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Interview mit "Planet der Affen"-Star Andy Serkis: "Ich springe zu Hause nicht in den Kronleuchter"

Er ist Hollywoods Verwandlungskünstler: Andy Serkis spielte Gollum und nun Caesar in "Planet der Affen". Im Interview erzählt er, wie es ist, Weltstar zu sein und dennoch unerkannt zu bleiben.

Von Frank Siering, Los Angeles

Als Gollum in "Herr der Ringe" wurde er weltberühmt, auch in "King Kong" war er 2005 mit von der Partie. Jetzt kehrt Andy Serkis als Primat Caesar in "Planet der Affen: Revolution" in die deutschen Kinos zurück. Dass der Schauspieler auch heute noch in Ruhe durch einen Flughafen gehen oder in ein Restaurant spazieren kann, findet er gut. "Ich habe überhaupt kein Problem damit, von den Fans nicht gleich erkannt zu werden", sagt der Mann, der sich als Verwandlungskünstler einen Namen in Hollywood gemacht hat.

Der stern hat Serkis in Los Angeles zum Interview getroffen. Wie ist es, als Weltstar quasi unerkannt zu bleiben? Und was können wir Menschen von Affen lernen?

Herr Serkis, wem stehen Sie näher, den Affen oder den Menschen?

Gute Frage. Nun, als Mensch fühle ich mich meinen Mitmenschen schon näher. Aber ich habe sehr wohl eine Leidenschaft für Primaten, die wohl durch meinen Job enstanden ist.

Sie sind der Mann, den Hollywood ruft, wenn es um Charaktere geht, die wir so bislang noch nie im Kino gesehen haben. Sind Sie so etwas wie die Zukunft Hollywoods?

Andere Kollegen fragen mich oft, warum ich immer wieder Affen spiele. Und ich antworte mit einer Gegenfrage: Warum spielt ihr immer wieder Menschen? Fakt ist, alle Charaktere, ob nun Affen oder Menschen, sind unterschiedlich. Kein Primat ist wie der andere.

Wie geht es bei Ihnen zu Hause zu. Nehmen Sie Ihre Arbeit mit nach Hause?

Sie meinen, ob ich mich wie ein Affe verhalte, wenn ich mit meiner Familie zusammen bin? Nein, das tue ich nicht. Aber ich gebe gerne zu, dass diese Art von Arbeit ziemlich intensiv ist. Ich verbringe sehr viel Zeit in Zoos und in Auffanglagern für Tiere, um dort Primaten zu studieren. Aber zu Hause am Tisch benutze ich dann doch Gabel und Messer. Ich springe nicht in den Kronleuchter oder schäle Bananen mit den Zähnen.

Sie spielen im neuen "Planet der Affen"-Film den Anführer. Sind Sie das auch im richtigen Leben?

In erster Linie bin ich ein Vater. Ich habe drei Kinder und spüre die volle Verantwortung, die mir im Nacken sitzt. Würde ich, wie Caesar, eine Gruppe anführen, dann wäre ich wohl ein ähnlicher Typ.

Was können wir Menschen von Tieren lernen?

Sehr viel. Vor allem, dass es sehr wichtig ist, für den anderen da zu sein. Primaten bilden eine großartige soziale Einheit. Menschen können das nicht so gut. Wir haben die Tendenz, uns gegenseitig zerstören zu wollen.

Würden Sie gern in einem möglichen neuen Leben als Affe zurückkehren?

Sollte ich tatsächlich wiedergeboren werden, dann kann ich zumindest behaupten, dass ich als Affe schon genug Übung habe. Aber ob Sie es glauben oder nicht, ich fühle mich als Mensch eigentlich recht wohl.

Was mögen Sie an Ihrem Job ganz besonders?

Ich liebe es, mich zu verwandeln. Es ist ein unglaublich befreiendes Gefühl, es gibt in dem Moment keine Grenzen für mich. Mein Geschlecht, meine Hautfarbe, mein sozialer Hintergrund, all das spielt keine Rolle mehr, wenn ich vor der Kamera stehe.