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Französischer Filmpreis: "Good Bye Lenin" erhält einen César

"Good Bye Lenin" ist in Paris als bester europäischer Film mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet worden. Der Kinohit "Die Invasion der Barbaren" ging mit drei Auszeichnungen als Sieger aus dem Rennen.

Der Kinohit "Die Invasion der Barbaren" des kanadischen Regisseurs und Autors Denys Arcand ging am Samstag in Paris mit drei Auszeichnungen als Sieger aus dem Rennen um die César-Filmpreise hervor. Die französische Produktion, eine Komödie über einen todkranken, zynischen Universitätsprofessor und seine Angehörigen, erhielt den César für den besten französischen Film, die beste Regie und das beste Drehbuch. Die Césars für den besten EU- und den besten ausländischen Film gingen an die Wendesatire "Good Bye, Lenin" von Wolfgang Becker und an "Mystic River" von Clint Eastwood. Der César gilt als Gegenstück zum amerikanischen Oscar.

Erster Kanadier als bester Regisseur

Arcands süß-saure Komödie "Die Invasion der Barbaren" machte bereits 2003 in Cannes von sich reden, wo sie als erster kanadischer Abschlussfilm die Goldene Palme für das beste Drehbuch und für die beste Hauptdarstellerin (Marie-Josée Croze) erhalten hatte. Arcand, der in seinem Film Themen wie Kapitalismuskritik, Werteverfall, Korruption, Generations-Konflikt und Sterbehilfe anschneidet, ist der erste Kanadier, dem die César-Auszeichnung als bester Regisseur zugesprochen wird. "Ich bin überrascht, bewegt, glücklich", sagte der preisgekrönte Arcand.

Arcands Film erzählt die Geschichte eines Universitätsprofessors, dessen Freunde und Familie sich in den letzten Stunden seines Lebens um ihn versammeln. "Les Invasions Barbares" wurde auch für einen Oscar als bester ausländischer Film nominiert.

"Good Bye, Lenin"-Regisseur Becker bedankte sich für die Auszeichnung und wünschte allen französischen Filmen in Deutschland das Allerbeste und allen deutschen in Frankreich. Im vergangenen Jahr war der Preis für den besten EU-Film erstmals vergeben worden, an "Sprich mit ihr" von Pedro Almodovar. Eastwoods Gesellschaftsdrama "Mystic River", ein Drama über eine Gruppe Freunde, die die Vergangenheit nicht loslässt, ist am kommenden Wochenende im Rennen um den Regie-Oscar.

Gaukelei lockte mehr als 6,5 Millionen Zuschauer

In "Goodbye Lenin" gaukelt ein Sohn (Daniel Brühl) seiner kranken Mutter (Katrin Saß) den Fortbestand der DDR vor. Allein in Deutschland lockte der Film mehr als 6,5 Millionen Zuschauer in die Kinos und ist damit einer der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten.

Der Preis als bester Schauspieler ging an Omar Sharif für seine Rolle als moslemischer Händler Ibrahim in "Herr Ibrahim und die Blumen des Korans" von François Dupeyron. Der gebürtige Ägypter Sharif wurde mit "Lawrence von Arabien" und "Doktor Schiwago" weltberühmt. Gleich zwei Preise wurden Julie Depardieu, der Tochter des französischen Starschauspielers Gérard Depardieu, zugesprochen. Für "La petite Lili" (Die kleine Lili) von Claude Miller erhielt sie die César-Auszeichnungen für die beste Schauspielerin in einer Nebenrolle und die beste Nachwuchsschauspielerin.

"Der Herr der Ringe" blieb völlig unberücksichtigt

Die beiden Favoriten der César-Nacht, "Bon voyage" (Gute Reise) von Jean-Paul Rappeneau und "Pas sur la bouche" (Nicht auf den Mund) von Alain Resnais, die mit 11 und 9 Nominierungen ins Rennen gingen, mussten sich die restlichen Ehrungen teilen. So gingen die Trophäen für die beste Ausstattung und die beste Kamera an Rappenau und die Preise für die besten Kostüme und den besten Ton an Resnais. Das Fantasy-Epos "Der Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs", mit elf Nominierungen der große Oscar-Favorit, blieb bei den César-Preisen völlig unberücksichtigt.

Die Zeremonie wurde überschattet von einer Protestveranstaltung der Mitarbeiter der Unterhaltungsindustrie. Sie demonstrierten gegen Reformen der Regierung, mit denen ihnen die Arbeitslosenhilfe gekürzt werden soll. Etwa 200 Schauspieler, Musiker und Techniker protestierten vor dem Theater, und auch einige Prominente sprachen das Thema während der Preisverleihung an.

DPA