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Tod mit 38 Jahren Der Schauspieler mit dem traurigen Blick – vor 10 Jahren starb Frank Giering

Frank Giering
Frank Giering ist am 23. Juni 2010 gestorben.
© Columbia Tristar/Courtesy Evere/ / Picture Alliance
Seinen Durchbruch feierte er mit dem Jugendfilm "Absolute Giganten". Viel häufiger jedoch musste Frank Giering in TV-Krimis Psychopathen darstellen. Vor zehn Jahren starb der Schauspieler im Alter von 38 Jahren. Erinnerung an einen Künstler, den zeitlebens große Unsicherheit quälte.
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Floyd wird die Stadt verlassen. Er heuert auf einem Schiff an, und gibt alles auf: Hamburg, seine Freunde, sein ganzes altes Leben. Morgen früh ist es so weit - doch diese Nacht will er noch einmal mit seinen beiden besten Freunden verbringen, zusammen das Leben in vollen Zügen genießen. Hin- und hergerissen zwischen der Melancholie des Abschieds und der Euphorie für die letzten gemeinsamen Stunden erleben sie wundersame Stunden in Hamburg, düsen mit dem Auto durch die Gegend, treffen merkwürdige Nachtgestalten - und spielen Tischfußball, als ginge es um ihr Leben. Als der Morgen anbricht, heißt es Abschied nehmen. Floyd bricht auf zu neuen Ufern.

Der Schauspieler Frank Giering verkörperte diesen Floyd in Sebastian Schippers Film "Absolute Giganten" - und wurde mit der Rolle beim deutschen Kinopublikum berühmt. Wie Floyd sein altes Leben hinter sich lässt, so ist nun auch Frank Giering von uns gegangen. Er verstarb am 23.Juni 2010 überraschend im Alter von 38 Jahren. Nach Angaben seiner Berliner Agentur war die Todesursache eine akute Gallenkolik.

Sein Leben ist alles andere als glatt verlaufen: Mehrere Jahre lang war der Schauspieler alkoholabhängig. Zudem ließ er in seinen seltenen Interviews immer wieder eine starke Unsicherheit durchblicken. "Mir fehlt ein wenig die Selbstliebe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man mich lieben kann", sagte Giering 2006 in einem Interview mit der Zeitschrift "Maxi".

Im Interview mit "Spiegel-Online" klagte er kurz vor seinem Tod darüber, dass er keine Frau kennen lernt: "Ich bin zu schüchtern, um eine anzusprechen", sagte Giering damals.

Frank Giering zog erst mit 29 Jahren von zu Hause aus

Derart offenherzig redet fast niemand in der heutigen Mediengesellschaft, wo Image mindestens genauso viel zählt wie reines Können. Der gebürtige Magdeburger machte aus seinem Herzen keine Mördergrube - und was zum Vorschein kam, war alles andere als imagefördernd: ein schüchterner, verunsicherter Künstler, der erst mit 29 Jahren von zu Hause ausgezogen war, ohne Führerschein und PC-Kenntnisse lebte und sich nach der Sicherheit zurücksehnte, die man als Kind hat.

Die Verunsicherung stand ihm ins Gesicht geschrieben: Wer einmal seinen traurigen Hundeblick gesehen hat, vergisst diesen Schauspieler nie wieder. Ihm haftete stets etwas Abgründiges an. So verwundert es wenig, dass Giering gleich in seiner ersten großen Filmrolle - in Michael Hanekes "Funny Games" - als psychopathischer, gnadenloser Killer besetzt wurde. Eine Rolle, die ihn fortan verfolgte. In zahlreichen TV-Fernsehkrimis musste er immer wieder den Mörder geben.

Feste Rolle in "Der Kriminalist"

Obwohl er sein Studium an der Schauspielschule Potsdam schmiss, bestand an seinem schauspielerischen Können nie Zweifel. 2002 hatte er seinen großen Auftritt im Wettbewerbsprogramm der Berlinale - er spielte die Hauptrolle in Christopher Roths leider missglücktem "Baader", der Fakten und Fiktion bunt durcheinander mischt.

Daneben war Giering in zahlreichen weiteren Kino- und Fernsehfilmen zu sehen. Seit 2006 hatte er etwa eine feste Rolle als Kommissar Henry Weber in der ZDF-Krimireihe "Der Kriminalist".

Dort geht sein Kollege Christian Berkel seither alleine auf Ganovenjagd - Frank Giering hat sein altes Leben hinter sich gelassen. Eine letzte, rauschende Nacht im Kreise seiner Freunde war ihm leider nicht vergönnt.


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