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Berlinale-Gewinner 2011: Bären nach Iran

Wenn Jafar Panahi nicht nach Berlin kommt, kommt der Bär eben nach Iran. Sieger der 61. Berlinale ist das iranische Drama "Nader und Simin - A Separation". Und Moderatorin Anke Engelke hatte offensichtlich keine Lust.

Von Sophie Albers

Selten waren sich Berlinale-Jury und -Kritiker so einig: Gewinner der Preisverleihung der 61. Berlinale ist das iranische Beziehungsdrama "Nader and Simin - A Separation": Es gab den Goldenen Bären für den besten Film, den Silbernen Bären für das weibliche Ensemble, sowie den Silbernen Bären für das männliche Ensemble. Der Film erzählt die Geschichte einer Ehe, die zerbricht, weil die Familie für ein besseres Leben das Land verlassen will, der Mann sich aber plötzlich weigert.

"Das ist eine gute Gelegenheit, um an die Menschen in meinem Land zu denken, wo ich all die Geschichten gelernt habe", sagte Regisseur Asghar Farhadi in seiner Dankesrede. Das iranische Volk sei "ein großes Volk, ein geduldiges Volk, und ich hoffe, dass Jafar Panahi bald hier stehen kann."

Die Berlinale gilt als das politischste unter den großen Filmfestivals der Welt, und diese Preisverleihung hat ein Ausrufezeichen dahinter gesetzt. Vor der Vergabe der Bären hatte Festivalchef Dieter Kosslick den leeren Stuhl des im Iran inhaftierten Juroren Jafar Panahi auf die Bühne gestellt. Panahi wisse um die Aufmerksamkeit, die ihm auf dem Filmfest zuteil wurde, so Kosslick. Und der Filmemacher ließ ausrichten, dass er nun wisse, dass kein Künstler auf der Welt einsam ist, wenn er zu dieser Familie gehört. "Das ist zwar nicht viel, was wir machen können", sagte ein bewegter Kosslick, "aber viel für ihn".

Unangenehme Anke Engelke

Schade nur, dass Kosslicks Komoderatorin Anke Engelke (im Space-Sekretärinnen-Outfit) so lust- und respektlos durch den Abend führte. Angefangen mit dem pakistanischen Akzent im Englisch, der witzig sein sollte, als sie ein Wort nicht aussprechen konnte, der jedoch wie eine Veräppelung des tatsächlichen Akzents von Juror Amir Khan wirkte; bis zur Klamauk-Heulmine nach der Dankesrede der Gewinner für den besten Erstlingsfilm ("On the Ice"); oder ihr Hinweis, dass Jury-Präsidentin Isabella Rosselini "die Frau mit den Tierpornos" sei, also eigentlich wenig Interesse an langsamen, actionlosen Filmen habe, die aber im Wettbewerb auch zu sehen gewesen seien. Das können Sie hoffentlich besser, Frau Engelke.

Der Große Preis der Jury ging an den stilistisch strengen "The Turin Horse" (einer dieser besagten langsamen Filme) von Regisseur Bela Tarr. Über den Alfred-Bauer-Preis freute sich der deutsche Regisseur Andres Veiel für sein RAF-Drama "Wer wenn nicht wir".

Der Silberne Bär für die beste Regie ging an Ulrich Köhler für "Schlafkrankheit", ein Film über Aufbauhilfe in Afrika, der bei den Kritikern für sehr geteilte Meinungen gesorgt hat. Und der letzte Silberne Bär an der Bären-Abwurfstelle (die Verleihung war fünf Minuten zu früh zu Ende, ein Rekord) ging schließlich für das beste Drehbuch an das Albanien-Drama "The Forgiveness of Blood" von Joshua Marston.

Ernste Angelegenheit

Themenbedingt alles in allem eine ernste Angelegenheit die Preisvergabe der 61. Berlinale. Aber ein wunderbarer Goldener Bär, der endlich einmal das Kinovolk eint und der zumindest laut und deutlich Solidarität bekundet.

Einer der Schauspieler aus "Nader and Simin - A Separation" zitierte in seinen Dankesworten einen italienischen Denker: "In schlimmen Zeiten muss der Künstler seine Arbeit so gut wie nur irgendmöglich machen."

Die Berlinale hat schon aufregendere Wettbewerbe gesehen, aber selten wurde das Kinovolk mit solch vereint gutem Gefühl in den Abend entlassen.