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Andy Serkis: Der sich für uns zum Affen macht

"Planet der Affen - Revolution" ist ein erstaunliches Schaulaufen der Kinotechnik. Und nach Gollum und King Kong ein weiteres Werk des Ausnahme-Schauspielers Andy Serkis.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Interview: Andy Serkis spielt den Oberaffen

Kommen Sie", sagt Andy Serkis und geht mit einem breiten Lächeln in die Knie. Also gehe ich zu ihm und auch in die Knie vor dem riesigen Affengesicht an der Wand, das eigentlich das von Serkis ist, aber auch wieder nicht. So hocke ich mitten drin im Wunder, das dieser Schauspieler im zweiten Teil des "Planet der Affen"-Remakes, "Revolution", vollbracht hat - wie auch schon in "Der Herr der Ringe", wie auch schon in "King Kong" und in "Tim und Struppi" und im Computerspiel "Heavenly Sword". Denn Andy Serkis IST der hyperintelligente Schimpanse Caesar, er IST Gollum, und er IST auch ein tonnenschwerer Riesengorilla. Immer wieder bringt er den Kinozuschauer dazu, sich mit diesen Wesen - egal welcher Größe und Körperbehaarung - zu identifizieren. Das hat bisher kein anderer Kreatueren-Darsteller vor ihm geschafft. Und das Verrückte ist, dass die Filmwelt das erst sehr langsam begreift.

Die Geschichte geht so: 1999 bekam der britische Theater- und Fernsehschauspieler Andy Serkis das Angebot, in einem Film namens "Der Herr der Ringe" einen animierten Charakter zu synchronisieren. "Ich will keine Stimme spielen. Da muss doch auch ein normaler Part zu kriegen sein", sagte Serkis laut "Wired" zu seinem Agenten. Doch es blieb bei Gollum. Zum Glück. Serkis zeigte, wie er sich den Charakter vorstellte - unter anderem mit einem Husten, den er sich bei seiner Katze Ditz abgeguckt hatte - und Peter Jackson änderte seine Pläne. Aus dem rein animierten Charakter sollte ein Mischwesen werden. Die Motion-Capture-Technik sollte zumindest einiges von Serkis ausgefeiltem Spiel einfangen. Motion Capture was?

Das fragte sich auch Serkis, der sich nach dem Außendreh in den kalten Bergen Neuseelands in einem kleinen Studio wiederfand. Er stand in einem schwarzen Einteiler, auf dem kleine Styroporkugeln und reflektierende Streifen klebten, auf einer Bühne. Infrarotkameras nahmen seine so reflektierten Bewegungen auf, und im Computer enstand ein Avatar. Es war ein erster rumpeliger, grauer Gollum. Jackson hielt die Techniker an, auch die Gesichtszüge an die von Serkis anzupassen. Serkis lernte schnell, dass kleinere Bewegungen größeren Effekt hatten - und dass er plötzlich nicht mehr an die menschliche Form gebunden war. "Es war eine Erleuchtung!"

Der wahre Star der "Herr der Ringe"-Filme

Der Rest ist Kinogeschichte: Gollum ist der wahre Star der gefeierten "Herr der Ringe"-Trilogie. Und zusammen mit Jackson setzte Serkis sich daran, die Motion-Capture-Technik zu verbessern. Es folgte "King Kong" und die Frage, ob Serkis auch einen siebeneinhalb Meter großen Gorilla spielen könne. Konnte er. Zur Vorbereitung verschwand er für einige Zeit nach Ruanda, um Berggorillas in Freiheit zu studieren. Beim Dreh hatte Serkis dieses Mal 150 dreidimensionale Marker im Gesicht, um tatsächlich den ganzen Serkis zum Affen zu machen.

Langsam wurden auch andere Filmschaffende auf die neue Technik aufmerksam. James Cameron lud Serkis ein, um "Avatar" zu entwickeln. "Serkis hat anderen Schauspielern den Weg gezeigt. In Filmen wie 'Avatar' kann man sein Vermächtnis sehen, obwohl er nicht mitspielt", zitiert "Wired" den Weta-Regisseur Joe Letteri. "Sein Auftritt als Gollum hat uns überzeugt, dass diese Technik eine neue Form des Schauspiels möglich macht."

Die Zukunft

Nach "King Kong" hat Serkis seine eigene Produktionsfirma gegründet: The Imaginarium. Hier werden nicht nur Filmcharaktere, sondern auch solche für Videospiele zum Leben erweckt. Ein riesiger kreativer Markt. Serkis' eigenes Großprojekt ist die Verfilmung von George Orwells Klassiker "Die Farm der Tiere". Während er in New Orleans "Planet der Affen" drehte, dirigierte er Proben via Skype, berichtet "Wired". Im Studio von Imaginarium soll allerdings nicht nur an der Zukunft der Technik geschraubt werden, Serkis will auch Schauspieler in der neuen Art des Spiels unterrichten. "Wenn man an seinem Avatar arbeitet, ist man Marionette und Puppenspieler zugleich", sagt Serkis und tritt gegen das immer noch verbreitete Vourteil an, dass Motion Capture kein richtiges Schauspiel sei.

Bei all der Arbeit hat der konzentrierte Mann, mit dem ich vor dem Affengesicht knie aber seinen Humor behalten: In "King Kong" ist er auch als "normaler" Schauspieler zu sehen. Er spielt den Schiffskoch. Und dann, auf King Kongs Insel, wenn die Mannschaft sich im mörderischen Dschungel verläuft, wird er gefressen. Von ekeligen CGI-Würmern. Darüber kann er herzlich lachen.

Wir stehen wieder auf und verabschieden uns. Natürlich habe ich gefragt, ob er im neuen "Star Wars" Chewbacca spielen wird. Er hat es lächelnd verneint. Da hilft nur Geduld.