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Interview Reden wir über Falten, Frau Pfeiffer


Auch an Hollywoods Schönheitsköniginnen nagt der Zahn der Zeit. Neben Botox, Skalpell und guten Genen hilft angeblich auch die richtige Einstellung, um damit fertig zu werden. stern.de hat Michelle Pfeiffer nach ihren Falten gefragt.
Von Sophie Albers

Ein Hotelzimmer, eine zierliche Frau rennt aufs Klo. Halb in der Tür sagt sie freundlich: "Kommen Sie rein, ich muss mir eben noch die Nase putzen". Es ist Michelle Pfeiffer, bodenständige Mutter von zwei Teenagern und glückliche Ehefrau. Eine Minute später kommt sie in den Raum, auf abenteuerlich hohen Absätzen, lächelt leise, streicht das schwarze Etui-Kleid glatt, setzt sich katzenelegant an den Tisch und wartet auf Fragen. Auch das ist Michelle Pfeiffer, Hollywoodstar von gefeierter Schönheit, Leinwandikone in Filmen wie "Scarface" (1983), "Der Tag des Falken" (1985), "Gefährliche Liebschaften" (1988), "Die fabelhaften Bakerboys" (1989), "Batmans Rückkehr" (1992), "Zeit der Unschuld" (1993), "Tage wie dieser" (1996), "Hairspray" (2006), "Der Sternwanderer" (2007).

Und sie ist noch etwas: 50 Jahre alt. Wenn man so ganz nah bei ihr sitzt und in dem fein gezeichneten Gesicht mit den durchdringenden Augen, den hohen Wangenknochen und den aufgeworfenen Lippen nach Zeichen der Zeit sucht, findet man sogar ein paar. Wenige.

Und die hat Pfeiffer genutzt. Die Schauspielerin ist auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin, um einen Film über eine ältere Frau mit einem halb so alten Liebhaber zu präsentieren. "Chéri" von Stephen Frears sucht immer wieder nach den Spuren des Alterns, die es den Menschen dieser Geschichte unmöglich machen, einfach glücklich zu sein. Der perfekte Anlass, um die schöne Frau mal nach Falten und Angst vor dem Altern zu fragen.

Frau Pfeiffer, wann haben Sie das erste Mal bemerkt, dass Sie altern, ist Ihnen eine Falte oder ein Schatten aufgefallen, der neu war und nicht wieder wegging.

Wir haben Filmfotos durchgeguckt - und das ist wirklich nicht normal! Die hängen da mit einer Lupe über deinem Gesicht. Ich muss so Anfang 30 gewesen sein. Und da bemerkte ich plötzlich, dass das Mädchenhafte aus meinem Gesicht verschwindet. Ich meine jetzt gar nicht Falten, aber das Mädchen war weg. (Pause) Ein bisschen spät vielleicht (fängt herzhaft an zu lachen).

Hat Sie das geängstigt?

Es hat mich genervt.

Sie habe mal gesagt, das Brutale am Schauspielerdasein sei auch, dass der Alterungsprozess so lückenlos dokumentiert wird.

Ja, das hört sich nach mir an. Ich glaube, ich habe gesagt: Es ist nicht natürlich für einen Menschen, seinen Alterungsprozess so gut dokumentiert zu sehen und das auch noch mit der Welt zu teilen.

Und wie werden Sie damit fertig?

Das Tolle daran, 50 zu werden, ist, dass man sich darüber nicht mehr so aufregt. Ich meine, wenn du nicht mal mit 50 ein bisschen alt aussehen darfst... (kichert und wird dann wieder ernst). Ich mache das selbe durch wie alle anderen Frauen auch. Es ist für niemanden einfach. Egal wer und wo. Und ich glaube sogar, dass es auch für Männer immer härter wird.

Dabei heißt es doch, es falle Frauen heute leichter zu altern als zum Beispiel vor 20 Jahren.

Absolut. Man hat mir gesagt, 50 sei die neue 30. Verbreiten Sie das bitte. (lacht)

Ist Altern ein Thema, das Sie auch so beschäftigt oder nur, wenn man Sie danach fragt?

Eigentlich nicht so wirklich. Aber ich muss zugeben, dass ich es zu meinem 50. Geburtstag das erste Mal mal richtig gemerkt habe. 30 war mir egal, 40 auch, aber die 50 war schwierig zu ignorieren.

Wie haben Sie denn gefeiert?

Ich habe gerade in Paris "Chéri" gedreht und bis halb neun abends gearbeitet. Dann kamen meine Schwester, mein Mann und meine Schwägerin, wir waren essen, und das war's auch schon, weil ich morgens um fünf wieder raus musste.

Das hört sich jetzt nicht so dramatisch an.

Die Wahrheit ist doch, dass man in meinem Alter erlebt, dass Menschen, die man liebt, sterben, dass Menschen, die man liebt, schwer krank werden und ihre Lebensqualität fast verloren geht. Da bist du dankbar, für das, was du hast. Du begreifst, wie gut es dir geht. Das hat es für mich bedeutet, 50 zu werden.

Wie sieht es mit den Rollenangeboten für eine Frau Ihres Alters denn nun tatsächlich aus?

Ich wundere mich manchmal selbst über die Angebote, die immer noch kommen. Und auch über die Bandbreite an Rollen.

Sie sind aber berühmt dafür, meist abzusagen.

Ja, mein Agent nennt mich Dr. No. (lacht) Und je älter ich werde, desto schlimmer wird es. Vielleicht weil ich jetzt Familie habe.

Aber wenn Sie eine Rolle annehmen, gehen Sie die Sache dann entspannter an?

Ich bin mutiger. Ich mache sicher auch mehr Fehler, aber ich habe auch mehr Spaß. Ich sehe es nicht mehr so verbissen. Ich entdecke die Dinge, anstatt sie kontrollieren zu wollen.

Könnten Sie sich eigentlich in einen viel jüngeren Mann verlieben?

Nein, denn ich bin wahnsinnig in meinen Mann verliebt.

Können Sie es sich nicht mal vorstellen?

Wissen Sie, es stimmt, dass man sich so etwas nicht einmal vorstellen kann, wenn man wirklich verliebt ist.


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