jüngster Zeit immer wieder öffentlich im Clinch mit verdienten Protagonisten gelegen, weil diese aus ihrer Sicht gegen ihr unfreiwilliges Ende protestierten. Bekanntes Beispiel war Max Schautzer. Auch Carolin Reiber grollte, weil das ZDF künftig nach Jahren der Zusammenarbeit nichts mehr von ihr wissen will.

Last Exit Klagenfurth

Moik zündet diesmal seine letzte "Stadlrakete" in Klagenfurt am Wörthersee, der Landeshauptstadt Kärntens. Dazu hat er sich viele altbekannte Stars aus Volksmusik, Schlager, Pop, Comedy, Jazz und Swing eingeladen: Unter anderem dabei sind DJ Ötzi, Semino Rossi, das Nockalm Quintett, der amerikanische Polka-König Jimmy Sturr mit seinem Orchester, Karl Moiks langjähriges Stadl-Faktotum Hias, die Saragossa Band, Jazz Gitti und die Irish Dance Group Arnoldstein.

Kaum jemand hat vor Moik je so viele Zuschauer erreicht wie er: Mehr als 2,3 Milliarden Menschen, so errechnete die ARD, waren es in 25 Jahren "Musikantenstadl" auf allen fünf Kontinenten, die Moik mit seinen Musikanten bereist hat. Der Salzburger gastierte in Peking, in Kapstadt, in Orlando und Toronto/Kanada. Er bereiste eine Woche lang auf dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt die Karibik, er trat in Moskau, Melbourne und Dubai auf. Der "Musikantenstadl" war auch die erste große TV-Show, die 1989 nach dem Mauerfall live aus der ehemaligen DDR (Cottbus) übertragen wurde.

Was Moik von der ARD bleibt, ist ein persönliches Schreiben von BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs: "Mit dem Musikantenstadl haben Sie fast 25 Jahre lang über Kontinente hinweg Menschen einander näher gebracht", heißt es nach BR-Angaben darin. "Für Ihr einzigartig erfolgreiches und so zahlreich preisgekröntes, musikalisch-unterhaltendes Lebenswerk danke ich Ihnen mit großem Respekt und allerherzlichst."

Carsten Rave/DPA