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Eva Pflug: "Ich war nie 'ne Emanze"

Blond, attraktiv und selbstbewußt. Auf dem Raumschiff Orion wurde Eva Pflug alias Tamara Jagellovsk zum Idol für eine ganze Generation von Frauen. Sonnabend wird Pflug 75 Jahre alt.

Für Eva Pflug war die Kult-Serie "Raumschiff Orion" Fluch und Segen zugleich. Millionen von Zuschauern fieberten mit ihr, wenn sie als attraktive, selbstbewusste Agentin durch die galaktischen Weiten düste. Vor allem für junge Frauen war sie mit ihrem blonden Pagenkopf ein Idol. Da hatte selbst "Commander" Dietmar Schönherr so manches Mal das Nachsehen. Als kühle Agentin Tamara Jagellovsk wurde sie berühmt - doch ihre TV-Karriere ging anschließend "den Bach runter", wie die Darstellerin sagt. An diesem Sonnabend feiert sie ihren 75. Geburtstag.

Die Schubkraft der 60er Jahre zündete auf der Leinwand nur mäßig

"Die Männer hatten Angst vor emanzipierten Frauen", sagte Eva Pflug sie anlässlich der Filmpremiere von "Raumschiff Orion" vor einem Jahr. In den männlichen Besetzungsbüros wurde das aber offenbar nicht gerne gesehen. "Dabei war ich nie so ’ne Emanze wie in der Serie", so Pflug. In dem in Musik und Schnitt aufgepeppten "Producers Cut" ging die legendäre Orion-Crew in ihrem Raumkreuzer noch einmal auf Patrouillendienst. Doch die Schubkraft der 60er Jahre zündete auf der Leinwand nur mäßig, der Film hatte nur rund 40.000 Zuschauer. "Der naive Charme der Serie verblasst im Kino", meinte ein "Orion"-Fan bei der Premiere.

Ihre Bühnenlaufbahn begann die heute in Grünwald bei München wohnende Schauspielerin 1947 in ihrer Heimatstadt Leipzig. Es folgten Engagements in München, Köln, Frankfurt/Main und Berlin sowie bei Festspielen in Heppenheim, Jagsthausen und Ettlingen. In ihrer knapp 60-jährigen Theaterkarriere spielte Eva Pflug unter anderem das Gretchen in Goethes "Faust" und die Martha in Kleists "Der zerbrochene Krug". Für ihre Rolle in Brechts "Mutter Courage" bekam sie 1986 den Großen Preis von Bad Hersfeld. Außerdem glänzte sie in Shaws "Die heilige Johanna", in Shakespeares "Was ihr wollt" und "Ein Sommernachtstraum".

Zwischen 1980 und 1985 stand sie rund 700 Mal in Boulevard-Komödien auf den Bühnenbrettern, die sie meist den Fernsehkameras vorzog. Darüber hinaus saß sie häufig im Synchronstudio, unter anderem als deutsche Stimme von Julie Christie, Ursula Andress und Stephanie Forrester in der Serie "Reich und Schön".

Ein Wiedersehen an der Seite von Dietmar Schönherr können die Fernsehzuschauer am 7. November erleben: Nach 38 Jahren steht das Orion-Duo in der "Tatort"-Folge "Nicht jugendfrei" des Bayerischen Rundfunks erstmals wieder vor der Kamera. Zusammen mit Horst Sachtleben spielen die beiden ein Rentner-Trio mit reichlich krimineller Energie.

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